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des Erzherzogs Leopold von Oesterreich
drei Fahnen Fußvolk gegen die Graubundtner
geschickt. Diese rückten in Verbindung mit
den österreichischen Truppen in Engadein ein
und schlugen in diesem Thale ihr Lager auf.
Da wurden sie um Mitternacht von den ^
Graubündtnern plötzlich überfallen und nach
langer aber vergeblicher Gegenwehr und
unter einem furchtbaren Blutbade über die
Grenze zurückgeworfen. Mochte an dieser
Lehre der Erzbischof genug haben und zum
Entschlüsse gebracht worden sein, seine Lan-
deskinder nicht wieder für fremde Zwecke hin«
schlachten zu lassen, genug, er schickte keine
Hilfstruppen mehr und enthielt sich selbst dann.
als im angrenzenden Oberösterreich der Auf»
rühr ausbrach, aller Einmischung. Hingegen
richtete er auf sein eigenes Land voll Sorg-
falt die Blicke, um es vor den Wirren des
Krieges zu bewahren und es mit allen Seg»
nungen des Friedens auszustatten. Er ließ
Salzburg neu befestigen, die Werke um die
Neustadt aufführen, die Festung Hohensalz«
bürg und den Kapuzincrberg auf gleiche Art
versichern, an den Grenzen die Passe Mand'
ling, Lueg, Strub. Kniefus und Luftenstcin
bei Lofer verschanzen; rief die sogenannte
Landfahne (der zehnte Mann dcr Ansässigen)
zum Baue und Nachtdienste ein und ent»
schloß sich, als dieser Dienst für die Berufenen
durch eine Reihe von Jahren zu ermüdend
wurde, ein stehendes Heer durch Werbung zu
errichten und bei den Bürgern einzuquartieren.
Da bei dieser letzteren Anordnung die üblen
Folgen auf sich nicht warten ließen, entschloß
er sich, für sein Militär eine Caserne nebst
Schanze zu erbauen, und genießt somit das
Vorrecht, der Erbauer der ersten Caserne
Deutschlands zu sein — dcnn eine ältere
wie die Griescaserne in Salzburg soll es nach
Hauptmann v. SchaNhammer's Ausspruch
(Salzburger Zeitung 1863. Nr. 18 im Feuille.
ton) nicht geben. Die von dem Erzbischofe
organisirte allgemeine Landesverteidigung,
welche 24.000 wohlgeübtc Schützen im ersten
Aufgebot enthielt, imponirte dcm Schweden^
könige Gustav Adolph, nachdem er bereits
Bayern erobert hcittc, so sehr, daß cr das
Salzburgische Gebiet, obgleich der Churfürst
Mar im i l i an und Tausende seiner Unter«
thancn ihre beste Habe nach Salzburg gc
flüchtet und so dem Feinde entzogen hatten,
nicht zu überschreiten wagte. So erfreute sich
der Fürst Par is , während die Lander rings,
umher unter der Gcißcl des Krieges und verarmten, in seinem Lande dauernden
Friedens und konnte einerseits großartige,
theils durch die Umstände gebotene, theils
für alle Zeiten nützliche Bauten aufführen,
theils ausgedehnte Stiftungen für Kirche,
Land und seine Familie errichten. So erhob
er das Gymnasium zu Salzburg zu einer
Universität und erhielt vom Kaiser Ferdi»
nand I I . am 9. März 1620 die Urkunde,
welcher zufolge die Salzburger Hochschule
allen anderen Hochschulen Deutschlands gleich»
gestellt wurde (sie wurde am 1l. December
1810 von Bayern aufgehoben). Zur Heran-
bildung von Professoren schlössen die Aebte
der Benedictiner von Bayern und Schwaben
ein Uebereinkommen und übernahmen die Be»
setzung der Lehrstühle der Philosophie, Theo«
logie und eines Theiles der juridischen Fa«
cultät. Paris stellte das Nniuersitäisgebauoe
und die Kirche her, widmete gleich im An-
beginn ein Capital von 72.000 si., kurz vor
seinem Tode ein zweites von 40.000 ss. aus»
schließlich für die weltlichen Professoren uno
ein drittes von 4000 st. namentlich für den
Professor des Staatsrechtes. Das Priester»
Seminar wurde neu organisirt und in das
ehemalige Kloster der Barmherzigen verlegt.
Die Errichtung des Lodron'schen Fio».i'
commisses, auch cin Werk des Erzbischofs
Paris, hat nicht bloß ein Familieninleresse,
sondern ist auch für Salzburg und Kärnthen
von Wichtigkeit. Mit Stiftungsurkunde vom
8. April 1631 errichtete Par is die Primo-
gcnitur srmer Familie und übergab sie seinem
Bruder Christoph mit dem Bedeuten, daß
jederzeit der Erstgeborene nachfolgen solle,
wofern er der katholischen Religion treu
bliebe. Die ursprüngliche Dotation bestand
aus dein von Par is selbst erbauten Lo«
dron'schcn Palaste jenseits der Brücke zu
Salzbmg. aus zwei Häusern in der Berg»
straßc, aus cincm nahe bei der Stadt gelege-
nen Landgute, Lehen genannt, aus den von
dcm gewesenen Salzburgcr Erblandsmarschalle
Johann Christoph von Nußdorf er«
kauften Gülten. Zehcntcn und Gütern, welche
Par is sämmtlich mit dcm Erbmarschalls»
amte (letzteres mit Urkunde vom 19. Februar
I63A) seinem Bruder Christoph übergab.
Da ihm dicscr Gütcrcmupler, noch ungcnü»
gend erschien, kauftc der Erzbischof noch am
i!i. September 1639 die Herrschaft und Stadt
Gmünd sammt Dombach und Kronegg, dann
das Landgericht Rciuchcnkatsch von den Nei»
tcnau'schcn Erben um iilw.ouo st. und ließ
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Band 15
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Leon-Lomeni
- Band
- 15
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1866
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 499
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon