Seite - 271 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Band 17
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Mehoffer 271 Mehoffer
an welche von ihrem Geburts« und
Wohnorte Fulnek aus einen ausgebreite-
ten Tuchhandel nach Italien und in die
Türkei betrieben hat. Durch die Kriege
Oesterreichs mit Preußen verarmte aber
dieselbe und mußte ihr Vaterland ver-
lassen. So floh des Ignaz Vater im
Jahre 1736, zur Zeit des Ausdruckes des
siebenjährigen Krieges, mit seiner Familie
nach Wien und der Sohn besuchte da-
selbst die unter den Jesuiten stehende la-
teinische Schule. Im 1.1758 schickte ihn
der Vater nach Salzburg, wo ein Bruder
des Ignaz am fürfterzbischöflichen Hose
als Truchseß und Münzmeister bedienstet
war. ^Vergleiche die vorstehende Lebens«
skizze von Alois Mehofer.) Nach dem
bald darauf erfolgten Tode seines Vaters
und da die Mutter nach Fulnek zurück«
gekehrt war, begab sich auch Ignaz von
Salzburg in seine Heimat zurück und be»
suchte in Troppau die Humanitätsclaffen
(die 3. und 6. Classe des heutigen Ober»
gymnasiums). Die Philosophie hörte er
in Olmüh, wo er auch die philosophische
Magisterwürde erlangte. Nun begab sich
M. nach Wien, wo er die Rechte hörte
und zugleich in der Kanzlei des damali«
gen Reichshofraths-Präsidenten Grafen
von Harr ach prakticirte. Eine Anstel«
lung bei der Hof-Rechnungskammer, für
welche ihm Hoffnungen gemacht worden,
erhielt er nicht, da plötzlich eine Re«
ouction des Personals eintrat; so ging er
denn auf die Zusage einer Concipisten«
stelle bei dem Gnbernium in Temesvar
dahin, um aber auch da wieder enttäuscht
zu werden, denn die ihm zugesagte Con-
cipistenftelle verwandelte sich bei seiner
Ankunft in Temesv6.r in eine Kanzlisten«
stelle, welche M. jedoch, ungeachtet der
weiten und beschwerlichen Reise dahin,
ablehnte. Nach einem dreimonatlichen
Aufenthalte kehrte er nach Wien zurück, und trat wieder seinen früherm Posten
bei dem Grafen Harr ach an, den er so
lange behielt, bis die Verhältnisse ihn auf
einen Posten stellten, auf dem er in se gens»
reichster Weise zu wirken berufen war. Um
die deutschen Schulen im Kaiserstaate zu
verbessern, hatte die Kaiserin Mar ia
Theresia den Propst vonSagan, I . I .
v. Felbiger >M. IV, S. 166^, nach
Wien berufen. Mehoffer wohnte dessen
Vorlesungen über die Verfassung der
deutschen Schulen und überdie Sagan'sche
Lehrmethode bei. Felbiger gab nun
seinen Zuhörern die Beantwortung der
Frage: „wie jeder von ihnen in seiner
Weise die Verbesserung der Schulen
durchzuführen gedächte", zur Aufgabe.
Mehoffer's bis in's Einzelnste ausge-
führte Beantwortung erhielt so sehr Fel»
biger's Anerkennung, daß er es ihm
freistellte, wo er, um die Reformen des
Schulwesens durchzuführen, hinzugehen
wünsche. Mehoffer wählte sein Vater»
land Mähren, und wurde alsbald als
Direclor der Normalschule nach Brunn
beordert, wo er im April 1775 eintraf.
Er ordnete sofort den Unterricht der
geistlichen und weltlichen Praparanden,
welche dann als Directoren, Katecheten
und Lehrer an der Hauptschule angestellt
wurden, und noch im November 1775
wurden die Hauptschulen im Lande er»
öffnet; M. bereiste sie nun noch im näm>
lichen Winter, führte die weiteren Orga«
nisirungen in Person durch, sorgte für die
erforderlichen Schulbücher, deren Verkauf
er, da es keinen Verleger gab. unentgelt«
lich durch viele Jahre selbst besorgte.
Ueber den Stand der Schulen erstattete
er zweimal im Jahre, nämlich für den
Winter» und Sommercurs, Hauptbe«
richte, in welchen er die Bemerkungen
hinzufügte, waS, da es nicht in seiner
Machtvollkommenheit lag, durch die
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon