Seite - 213 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Band 17
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Zeit Orden, Besoldungen und Pensionen
von Oesterreich und den Verrätherlohn
von Piemont in Empfang nahmen, alle
die Heuchler und Comödianten. welche
in den letzten Jahren in und außer
Oesterreich im öffentlichen Staats- wie
Gemeindeleben ihre Rolle gespielt hatten,
wurden von seiner Feder unerbittlich ge
geißelt." So heißt es in einem seinem
Gedächtniß gewidmeten Nekrologe. Nach
mehreren Jahren mußte er mit dem
Blatte von Brescia nach Venedig über
siedeln, aber auch diese Stadt, von der
revolutionären Partei gedrängt, bald ver<
lassen, worauf er sein Journal in Trieft
herausgab, wo ihn auch der Tod im Alter
von 33 Jahren, und so plötzlich ereilte,
daß der Verdacht einer Vergiftung allge>
mein war. Bekannt ist es auch, daß er
in Besorgniß vor einem meuchlerischen
Angriffe immer einen Revolver bei ficd
getragen habe.
Das Vaterland (Wirner polit. Parteiblatt.
Fol.) 186l. Nr. it u. 2(1. — I,a 85si-^a
(Trieft, kl. Fol.) tsül. Nr. 7.
Mazzoleni, Franz (Sanger, geb.
zu Sebenico in Dalmatien 23. Sep°
tember 1830). Die Familie ist eine alte
lombardische, von der ein Zweig in Dal»
matien sich niedergelassen hatte. Maz»
zoleni's Vater war ein geachteter
Advocat in Zara. Der Sohn besuchte
die Gymnasialclaffen zu Zara, hörte die
philosophischen Studien zu Ragusa, die
Rechte zu Wien. Als er eines Abends mit
mehreren Collegen aus dem Karnthner.
thor-Theater ging, sang er auf der Straße
die eben und zum erstenmale gehörten
Arien mit so schöner Stimme und richtiger
Modulation, daß zwei der Vorüberge«
henden auf den jungen Mann aufmerksam
wurden, und diese waren der berühmte
Bariton DeBassin i ^Bd< I I I , S. 188)
und der Tenor Basadona. Die von dem Wohlklange dieser Stimme Ueber-
raschten näherten sich ihm sofort, baten
ihn. das Lied nochmals zu singen, und
das Ergebniß dieser Wiederholung war,
daß sie den jungen Mann überredeten,
das Rechtsstudium aufzugeben, und sich
dem Gesänge und der Bühne zu widmen.
De Bassini bot
sich
M. auch noch zum
Lehrer an, was Mazzoleni annahm,
und in fünf Monaten eifrigen Studiums
und Uebens war M. so weit, daß er seine
künstlerische Laufbahn antreten konnte.
De Bassini vermittelte sein erstes En>
gagement, u.nd M. trat zuerst zu Reggio
in Calabrien auf, wo er einen glan«
zenden Erfolg in der Norma und in
At t i la feierte. Nun verschrieb ihn Me.
rel l i für die Oper nach Wien, wo aber
die Erkrankung einer ersten Sängerin
sein Auftreten verhinderte' er ging nun
nach Trieft, und sein Erfolg in der
Sommersaison 1832, wo er in der Oper
ILombard i . inRigolet to und in
Don Cesare di Bazan sang, war
ein vollständiger. Venedig und wieder
Trieft waren die nächsten Stationen.
Nun nahm er einen Antrag für die
große Oper in Paris an. auf tvel»
cher er mit Roger abwechseln sollte,
aber der Theaterneid spielte ihm solche
Cabalen und Intriguen, daß er entrüstet
den Contract brach und einen höchst
vorthellhaften Antrag nach Südamerika
annahm. Mazzoleni sang in Rio»
Janeiro. Nach einem Jahre kehrte er nach
Europa zurück, und nun sang er in Vene»
dig, in der Scala zu Mailand, dann in
Spanien und Portugal zu Oporto, Se«
villa, Gibraltar und Lissabon, rückgekehrt
nach Italien in Bari und in Neapel.
In letzterer Stadt trat er in der Oper
Boccanegra von Verdi auf, welche
der Componist für den Tenoristen
Negrini geschrieben hatte. Obwohl
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon