Seite - 171 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Band 17
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May May
Vaterlande im Schulwesen allenthalben
Platz gegriffen und wie sich eben im
Schulamte jungen fähigen Männern
erfreuliche Aussichten eröffneten, suchte,
während der Kaiser in Paris sich auf-
hielt, eine Audienz bei demselben zu
erlangen, um ihn um eine Anstellung im
Vaterlande zu bitten. Der Kaiser hatte
eben in den letzten Tagen die Taub<
stummeN'Lehr» und Erziehungsanstalt des
Abbä de l'Epee besucht und hatte, von
dem Wirken und Erfolgen derselben ans
das Innerste befriedigt, beschlossen, ein
abnliches Institut in seinen Staaten zu
erricbten. Da stellte sich ihm May vor
und bat um Verzeihung, daß er als
Böhme in Frankreich Unterkunft gesucht,
jetzt aber, da sich ihm Gelegenheit biete,
die erworbenen Kenntnisse zum Besten
seiner eigenen Heimat zu verwenden,
bitte er um eine Stelle im Lehramte.
Der Kaiser fand an dem jungen Mannc
Gefallen und fragte ihn zunächst, ob er
die Lehrstunden des Abbö de l 'Kpöe
im Taubstummen-Institute besucht habe,
wie ihm die Lehrmethode desselben gefalle
und ob er sich für fähig halte, dieselbe
zu erlernen? Nachdem May die Fragen
des Monarchen in- zufriedenstellender
Weise beantwortet und seine Bereitwil-
ligkeit. sich zum Taubstummenlehrer zu
bilden, ausgesprochen hatte, trug ihm
der Kaiser auf, seine Entlassung von dem
Lehramte in der Militärschule anzusuchen,
dem Unterrichte der Taubstummen taglich
beizuwohnen, um sich die Methode in
kürzester Zeit anzueignen. Zugleich sicherte
er ihm ein Iahresgehalt zu, das er
monatlich bei dem österreichischen Ge»
sandten in Paris erheben sollte. Ueber-
dieß wollte der Kaiser noch einen taug-
lichen Mann von Wien nach Paris
senden, der sich gleich May im Taub«
stummenunterrichte ausbilden und dann mit May vereint die Lehrerstellen in
dem Taubftummen.Institute übernehmen
sollte, welches der Kaiser in Wien
zu errichten beabsichtigte. I n der Tbat
schickte der Kaiser auch den Weltprie«
ster und der Philosophie Doctor Fried«
rich Stark aus diesem Anlasse nack
Paris, und nachdem dieser mit der
Methode des Unterrichts und der Be»
Handlung der Taubstummen fick, vertraut
gemacht, kehrte er zugleich mit May
nach Wien zurück. Daselbst wurde May
im Jahre 4779 in der Freischule für
secks taubstumme Knaben und ebenso
viele Madchen, welche Mar ia The-
resia auf Joseph's Antrag im Bür.
gerspitale errichtet hatte, als Gehilfe an
Stark's Seite, welcher der Anstalt als
Lehrer vorstand, angestellt. Als einige
Jahre spater, 4782, da sich der Versuch
bewahrte, der Kaiser das Taubstummen«
Institut erweiterte und die Zahl der
Zöglinge von Mols auf zwanziq ver>
mehrte, wurde Stark zum Director und
May zum Lebrer in demselben erhoben.
Fortan lebte M. ausschließlich der Bit»
düng und Erziehung seiner Zöglinge,
deren Vervollkommnung, so weit sie
menschlich denkbar ist, er sich auf das
Ernstlichste angelegen sein ließ. Er
machte sich nicht nur mit den Schriften
der ersten Pädagogen seiner Zeit, eines
Basedow, Rochow, Campe,
Salzmann. V i l laume u. A. bekannt,
auch die Methode des Abbs de l'Epäe
suchte er immer mehr zu vervollkommnen,
die Geberdensprache der Taubstummen
zu regeln, insbesondere ihre Tonsvrache
auszubilden und überhaupt den Verkehr
der Taubstummen mit sprechenden Ver-
sonen möglichst zu erleichtern. Aus
dieser seiner Beschäftigung rissen ihn mit
einem Male Mißhelligkeiten mit dem
Director Stark , die einen so ernsten
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon