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Länder, zu Colonien in denselben und
dergleichen. Zur Fortsetzung seiner SW«
dien begab er sich auf die Universität
nach Altdorf, auch scheint er Erlangen
besucht zu haben. Er studirte dem
Wunsche seines Vaters gemäß die Rechte,
betrieb aber aus eigener Neigung Mathe«
matik, Geschichte, Sprachen, Natur- und
Erdkunde. Um seiner Reiselust genügen
zu können, hatte er die Absicht, in
englische Seedienfte zu treten, auch mochte
er damals schon, was jedoch nicht
festgestellt ist. eine größere Reise nach
England und Schottland gemacht haben.
Einige Zeit beschäftigte ihn auch der
Gedanke, sich in Amerika anzusiedeln.
Jedoch gab er diesen Gedanken auf und
trat bei der Artillerie in österreichische
Dienste ein. In diesem Berufe setzte
er in seinen Mußestunden die bisherigen
Studien fort. Ob er in jenen Tagen
das nachmals so berühmt gewordene
Werk: „Dya-Na-Sore", über welches
weiter unten Näheres gesagt wird, ge-
schrieben oder doch wenigstens schon ange-
fangen hat, laßt sich nicht mit Bestimmtheit
sagen. Da aber die erste Auflage dieses
Werkes zu Wien im Jahre 1787 erschien,
in welchem M. im Alter von 27 Jahren
stand, so ist zu vermuthen, daß es um
die Zeit seines ersten Dienstes in der
österreichischen Armee entstanden, oder
doch daß er den Plan dazu entworfen
hatte. Als Officier lernte er zwei junge
Cavaliere kennen, die er zu einer großen
wissenschaftlichen Reise begeisterte, und
die sich ihn zum Gesellschafter wählten.
M. legte nun seine Charge nieder und
machte als Begleiter der beiden Kava-
liere eine große Reise durch England,
Schottland, Deutschland, Ungarn, Polen,
Italien, Griechenland und Kleinasien.
Die mannigfaltigen Denkmale der Vor»
Welt fesselten vom Gesichtspuncte der Geschichte, Kunst und Kriegswiffenschaft
sein Interesse, insbesondere ftudirte er
Orte. welche durch große Schlachten, ,
Belagerungen oder andere Kriegsthaten
berühmt geworden, über Alles aber
stand ihm das Studium des Menschen.
Die Ergebnisse dieser Reise, so weit sie
culturhistorischen und philosophischen In>
Haltes waren, mochte er dann in sein
vorerwähntes Werk, vielleicht in die
zweite vermehrte Auflage, aufgenommen
und wahrscheinlich bei einer kurz vor
dessen Druck vorgenommenen Umarbei-
tung mit dem eigentlichen Romane
in geschickter Weise verflochten haben.
Der Tod des Einen der beiden Reise-
gefährten vereitelte die Fortsetzung der
Reise, denn nun trat auch der zweite
zurück. M., der indessen, mit der öster-
reichischen Gesandtschaft in Sicilien in
Verbindung getreten, hielt sich nun
längere Zeit bei derselben auf und be-
nutzte dieses Verhältniß, um die damals
noch wenig bekannte und von Reisenden
kaum berücksichtigte, übrigens so inteces»
sante Insel genau kennen zu lernen.
Neapel befand sich zu jener Zeit in der
GewaltderFranzosen; Sicilien aber, unter
englischem Schutze, war der Aufenthalt
der alten Königsfamilie. Nachdem er
auf seinen Reisen durch die Insel die
Verhältnisse derselben nach allen Seiten
genau kennen gelernt, hier die Spuren
des Mangels fieißiger Hände, dort die
nicht minder bedenklichen einer Ueber-
völkerung gefunden, gerieth er auf die
praktische Idee, durch eine zahlreiche
Colonie arbeitsamer deutscher Bauern
den verschiedenen Uebelstündcn am wirk-
samsten abzuhelfen; aber Vorurtheile,
Mißtrauen, alte Privilegien machten die
schöne Idee des edlen Humanisten schei-
tern. Von Neapel begab sich M. nach
Rom, wo er sich gleichfalls längere Zeit
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon