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Meggenhoffen 264 Meggenhoffen
erstreckten sich auf Alles, was seine Ver-
bindung mit dem Orden und die Ein-
richtung der Gesellschaft selbst betraf,
über die Beiträge. Caffe. Anzahl der
Mitglieder, über den Endzweck des Or-
dens und dessen Einfluß in das Ganze.
Meggenhoffen antwortete innerhalb
der festgesetzten Frist auf alle Fragen und
ohne allen Rückhalt ^vergleiche die
Quellens Einige Tage darnach, am
27. October, nachdem er den Revers mit
den beantworteten Fragen abgeschickt,
wurde er von der Wachparade nach Hause
berufen. I n seiner Wohnung traf er
eine Commission, welche ihm mittheilte,
daß sie Befehl habe, nach Papieren des
Ordens bei ihm zu suchen und sie abzu<
nehmen. Die Commission fand einige
Papiere, es waren Briefe von seinen
Freunden und darin die bedenklichsten
Stellen folgende: „Ich denke meinVater-
land so bald als möglich zu verlassen;
es tödtet seine Propheten. — Am Ende.
hoffe ich. sind wir doch noch die ge«
winnende Parthie, wenn wir nur Römer
sind." — „Träfe die Verfolgung die
Würdigsten, so hatten Sie unter Allen
einer der Ersten sein müssen." Außer
diesen Briefen fand man eine Abhand-
lung über das geschäftige Leben, mehrere
Reden, die in einer Loge zu Frankfurt a. M.
gehalten worden waren, das Fragment
eines Protokolls von einer Wissenschaft,
lichm Unterredung und noch einiges
Andere ohne Bedeutung, was jedoch
nichtsdestoweniger von der Commission
mitgenommen und an den General
Belderbusch abgeschickt worden war.
Acht Tage nachdem dieß vorgegangen,
erging an das Regiment der Befehl, daß
M. vermöge eines Cabinets-Rescriptes
ab olüoio zu suspendiren und ihm der
Auftrag zu ertheilen sei, sofort nach Mün-
chm ;u reisen und sich dort dem geheimen Rathe Hausler vorzustellen, um die
ihm vorgelegten Fragen zu beantworten.
M. entsprach dem Befehle, reiste nach
München, wo ihn General Belder-
busch in roher Weise empfing und an
den Rath Hausler verwies. Bei die-
sem brachte er in zwei Tagen fünfzehn
Stunden in Verhören zu, Alles, was
M. sprach, wurde protokollirt. Nach
weiteren acht Tagen wurde ihm die über
ihn gefällte Sentenz bekannt gemacht.
In dieser aber hieß es zum Schlüsse:
„Um aber diesen naseweisen Philosophen
und IÜuminaten von einer so verführen»
schen Secte, von welcher man weder die,
vorgespiegelte Besserung der Sitten noch
Aufklärung des Verstandes an ihm und
seinen Mitbrüdern im geringsten wahr»
nehmen kann, ab« und auf den rechten
Weg der Tugend und Aufklarung zu
bringen, soll er nach vorläufig ernstlichem
Verweis und Ermahnung in das hiesige
Franziskanerkloster auf unbestimmte Zeit
überbracht und alldort in den christ»
katholischen Sitten« und Glaubenslehren
der Nothdurft nach unterrichtet werden."
Diese Sentenz, gegeben zu München am
43. November 1783, gegen einen Mann
wie Meggenhoffen, war offenbar
ein Hohn, eine Erniedrigung, und somit
empfindlicher als die Strafe selbst.
Meggenhoffen gab seinen Degen ab
und verfügte sich in stzine Haft zum
Guardian des Franziskanerklosters.
Dort fand er dcn humansten Empfang
und eine Behandlung, die ihm alle Bit.
terkeit seiner Lage vergessen machte.
Nie dachte M. spater ohne Rührung an
die Zeit seines Aufenthaltes im Kloster
zurück. Nachdem man ihn näher kennen
und achten gelernt, drängten sich die
Mönche um den Philosophen im Soldaten-
rocke, man gab ihm freien Eintritt in die
Bibliothek und that Alles, um ihm seine
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon