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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Band 17
Seite - 188 -
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Mayrhoftr 188 Mayrhofer Freund so oft aufgesucht, ja ein paar Jahre sogar mit ihm gewohnt hatte. Seinen Gefühlen um den ihm und der Kunst zu früh Entrissenen gab er in den Gedichten „Geheimniß", „Nachgefühl.an Franz Sckubert" M November 1828) und «An Franz" Ausdruck. Im Jahre 1833 unternahm M. einen Ausflug nach Salzburg. Gastein und in das Bad Fusch. aus welchem er so gestärkt heimgekehrt war. daß fich sogar seine dicbterische Thätigkeit wieder zu regen begann. Er entwarf in jener Zeit den Plan zu einem epischen Gedickte: „Der Vogelsteller" . das fich in der neuen Ausgabe seiner Gedichte vorfindet. Aber das wahrte nur sehr kurz, es war das letzte Aufflackern einer verlöschenden Flamme. Eines Tages, am 3. Februar 1836, kam er wie gewöhnlich frühen Morgens in sein Amt — das Bücker, revifionsamt befand fich zu jener Zeit am sogenannten Laurenzerbergel, gegen- über der Post — dort, wie Ruftico» campius in ergreifender Einfachheit erwählt, begann er „zu schreiben, stand dann wieder auf — die Unruh ließ ihn nicht im Zimmer bleiben. Durch die düsteren Gange schritt er, starr und langsam, wie in Traumen, der Collegen Gruß nicht achtend, stieg er nack den oberen Räumen. Steht und stiert durch's offne Fenster. Draußen wehen Frühlings' lüfte, doch den Mann, der finster brütet, haucht es an. wie Grabesdüfte. An dem offnen Fenster kreiselt Sonnenstaub im Morgensckein, und der Mann lag auf der Straße mit zerschmettertem Gebein". Als alleinige Ursacke dieser gräßlichen Katastrophe, mit der M.'s Leben im mrrn hat.- am Hof Nr. ll>. Schulhof Nr. 3. Parisrraasse Nr. i. Mit dieser Angabe stimmt auch der Katastralplan der Haupt« und Nefi< denzstadt Wim vom Iahrc 1829 übcrein. Alter von erst 49 Jahren abschließt, wird Hypochondrie bezeichnet. Er hatte sich durch den Sturz das Genick gebro» cken, aber noch vier;ig qualvolle Stunden gelebt. Nach Mittheilungen von Per. sonen, die mit ihm in steter Berührung waren, wie der zur Zeit in Pension lebende Regierungsrath Hölz l sBd. IX, S. 449^. hat M. schon früher einmal, und damals in einem Anfalle von Schwermuth, den Tod iu der Donau gesucht, und war noch rechtzeitig heraus, gezogen und dem Leben erhalten worden. Als er aber das zweitemal an die gräßliche That ging. habe er diese nicht aus Lebensüberdruß, sondern aus fort« währender Angst vor der Cholera be» gangen *). Einige Jahre nach M.'s Tode erschienen seine Poesien in neuer Ausgabe unter dem Titel: „Gedichte. Urne «Sammlung. AuZ bessen MchlllSLe mit Niagraphie und Mrnmrt herausgegeben non (5rnst H'reihrrrn nan Fe nchte r5 leben (Wien 1843, 46".). Es wird bezüglich dieser zweiten Ausgabe der M ayrhofer'schen Gedichte irgendwo die Bemerkung ge» macht, daß in der alten (1824 erschie« nenen) die von Schubert componirten Gedichte durchweg enthalten sind, wäh. rend sie in der neuen Ausgabe, mit we- nigen Ausnahmen, fehlen. Es könnte so- mit scbeinen, als habe der in dergleichen so gewissenhafte Feuch te rs leben fich Eigenmächtigkeiten in der Redaction erlaubt. Dem ist aber durchaus nicht so. Die von Feuchtersleben besorgte Ausgabe kündigt sich nicht etwa als *) Vs erscheint dem Herausaeber dieses bionra» pdischen Lexikons als ungeheurer Widerspruch, daß ein Mensch aus Furcht vor der Cholera sich selbst das Leben nimmt, und dazu in so gräßlicher Weise, wie es bei Mayrho» fer der Fall gewesen. Er mag vor der Cho» lera Furcht gehabt haben, das Leben nahm er sich in einem Anfalle von Melancholie.
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Maroevic-Meszlenn, Band 17
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Maroevic-Meszlenn
Band
17
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1867
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
506
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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