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Focatelli 338 Locateiw
Friedrich Ni lhe lm r. spielen. Der. wie
bekannt, sehr sparsame König schickte ihm
am nächsten Tasse ein Geschenk von 20 Tha»
lern. welches Locatel l i wieder dem Ueber«
bringer zum Geschenke machte. Friedrich
Wilhelm I.. als er dieß erfuhr, nahm
dieß gewaltig übel und beklagte sich über L.
bei Friedrich August. Letzterer belehrte
nun den preußischen König, welche kostbaren
Geschenke L. zu empfangen gewohnt sei.
Nun denn. meinte der König, das lasse
sich ja ein zweites Mal wieder gut machen.
Nach dem zweiten Concerte ließ er den
Künstler zu sich rufen und aab ihm eigen«
händig eine schwere goldene Dose. gefüllt mit
Ducaten. setzte aber hinzu: «Ihr seid so
splendid, daß ich mir dießmal das Trinkgeld
für mein Geschenk selbst verdienen möchte".
— «O", erwiederte Locatel l i , „das Ge»
schenk aus der Hand des Königs selbst hat
zu viel Gewicht, als daß ich mich dieß.
mal von ihm trennen könnte". Der König
aber war mit der Antwort des gewandten
Italieners zufriedengestellt, Locatel l i war
ein großer Künstler, besonders stark in Dop«
pel» und oollstimmigen Griffen, kein Platz»
chen der Violine blieb von ihm unberührt,
und so brachte er mit seinen unerschöpflichen
Phantasien ganz fabelhafte Wirkungen her«
vor. Von seinen Compositionen sind bekannt:
„12 Oon.oyrti <;ro83i" (Amsterdam 1721), im
Style Corel l i 's; — ^ 'ar ts cis! Violino«
sl?33). enthält lü Concerte und 24 Capricen;
— „soi Ooucei-ti oou Intl-oöii-ioni" (1735);
— «!2 8ouNts psr ii Violono solo" (l73?); —
„6 ^ouosi-ti a yuattro" (l741); — „1,'Hi-ts
lii Q0VK luo<iul2,2i0N6", Capricen — und
„Nontrasto ai-uiouioo", Concerte. Außerdem
hat er im Jahre 1732 zwölf Flötensonaten mit
Baßbegleilung und in den Jahren 1736 und
1742 einige Streich'Trio's erscheinen lassen.
Als Violinspieler genoß L. seiner Zeit großen
Ruhm und viele von seinen Kunststücken im
Spielesoll Pag anini denüht und mit ihnen
große Effecte erzielt haben. Die Capricen in
dem oben angeführten Werke „1,'arts äi
Nloäu1ll2iouv" machten den Violinisten seiner
Zeit viel zu schaffen und ihrer Eigenthümlich,
keit wegen erschienen sie auch in der franzö>
fischen Ausgabe unter dem Titel: »c^xi-ioo«
suisluatiguoz". ^Gerber (Ernst Ludwig).
Historisch < biographisches Lerikon der Ton«
künstler (Leipzig 1790. Ioh. Gottl. Imman.
Bieitkopf, gr. s°.) Theil I , Sp. 812. —
Gaßner (F. S. vr.) , Universal'Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem, Bande
(Stuttgart 1849. Franz Köhler. 3er. 8".)
S. 561. — Neues Universal «Lexikon der
Tonkunst. Angefangen von Di-.Iul. Schlade-
bach, fortgesetzt von Ed. Bernsdorf (Dresden
1836, Rob. Schäfer, gr.8°.) Bd. i l , S. 799.
Md1iL6 xg.!» KU. li'ii-mw Diäot trörsg,
L0U5 Ia äirsotion äo ^1. Ie vr. Nosksr
(?ari5 1850 ot 2., 8<>.) lonis XXXI, x. 430.
— Porträte. 1) ?. I^ ooa,ty1N gravs par I^ l».m>
dsrt d'api'ZZ Is Äessiu oriziuai lc^parts»
n^nt ö ^Ir. Oartiyr (4».); - 2) F. Hille«
macher sc. (80,); — 3) C. Trost sc.
sgr. Fol), Schwarzk. selten.^
Locatello, Dominik (Tonkünstler,
geb. in der Provinz Venedig, wo er
in der zweiten Hälfte deS 18. Iahrhun-
derlS lebte). Pietrucci nennt ihn einen
ausgezeichneten Orgelspieler, dessen auch
Burney in seiner „H. ftsusi-Äl Hiätor^-
ol ^lu8io" in rühmender Weise gedenkt.
Er lebte viele Jahre in Padua, welches
er aber im Jahre 17?0 verließ, da er
nach Venedig übersetzt wurde. Auch dort
lebte er noch lange und machte sich durch
seine trefflichen Compositionen und sein
meisterhaftes Ocgelspiel einen berühmten
Namen. Ob von seinen Compositionen
etwas im Drucke erschienen, überhaupt Na-
hereS über feine Lebensverhaltnifse, geben
die Quellen, die seiner gedenken, nicht an.
öovani (?NäoV2 1888 , 31». 8<>.) p. 160. —
Gerber (Ernst Ludwig), Hiltorisch«biographi»
sches Lexikon der Tonkünstler (Leipzig 1790,
Breitkopf. Lex. 8«.) Bd. I , Sp. 813. —
Neues Universal 'Lerikon der Tonkunst.
Angefangen von Dr. Julius Schladebach,
fortgesetzt von Eduard BernSdorf (Dresden
1836. R. Schäfer, gr. 8«.) Bd. I I , S. 799. —
Gaßner (F. S. Dr.). Universal.Lerikon der
Tonkunst, Neue Handausgabe in einem Bande
(Stuttgart 1849, Frz. Köhler. 3er. 8°.) S.561.
— Ein Anderer dieses Namens, Johann
Franz (Gianfrancesco) Locatel lo, ist ein
zeitgenössischer Maler zu Venedig, der bereits
zu Anfang der vierziger Jahre sein Atelier in
der Lagunmstadt besaß und Historienbilder,
Altarblätter, Porträte u. dgl. m. malte. Von
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Band 15
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Leon-Lomeni
- Band
- 15
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1866
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 499
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon