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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Band 17
Seite - 189 -
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Mayrhofer 189 Mayrhofer zweite vermehrte Auf lage, son- dern vielmehr, und zwar auch auf dem Titel, als eine neue Sammlung der Mayrh ofer'schen Gedichte an, daher sich also diese beiden Ausgaben, vom Jahre 1824 und vom Jahre 1843, beide ganz verschiedene Gedichte enthaltend, wechselseitig ergänzen. Außer mehreren kleineren Aufsätzen in H o r m a y r's „Archiv" verfaßte M. noch zwei Opern» texte, von welchen Schubert den einen, „Die beiden Freunde von Salamanca", in Musik gesetzt, der andere. „Adrast", sich im Nachlasse des Dichters vorgefun- den hat. Mayrhofer 's Charakteristik von Feuchte rsleben hilft das Bild des unglücklichen Poeten vollenden. „Sogenannte Literaten", schreibt Fouch- ters leben, „vermied er auf daS Aengstjichste. Der unbefangene, gesunde, kräftige Naturmensch war ihm der liebste. Die Späße eines derartigen witzigen Menschen, der einer lustigen Abendgesell' schaft angehörte, trug er des Morgens darauf in sein Tagebuch ein, wo sie unter Joung's „Nachtgedanken" und Herme's „TrismegistoS" ihren Platz fanden. Seine Haushaltung war höchst einfach, an Mäßigkeit und Entsagung glich er einem Stoiker. Einige Bücher, eine Guitarre und die Pfeife bildeten seinen Hausschmuck, ein kurzer Schlaf nach Tisch und-ein Spaziergang seine Genüsse. Einfach bis zur Vernachlässigung war sein Anzug. Seine Beschäftigungen kehrten Tag für Tag in derselben Ordnung und mit derselben Pünctlichkeit wieder. Seine äußere Repräsentation hatte etwas Star- res, wie dieß Einsamen oft eigen ist. Unbeugsamer Ernst wurde von grellem Lachen unterbrochen. Sein Gang war fest, seine Handschrift stellte in jedem Buchstaben einen Lanzenschaft vor. Sein Körperbau war gedrungen, mittelgroß, seine Gesichtsformen wenig bedeutend, eher gemein; nur der Mund verzog sich gerne zu einem bedeutenden sarkastischen Lächeln, das Auge blitzte scharf und weitaus mit Adlerblick. Stolz hegte er nur in seinem Innern, andere Menschen überschätzte er. Beifall war ihm gleick- giltig, und wer ihm über seine Gedichte Schönheiten sagte, beleidigte ihn." W^s aber Mayrhofer den Dichter aube- langt, so war er. wie Seid litz treffend bemerkt, eines der reichbegabtesten öster« reichischen Dichtergemüther, aber dem Auslande, damals wie noch heute, wo er noch immer in Gotisch all's „Ge- schichte der deutschen Nationalliteratur" leider fehlt, eine „unbekannte Größe". In seiner Poesie herrscht das kraftvolle, etwas düstere Gepräge einer sich selbst genügenden Abgeschlossenheit; einer Mi» mose gleich scheint er bei jeder Beruh» l.ung von außen zusammenzuzucken, da» rum zeigt er in seinen Poesien mehr ein inneres Zusammenleben, als einen Reich» thum oder eine Mannigfaltigkeit äußerer Anschauung. In seinen Gedichten war M., wie Feuchte rsleben schreibt, vor Allem wahr. Er gab sein Herz und seinen Glauben, und war in diesem Sinne subjectiv. Manier hatte er keine, wenn man nicht die Kraft so nennen will, die er vor Anderen besaß, möglickst vielen Gehalt in möglichst wenige Worte zu bringen. Man muß sich in seine Rhythmen hineinleben, sie öffnen immer neue Schätze, treues Auffassen der Natur, insoferne sie dem Geiste Symbole liefert, macht seine besten Gedichte zu Tropen. Ruhige versöhnende Weisheit, auf dem dunklen Grunde der Melancholie waltet allenthalben. „Die Poesie", sagte er doch selbst, „soll ja vetsöhnen, nicht aufregen". Selbstbeschwichtigungen sind eigentlich seine Gedichte. Sinn für das Große, für
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Maroevic-Meszlenn, Band 17
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Maroevic-Meszlenn
Band
17
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1867
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
506
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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