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besaß. die 3. zu seinem Vergnügen con-
struirte. In spateren Jahren noch kehrte
3. zu diesen ihm besonderes Vergnügen
bereitenden Arbeiten zurück und erfand
auS Seide eine Art Saiten, für welche
ihm das Institut der Künste und Wissen-
schaften in Venedig die Medaille zuer-
kannte. Zur Zeit deS Königreichs Ita»
lien wurde in Mailand ein öffentlicher
Concurs für ein neues System derPlom-
birung auf den Zolllegsiatten auSgeschrie-
ben. 3. erbat sich von seiner Behörde den
Urlaub, begab sich nach Mailand und
trug mit seiner Erfindung unter dreihun-
dert französischen und italienischen Mit»
bewerbern den Preis davon. Das höchst
sinnreiche Instrument erregte allgemeine
Bewunderung, es wurde mit einer golde»
nen Medaille im Gewicht von 1(10 Duca-
ten und außerdem mit einer Ehren«
gäbe von 1090 Ducaten belohnt. Ueber-
dieß hatte 3. durch seine Erfindung und
durch sein ganzes.Wesen so sehr den Bei»
fall des Finanzministers des Königreichs
Italien gewonnen, daß dieser, um diese
schöpferische geistige Kraft auch fernerhin
in seinem Dienste zu behalten, für ihn
eigens eine neue Stelle schuf, die des
„VeMcHtors äoientitieu äei I'oLi o
Uisurk", ein Amt, das ihm keine Mühe
machte und ihm vollends Muße gab, sich
seinen Lieblingsftudien hinzugeben. Nach
dem Falle deS Königreichs Italien wurde
3.. dessen oberwähnte Stempelmaschine
von der österreichischen Regierung zu
eigenem Gebrauche zurückgehalten wurde,
in seiner obigen, eigens für ihn geschcch
fenen Stelle, auch für das lombardisch'
venetianische Königreich bestätigt. In .
dessen beschäftigte er sich immerfort mit
neuen Erfindungen, deren er viele höchst
sinnreiche und wichtige zu Stande brachte.
In eine nähere Beschreibung derselben
sich hier einzulassen, ist nicht leicht thun- lich. doch im Allgemeinen sollen die wich.
tigeren doch angedeutet werden. So löste
er ein fünfjähriges Privilegium auf die
Erfindung einer neuen Schnellwage.
welche wegen ihrer Vollkommenheit als
Normalwage angesehen werden kann
und von allen Mängeln der gewöhnlichen
Schnellwagen, ja selbst der gleicharmigen
Wagen, frei ist. — Dann erfand er eine
Art pythagoreische Tafe l zur Bei.
fügung der Stempeltaxe auf Schriften
und Urkunden. Diese ebenfalls höchst
sinnreiche Erfindung wurde von der kais.
Regierung erworben und in den betref-
fenden Aemtern in Anwendung gebracht.
— Großes Aufsehen erregte.sein ganz
neu erfundenes Schiff, welches nicht
untergehen und mit dem man ohne
Segel, ohne Ruder und ohne Dampf-
maschine auf den Flüssen hin und her,
aufwärts und abwärts fahren konnte.
Die Probe wurde öffentlich zu Pavia
auf dem Flusse Ticino vor einer großen
Menge Volkes angestellt und fiel vortreff-
lich, zur allgemeinen Bewunderung der
versammelten Zuschauer aus. Sechs Men»
schen in der Barke setzten den Mechanis»
mus in Bewegung. DaSFahrzeug konnte
eine Ladung, doppelt so schwer als eS
selbst war, einnehmen. Es machte alle
Wendungen mit großer Geschwindigkeit,
und obgleich nur für Fluffe und Kanäle
berechnet, so konnte eS doch auch zu Fahr-
ten auf Seen und Meeren mit allem
Vortheil angewendet werden. — Ferner
erfand er eine WafferhebungSmaschine,
deren Princip auf der bekannten archi-
medischen Wafferschnecke (Wasserschraube)
beruht, welche sich aber von der gewöhn«
lichen dadurch unterscheidet, daß hier die
Schraubengänge, statt über einen schief-
liegenden Cylinder, über einen Kegel ge«
wunden find. — Für seine Chinamühle
(sie hieß Nulino psr 6ttsri22Hr6), um
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Band 15
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Leon-Lomeni
- Band
- 15
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1866
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 499
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon