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ein Werk aus seinen früheren Jahren,
eitt achtes Quartett in H-inoH^ ein vier-
tes und fünftes Quintett, in Ns und in
V-m.011, letzteres kaum ein Jahr vor
seinem Tode vollendet, und eine große
Messe in Ns, welche er im 1.1846 für die
Hofcapelle schrieb, deren Styl als edel und
strenge, erhebend aber doch anmuthig
und wahre Andacht weckend bezeichnet
wird. Als Virtuos und Quartettspieler
übertraf er im Vortrage seiner Concert-
und Salonstücke beinahe alle Zeitgenos-
sen , unter den Quartetten spielte er
Mozart und Haydn in unübertreff-
licher Weise, auch Beethoven, insbe«
sondere dessen erste eilf Quartette gab er
mit tiefem Verständnisse, wie er es auch
war, der dessen spatere Quartette, von
0p. 127 an, für deren Verständniß der
große Kreis noch gar nicht empfanglich
war, in Kennerkreisen der Erste zur
Geltung brachte. An die genannten
Meister reihten sich für seine virtuosen
Leistungen Kreuzer, Spohr , Ons>
low, M e n d e l s s o h n und Schu«
mann. Für Richard Wagner theilte
er mit vielen alten Musikfreunden die
Gleichgültigkeit, welche in Hinsicht auf
die Zukunftsmusik sich geradezu zu ent>
schiedener Gegnerschaft steigerte. Da M.
von früher Zeit Unterricht im Violin»
spiele gab, so mehrte slch mit seinem
wachsenden Rufe auch die Zahl seiner
Schüler und von jenen, die er heran«
gebildet, sind, außer einer großen Menge
tüchtiger Dilettanten, B raun , H af»
ner, Panofka. Trombin i , Wol fs
zu nennen. I n seinem Privatleben ein»
fach und anspruchslos, war M., wie
S 0 nnleithner ihn schildert, „ einer der
Letzten von den Künstlern Altwiens, eine
Individualität, wie unsere Zeit sie kaum
mehr hervorbringt, ein harmlos einfaches
Gemüth, ein Künstler, Bedeutendes leistend, ohne Anmaßung und Selbst«
überhebung, ohne Neid und Cabale, ein
redlicher Staatsbürger, ein trefflicher
Familienvater, ein Mann endlich, von
dem man mit Zuversicht sagen darf: er
hat keinen Feind". Zu den heut zu Tage
bei Virtuosen üblich gewordenen Kunst,
reisen konnte er stch nie entschließen, und
als'er im Jahre 1820 seinen Schüler
Vinc. Neuling nach Paris begleitete,
trat er auch nicht öffentlich auf, sondern
spielte nur in zwei Privathäusern, bei
Baron B r a u n und bei Rudolph
Kreutzer , vor einem Kennerkreise,
unter denen sich Ba i l lo t , Baudiot ,
Cherubini , Habeneck, Lafont,
Mazas. Tolbeque, V io t t i nebst
anderen Künstlern ersten Ranges be<
fanden. Er trug sein fünftes und
sechstes Quartett, das Concert in H.
und Variationen mit glänzendem Erfolge
vor. Seit 13. April 1823 mit Karo-
l ina gebornen Ti l ler verheirathet,
hatte er aus dieser Ehe nur zwei Töchter,
deren eine an Herrn Köchert vermalt
ist. M. war 74 Jahre alt geworden und
eine anfänglich unscheinbare Erkältung
hatte schon nach wenigen Tagen den
Tod zur Folge. Um das Andenken
des Meisters zu ehren, wurde der Ge^
danke ausgesprochen oder gar schon der
Vorschlag eingebracht, die in den Gra-
bm einmündende „Naglergaffe" in eine
„Mayledergaffe" umzutaufen; jedochvlieb
es nur bei dem Gedanken, denn die
Naglergaffe hat ihren Namen nicht
geändert und eine Mayseoergaffe gibt es
zur Zeit in Wien nicht. Seine letzte
Komposition, ein Quintett, und zwar
das fünfte, inN-moil, hat M. selbst noch
74jährig, am 2. April 1363, in einer
Soiräe bei Obersinanzrath Franz Ritter
von Heint l vorgetragen, mit welcher
Thatsache alle anderen Varianten über
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon