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Mechitar 223 Mechitar
Dichtungen und Hymnen schrieb, die
noch heut zu Tage in armenischen Kirchen
gesungen werden. Da unterbrach ihn ein
schweres Augenleiden für längere Zeit in
seinen Studien. Von demselben genesen,
bereitete er sich zu einer Reise nach
Europa und wollte auf dieser zunächst
Rom besuchen. Als er aber auf der
Reise durch einen Fluß ritt, gerieth er in
Lebensgefahr, verlor sein Gepäcke und
seine sämmtlichen Schriften. I n Aleppo
lernte er einen franzosischen Jesuiten
kennen, dem er seinen Wunsch, nach Rom
zu reisen, mittheilte, um dort sein Vor«
haben, die armenische Kirche mit der
römisch-katholischen vollständig auszu»
gleichen, auszuführen. Der Jesuit, nach»
dem er den jungen Armenier näher
kennen gelernt, und in ihm einen Mann
erkannt hatte, der durch Kenntnisse
und Willenskraft seinem Plane vollkom»
men gewachsen war, versah ihn mit
Empfehlungsbriefen, die ihm bei den
maßgebenden Personen in Rom eine
freundliche und seine Zwecke fördernde
Aufnahme sichern sollten. Auf seiner
Weiterreise wurde M. auf der Insel
Cypern von einer so schweren Krankheit
befallen, daß er, kaum halbwegs her-
gestellt, die Fortsetzung seiner Reise
ausgeben und vorderhand nach Sebaste
zurückkehren mußte. Dort fand er bei
den Eltern, die den schon Todtgeglaub-
ten auf das Freudigste empfingen, die
erforderliche Pflege, und nachdem er
vollständig genesen, begab er sich in
sein Kloster zum h. Kreuz. I n dieser
Zeit beendete er ein Werk über die
Sprichwörter Salomon's, das ihm aber
ein neidischer Mönch stahl und den
Flammen übergab. Als er im Jahre
1696 die h. Weihen erlangt hatte, be-
schloß er, zunächst nach Constantinopel
zu reisen, um dort Anhänger für seine Kirche zu werben. Auf der Reise hielt er
sich in Trebisond, Araglia, Sinope und
in anderen Ortschaften und Städten auf,
kam dann nach Erzerum und Basena.
wo ihm seine öffentlichen Vorträge viele
Anhänger gewannen. Im Jahre 1699
erlangte er den Doclorstab und den
Titel eines Vai^adeä, was so viel als
einen Doctor der Theologie bedeutet.
Endlich im Jahre 1700 ließ er sich
bleibend in Constantinopel nieder und
schlug zuerst in Galata, zunächst der
Kirche des h. Gregor, seinen Wohnsitz
auf. Bald verbreitete sich der Ruf seiner
glänzenden Beredsamkeit und täglich
mehrte sich die Zahl seiner Anhänger.
Schon wurde der Andrang derselben
bedenklich, und -um Tumulte zu ver»
meiden, nahm er die jüngeren Zöglinge
auf seinen Zügen durch das Land mit,
die Priester aber entsendete er nach
Armenien, damit sie in den Städten der
ausgedehnten Provinz den des Beistan-
des der Kirche bedürftigen Gläubigen
mit geistigem Troste und Rathe beistehen
sollten. Trotz dieser Maßregeln, durch
welche seine UnHänger zerstreut wurden,
mehrte sich die Zahl feiner Zöglinge mit
jedem Tage. Schon reichten die Raume
in Galata nicht mehr aus und er über»
siedelte in ein größeres Haus nach Pera,
und gab vor, die Zöglinge, die er mit
sich führte, in der Buchbinderei zu unter»
richten.. Ungeachtet dieser durch die po<
litischen Verhältnisse gebotenen Vorsicht
wuchs doch der Argwohn gegen ihn und
seinen Anhang, und eS kam zur öffent.
lichen Verfolgung. Flucht war nöthig ge-
worden, und dann galt es, einen sicheren
Zufluchtsort zu finden. M. selbst stellte
sich mittlerweile unter den Schutz der
französischen Gesandtschaft, dann berief
er die in Armenien zerstreuten Sendboten
seiner Gesellschaft, um mit ihnen zu
v. Wurzbach, biogr. Lexikon. XVII. ^Gedr. 22. April l
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon