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er sich der Advocatur und erlangte bald
den Ruf eines sehr tüchtigen Anwaltes.
Im Jahre 1848 hatte M. seine poli-
tische Laufbahn begonnen, indem ihn
die Stadt Wien in das deutsche Reichs«
Parlament nach Frankfurt a. M. ab-
ordnete. Dort trat seine Thätigkeit in
Etwas hervor, nachdem er in den Ver-
falsungsausschuß gewählt worden, konnte
jedoch. sobald die kleindeutsche An-
schauung in der Nationalversammlung
die Oberhand gewonnen hatte, auch eben
nichts Erhebliches durchführen. Gleich
ewigen anderen Oesterreichern kehrte er
nach dem Scheitern des Verfa'ssungs»
werkes nach Wien zurück, ausschließlich
seinem Berufe als Advocat sich widmend.
In dieser Stellung gab ihm das öffent.
liche Verfahren Gelegenheit, seine Be-
redsamkeit zu entfalten und mit dem gan»
zm Gewichte seiner Gesetzkenntniß zu
wirken. So geschah es denn, daß in den
verwickeltsten, schwierigsten Fallen seine
Hilfe gesucht wurde, und es ist eine
Thatsache, daß unter allen österreichischen
Anwälten er die meisten Freisprechungen
erzielt habe. Uebrigcns fungirte M. in
allen einigermaßen wichtigen oder in»
tereffanten Proceßverhandlungen, z. B.
in der Sache des Baron Röppert in
Linz. welcher angeklagt war, die Haupt-
cafse des Herzogs von Coburg in Grein»
bürg an der Donau bestohlen und Brand»
stiftung verursacht zu haben; im Processe
der des Kindesmordes beschuldigten Ne-
gina Sch acherl, ferner in jenem der
des Betruges und der Verführung be-
schuldigten Windischu. dgl. m. Dieser
in den Sphären des Gerichtslebens ge>
wonnene Ruf richtete selbstverständlich
auf den kenntnißvollen Mann des Ge-
setzes und den oft siegenden Redner die
Aufmerksamkeit der Bevölkerung, als nach
dem unglücklichen italienischen Feldzuge des Jahres 1839 Reformen in der inneren
Politik des Kaiserstaates Platz griffen und
im Jahre 1861 die Einberufung eines
Reichsrathes mit Abgeordneten« und
Herrenkammer stattfand. Nun eigentlich
beginnt Mühlfeld's seit dem Scheitern
des ersten deutschen Reichsparlaments
im Jahre 1849 unterbrochene politische
Laufbahn, und dießmal mit größerem
Erfolge. Kaum hatte, nach dem Erlaß
des Februarpatentes 1861, die Wahl»
bewegung für den Landtag begonnen,
so trat M. an die Spitze eines Wahl'
comitö's und wurde als Candidat der
inneren Stadt Wien aufgestellt und ge«
wählt, vom Landtage aber in das Ab.
geordnetenhaus des Reichsraths ent«
sendet, wo er und Giskra j M . V,
S. 199; Bd. XI, S. 413^ die Führung
der großösterreichischen Partei — die
durch den Umschwung der Verhältnisse
im Augenblicke in den Hintergrund ge«
drängt ist, um, wenn die Noth am größ.
ten, in voller Wirksamkeit wieder hervor«
zutreten — übernommen hatten. Sein
Verhalten zur ungarischen Frage stieß
zwar im Hause auf vielfachen Wider»
spruch, aber eineReihe von Anträgen, die
er theils einbrachte, theils in gediegener
Rede vertheidigte, stellte ihn in die vor»
derste Front der Liberalen des Hauses,
und die eindringliche Act, mit welcher er
das Wort in Allem führte, was auf die
Befestigung der bürgerlichen Freiheit ab>
zielte, als z. B. in Sachen der.Religions-
freiheit, des Schutzes der persönlichen
Freiheit, des Hausrechtes, des Briefge-
heimnifses, der Wiedereinführung der
Schwurgerichte u. s. tt>., erwarb ihm die
allgemeine Anerkennung. M.'als politi»
scher Redner ist mehrfach und mitunter
treffend charakterisirt worden, auch wird
in den Quellen auf einige solche Charak»
teristiken hingewiesen, anläßlich welcher
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon