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Wayrhofen 486 Mayrhoftr
und der 74. Abt des Benedictinerstiftes zu
St. Peter in Salzburg. Er war einer der
verdienstvollsten Nebte seines Stiftes, das ihn
im Jahre 1704 zu dieser Würde erwählt hatte.
Er vergrößerte nicht nur das Stift durch
mehrere kirchliche Bauten, sondern bereicherte
auch den Kirchenschatz durch reiche edelstem,
geschmückte Gerälhe und Ornate. In der kiich'
lichen Ordnung deS Stiftes führte er mehrere
Reformen ein und errichtete 1707 für Novizen
und Cleriker ein neues Noviziat. Ader auch
die wissenschaftliche Richtung ließ er nicht
unberücksichtigt: so stiftete er eine neue Biblio«
thek. die er mit vorzüglichen Werken ausstat»
tete; sorgte, daß die besonders fähigen Con<
ventualen rine tüchtige wissenschaftliche Bib
düng erlangten, und thaten sich unter seiner
Negierung mehrere Mitglieder des Stiftes
durch ihre wissenschaftlichen Leistungen hervor.
Als guter Oekonom brachte er auch mehrere
Besitzungen, unter anderen im Jahre 17N
das Schloß Goldenstem mit allen dazu ge<
hörigen Liegenschaften käuflich an das Stift,
ssei'iss 2db2.tu.iQ mauasterii 0.8. V. aä
8. Vsti-uin 8Hli5du!-3i (8aU5b. 5. a. s1803),
Du?!6, 8».) x. 25.^Z
Mayrhofen, siehe: Mayerhofen,
Stephan von s^ S. 173^.
Mayrhoftr, Johann (Dichter, geb.
zu Steyer im Traunkrcise Oberöster-
reichs 3. November 1787, gest. zu W i en
3. Februar 1836). Das Gymnasium
und die philosophischen Jahrgange be<
suchte M. zu Linz. Auf des Vaters
Wunsch, Geistlicher zu werden, trat er
als Cleriker in das Stift St. Florian
und blieb in demselben drei Jahre, neben
seinem Berufsstudium sich viel mit alten
Sprachen beschäftigend. Schon hatte er
das Noviziat abgelegt, als er mit einem
Male anderen Sinnes wurde, das Stu»
dium der Theologie aufgab und sich
nach Wien begab, um dort jenes der
Rechte zu beginnen. In Wien. wo eine
bedeutende reiche Außenwelt auf ihn
mächtig einwirkte, erwachte sein poetischer
Schaffensdrang, der in der früheren
Einsamkeit und unter den beengenden Verhältnissen, die ihn umgaben, nicht
zum Durchbruche kommen konnte. Im
Verkehre mit gleichgestimmten jungen
Freunden machte sich bald aucb ein heite-
rer, nicht selten zu schlagendem Witze sich
zuspitzender Sinn bei ihm geltend. Diese
gemüthliche frohe Laune bester kernhafter
Qualität war, wie Feuchtersleben
über ihn schreibt, ein Element in dieser
ernsten tüchtigen Natur und ist auch
später nie ganz von ihm gewichen, wenn
sie sich gleich allmälig mehr verbarg und
jenen minder schuldlosen Charakter an«
nahm, den er selbst als kaustisch
zu bezeichnen pflegte. Das m seinem
Nachlasse vorgefundene Gedicht „Mephi«
stopheleS" drückt diese gemüthliche Bit-
terkeit vollkommen aus, für solche Stirn«
mungen erfand er sich eine Dichtungs»
form, die er „Sermone" nannte, und
worin er seine Galle über dasjenige
ausließ, was an den Menschen gemein
und für ihn verletzend war. Denn so
derb sein Charakter auf der einen Seite,
so sittlich zart bis zum Krankhaften war
sein Gemüth auf der anderen. Was die
literarischen Einflüsse auf diese eigen«
artige Natur betrifft, so sind hier vor
Allem drei Namen zu nennen: Goethe,
Herder und Feßler. M. lebte nock
jene Zeit mit, in welcher neue Werke
des Dichterfürsten erschienen und auf
das Publicum wirkten. Begann auch
schon die Welt von dem Dichter sich
abzuwenden, ihm galt er gerade damals
über Alles, und der nicht mehr ver-
standene Goethe interesfirte ihn mehr
als der Allbewunderte. Herder wie»
der in seiner Art, AlleS im Großen
und Ganzen anzuschauen und die Ele-
mente des Weltalls in Einem Glauben
und in Einer Religion versöhnend zu
einigen, erschien seiner Denkart am
angemessensten. Feßler'ä j^Bd. IV,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon