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376 Lodron
Ter Muth d r^ Ungarn war gebrochen. Nach'
dem man endlich über die Fortsetzung des
Rückzuges sich geeinigt, entwich, noch in der-
seldm Nacht, drr zweite Ungarnführer More
mit seiner Schaar, ihm folgten die Cruaten
»md Stcirrr unlrr Crdödi und Ungnad,
und bei Tagesanbruch nnhmen noch Pekri
und der Oberfeldherr Kaziancr selbst Reiß<
aus, Auch Schlik mit seinen Böhmen hatte
auf sich nicht warten lassen. So warLodron
mit seinen Tirolern, Äärnthnern und einigen
Oesterrcichern der-Einzige geblieben Dem
Kampfe auszuweichen, war unmöglich, Äls
»r nun seinen Tchaarcn Muth zusprach, er»
wirderte ihm ein Söldling aus d'lu Haufen:
„Du hast leicht reden, Lodron, mit sechs
Küßen kann man leichter fliehen, als mit
zweien". Der Graf sprang vom Pferde, stach
mit dem eigenen Schwerte — so geht die
Sage — den verwegenen Sprecher nieder,
schnitt seinem Pferde die Zußsehncn durch
und befahl, die noch vorhandenen Pferde den
Kranken und Verwundeten zu überlassen. Und
nun, vereint mit Mager, dem Führer der
Kärnthner. nahm er dcn unocrmcidlichen
Kampf an. Mauer fiel bald und mit ihm
21 Edle cmT Kärnthen. Auch dic Oesterreichs
und Tiroler sanken unter dcn Streichen der
weit überlegenen türkischen Horden. Lodron,
schon schwer auf dem Kopfe und an der
Brust verwundet, gerieth in Gefangenschaft
der Türken, die ihm nun den Kopf abhieben,
um denselben ucreint mit jenem von B okics
uno Mager in Constantinopcl als Trophäen
vorzuzeigen. Dieß ist das traurige. Ende eines
tapferen Hclbcn, der, ein Opfer der Feigheit
und schnöden Vrrrathcs, sein edles Leben im
Kampfe gegen die Ungläubigen ausgehaucht.
Tei nh ardstc in und ein anderer ungcnann«
tcr Dichter haben beide in Hormayr's
„Archiv für Geschichte", Ersterer im Jahr«
gange l813 (Nr 13<) u. 140). Letzterer im
Jahrgange 1817 <Nr. ?!>, 80 u. 81). dcn Hrl>
dentod Lodron's in Gedichten gefeiert, und
ein erst in jüngster Zeit verblichener tlrolischcr
Geschichtsforscher, Alois M orig g l, hat das
Leben ocs Hclocn zum Gegenstände ganz bc>
sonderer Forschung gemacht. Fin Jahr uor
seinem Tode hatte sich Graf Ludwig zu
Tricut mit Ursula von Clecs vermalt, dir,
nachdem ihr Gatte bcrcitü gefallen war, cmcn
Sohn Mar imi l ian gebar, der in der Vlüthc
des Lebens, 22 Jahre alt, starb. Im Jahre
4? li) ließ Karl Ferdinand Graf Lodron,
damals Dompropst von Tncnt, dcm Helden in dcr Heiligenkreuzkirchc zu Trient ein Mo«
rmment setzen, dessen Inschrift Mor igg l in
dcm weiter unten bezeichneten Werke. S. 343,
mittheilt. Der „Tiroler Almanach vom Jahre
1804" berichtet aber, daß dieses Denkmal
sich weder in obgenannter noch in anderen
Kirchen Trienls vorfinde! Wohin es gekom«
men. ist unbekannt. lMor igg l (Alois). 3e>
ben und Heldentod dcS Grafen Ludwig von
Lodron (InnSbmck 1853, Wagner. 8«.). auch in
der Zeitschrift dcs Frrdmandcum5, I I I . Folge,
l l . Vd. 1. Abtheilung. — Rei l ly (Franz
Ioh. Ios. v.), Skizzirte Biographien der be»
rühmtcsten Feldherren Oesterreichs von Mari'
milian I. bis auf Franz I I . (Wien 1813.
Kunst, und Indttstric.Comptuir. kl. 4".) S, 34,
— Carinthia (Klagenfurier UnterhaltungS-
blatt. 40.) XI.II. Jahrgang (1852). S. 334
bis 345.1 — 12. -Nikolaus Graf L., vom
Georgischen Hauptstamme, lebte iltt
17. Jahrhunderte und ist ein Sohn dcS
Grafen H icr 0 ny m u 6 und der M a r g a-
rctha ron Noggc»:dorf Er hatte sich
von frühl'r Jugend dein Waffendienste gewid«
mct und stand, als im Jahre 1683 dcr Groß«
oczier Kara Mustapha mit einer Armee
von 200.000 Mann gegen Wien heranzog,
mit drci iNcgimentern drunten bei dcm kaiscr»
lichen Heere in Ungarn Al6 Wien belagert
n'urde, ging Lodron mit Karl von Lothrin»
gen über die Donaubrücke in das Marchfeld.
In der Folge nahm er am Entscchc von
Wien, an dcn Tagen von Parkany und Gran
Theil und stritt zuletzt unter LeSlic und
Trautmannsdorf f an dcr Dran und
Saue. — 13. Par is , auch Paris Ot to,
ein Sohn dcs Peter Ot to von L 0 dr0 n,
dessen Hauptthätigkeit noch.in dic erste Hälfte
dcs 15. Jahrhunderts, vornehmlich in die Jahre
1418—144! fällt. Paris war Hauptmann
in Diensten dcs Tcicnter VischofS Georg von
Liechtenstein, dcr. um gegen Herzog Fried»
ri ch von Oesterreich und dic dem Vischofc nicht
wohlgesinnten Tricnter eine Stütze zu haben,
sich mit mehreren durch Vcfitz, Macht und Reich«
thum hervorragenden Südtirolern, darunter
mit Peter Spaur und Paris Lodron,
verbunden hatte, welch' letzteren er zu seinem
Felohauptmann ernannte. Dic kaum beige«
lebten Streitigkeiten gegen Herzog Friedrich
begannen nun uon Neuem und es kam zu
erbitterten Kämpfen. Ein endlich zu Stande gc«
brachtcr Vergleich änderte wenig an dcr Sach»
läge; e»st al5 Visckof Georg starb, schien es
als stünor cim Wendung zum Besseren be»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Band 15
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Leon-Lomeni
- Band
- 15
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1866
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 499
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon