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Mayern Mayer«
bei der österreichischen Gesandtschaft auf»
hielt und unter ihrem Schutze die Mög'
lichkeit fand, die Schätze und Merkwür»
digkeiten der Siebenhügelstadt genauer
kennen zu lernen, als es unter anderen
Verhältnissen thunlich gewesen wäre.
Bemerkenswerth ist es. daß M. mit
seinem feinen durchgebildeten Kunst- und
Schönheitssinne die Herrlichkeiten Roms,
besonders aber die kirchlichen, nicht so
hochstellte, als dieß durch den affectirten
Enthusiasmus derAllerweltbewunderer in
der Regel zu geschehen pflegt Von Rom
sckeintM. nach Oesterreich zurückgekehrt zu
sein. (Es gibt in M aye rn's Lebenslaufe
so viele Lücken zu ergänzen und richtige
Llnknüpfungspuncte seiner verschiedenen
Lebensperioden aufzufinden, daß in der
vorstehenden Skizze das Sichergestellte
nur im Allgemeinen erwähnt werden
kann.) In dem von den französischen
Kriegen in hohem Grade aufgeregten
Wien fand der ehemalige geistvolle
Officier bald Verwendung. Schon früher
hatte er zur Errichtung einer Landwehr
in den österreichischen Staaten gerathen.
Jetzt nun, im Jahre 1809. arbeitete er
den Entwurf einer allgemeinen Landes«
bewaffnung aus und überreichte denselben
persönlich dem Kaiser. Sonderbar genug,
blieb der Plan unberücksichtigt. Jedoch
scheint er den Wiedereintritt M.'s in
österreichische Kriegsdienste zur Folge
gehabt zu haben. Denn M. trat nun
als Haufttmann bei der Artillerie ein.
in welcher Stellung ihm die Ausarbei«
tungen über die wichtigsten militärischen
Gegenstände übergebet! wurden. Seine
Leistungen zeigten von seinem tiefen
Geiste und in der Praxis sich durchwegs
anwendbar und brauchbar. Die größte
und anstrengendste Thätigkeit entfaltete
er aber wahrend der Jahre 4809 bis
l2 bei der Organisirung und Leitung der Landwehr und des Landsturmes.
Wie sehr er aber dabei in seinem Elemente
war, erhellet aus einer noch im höheren
Alter oft gemachten Bemerkung, „daß
dieß die glücklichste Zeit seines Lebens
gewesen, und er trotz seines hohen
Alters doch eigentlich nur eilf Monate
gelebt hatte". Im Jahre 1813 wurde
er als Hauptmann zum Generalstabe
verseht, und wie früher im Kaiserstaate,
so half er nunmehr am Rhein das
Volk bewaffnen und in den Waffen
üben. Sein bewährter Kunstsinn war
auch Veranlassung, daß er im Jahre
1813 von österreichischer Seite nach
Paris geschickt wurde, um die Alls-
lieferung und Absmdung der aus Italien
von den Franzosen weggenommenen
Kunstschätze zu besorgen, welche er selbst
auf dem Transporte nach Rom be«
gleitete. Dafür wurde er von dem
Papste decorirt. Nach seiner Rückkehr
wurde er dem österreichischen Gesandten
am spanischen Hofe, dem Grafen Kau»
nitz. zugetheilt und brachte nun mehrere
Jahre in Madrid zu. Im Jahre 1820
befand er sich im Gefolge des Fürsten
Schwarzenberg, der ihn hochschätzte
und in seinen engeren Kreis zog. Als
der Fürst. dessen Zustand immer be-
sorgnißerregender wurde, sich endlich
zur Reise nach Leipzig entschloß, um
dort bei Doctor Hahnemann die
homöopatische Heilmethode zu versuchen,
war M. sein Begleiter und blieb bei dem
Fürsten bis zu dessen (am 15. October
1820) erfolgten Tode. Dann erhielt er
den Auftrag, die Leiche nach Prag zu
begleiten. Darauf soll er, wie fein
Biograph berichtet, den Abschied mit
600 fl. Pension erhalten haben!? Als
in kurzer Zeit darauf das berühmte
Bankhaus Graf Fries in Wien fallirte,
verlor M. das kleine Vermögen, das
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon