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Aodron 38t Lodron
von Margaretha Tapare l l i oder Ka-
tharina von Arco, oder aber Eleonora
de Gretta ist nicht bekannt. Er lebte zu
Onde deS siebzehnten und in der ersten Hälfte
des achtzehnten Jahrhunderts. Gr bekleidete
die Würde eines OberstjägermeisterS von
Ober- und Niederösterreich und erfreute sich
einer großen Beliebtheit unter dem Land»
volke. AlS im Jahre 4703 die Bayern und
die Franzosen unter persönlicher Anführung
des Churfürsten in Tirol einbrachen und sich
der schlechtvertheidigten Hauptveste Kufstein
und bald darauf Rattenbergs bemächtig»
ten. damals beschwichtigte Graf Par is die
über den Verlust von Kufstein aufgeregten
Landstürmer und überredete sie, dem belager«
ten Rattenberg, dessen Fall noch nicht bekannt
geworden und welches nian zu halten ge»
dachte, zu Hilfe zu ziehen. Am 23. Juni
brach der Landsturm, mit dem Grafen an
der Spitze, von Innsbruck auf. Heber tau»
send Forstiager und Schützen gaben ihm
das Geleite. Eine andere Abtheilung, bei
der sich nahezu ein halbes tausend Akademiker
befand, war bereits vorausgegangen. Aber
beide Abtheilungen waren kaum abgerückt,
als die Nachricht von der Einnahme Ratten«
bergs sich allenthalben verbreitete. Während
nun Viele in Bestürzung über diese Hiobspost
das Hasenpanier ergriffen, kehrte Lodron mit
seiner Abtheilung in Ordnung nach Innsbruck
zurück, wo er auch bereits Alles in voller Flucht,
die Regierung aber in förmlicher Auflösung
begriffen fand. Als General Gschwind von
Portstein, der Landescommandant, mit seiner
Mannschaft über Amras, um die Abfahrt des
dortigen Schatzes zu decken, dem Brenner zu
abzog, begab sich auch Graf Pa r i s mit
den Regierungsrathen, einer größeren Menge
von Lehmpferden und Jägern ebenfalls dahin
und von dort auf seine Herrschaften nach
Kärnthen, welche durch das anscheinend ganz«
liche Aufgeben Tirols zunächst bedroht waren.
Der Churfürst hatte ohne Schwertstreich Inns«
druck besetzt und der Feind sich immer weiter
gegen Kärnthen zu ausgedehnt. Als aber der
erste panische Schrecken vorüber und die Fas»
sung der Tiroler wieder gewonnen war, erfolg«
ten die Aufstände im Burggrafenamte, an der
Etsch und am Eisack. Das Leben des Chur»
fürsten ward sogar gefährdet und an seiner
Seite fiel der Graf Arco, Graf Porzia
wurde erschlagen. Der Churfürst verließ als»
bald Innsbruck und zuletzt das Land. I n
Südtirol war zwar Vendome eingebrochen. hatte sogar Trient bombardirt, aber in den
Iudiciarien, wo der Trienter Stadthauptinann
Graf Wolkenstein den Landsturm commcm«
dirte, und bei den Verschanzungen zu Storo,
Lodrone und Rocca d'Anfo wurde er in
solcher Weise empfangen, daß er über Hals
und Kopf trachtete, aus dieser Gegend zu kom«
men, die keines Feindes Fuß weiter betrat. —
ttt. Petrus Otto, oder wie er in italieni»
schen Chroniken genannt wird. Petrozotto.
der I I . dieses Namens, ist eine der hervor<
ragendsten Gestalten in der mittelalterlichen
Geschichte Südticols. Lange lag er in Fehde
mit den Erbfeinden der Lodron, mit denen
von A^rco, und erst ein durch Vermittelung
des Trienter Bischofs Georg von Liech.
ten st ein auf Schloß Acco am 1. August
l404 geschlossener Waffenstillstand stellte zwi«
schen den Arco und Lodron für einige
Zeit den Frieden her. Petrus Otto hatte
dem Herzoge Leopold IV. von Oesterreich,
zubenannt der Dicke, von Anderen der Stolze,
am l6. Jänner 4296 Treue und Anhäng«
lichteit gelobt, mit Person. Schlössern und
Gütern. Als nach des Königs Wenzel
Absetzung die deutschen Churfürsten Rup»
recht von der Pfalz zum Kaiser gewählt
und zur Hauptbedingung gemacht hatten,
das von Wenzel den Visconti verliehene
Mailand dem Reiche zu erhalten, zog König
Ruprecht, dem sich Herzog Leopold an»
geschlossen, durch Tirol und durch die Iudi«
ciarien gegen Brescia. Damals handelte L o»
dron seinem Gelöbnisse treu und führte des
Herzogs Heer die wegsamsten Pfade und
versah es mit Proviant und Allem was es
bedürfte. Als später bei der neuen Länder-
theilung Tirol an Friedrich, zubenannt
mit der leeren Tasche, siel und die Feind»
seligkeiten des Trienter Bischofs Georg von
Liechtenstein gegen den Herzog Fried«
rich, dessen Lage im Lande bedeutend er»
schwerten. spielte Petrus Otto eine große
Rolle und hielt treu in allen Stürmen zum
Herzoge. Eines merkwürdigen Nmstanoes sei
hier gedacht. Bischof Georg von Liechten-
stein hatte durch große Steuern die Erbit«
terung der Bürger von Trient geweckt und
am 2. Februar l407 brach ein Volksaufstano
in der Stadt aus, Die von Herzog Fried»
rich dem Bischöfe angebotene Hilfe hatte
dieser abgelehnt, weil er den Zuzug eines
Abenteurers, Ot tobon de Torc i is , der
von dem Bischöfe eigens berufen und bereits
auf dem Wege war, mit jeder Stunde
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Leon-Lomeni, Band 15
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Leon-Lomeni
- Band
- 15
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1866
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 499
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon