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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Band 17
Seite - 284 -
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Weisl 284 Meisl M M , Karl (dramatischer Volks» dichter, geb. zu 3aibach 30. Juni 1773. gest. zu Wien 8. Qctober 1883). Beendete in Laibach die Gymnasial- claffen und erhielt dann eine Anstellung als Fourier; spater wurde er zum Rechnungsführer und Feldkriegscom- miffär befördert, zuletzt als RechnungS- rath dem Marine-Departement der Hof> kriegsbuckhaltung zugetheilt, in welcher Stellung er bis zum Jahre 1840 blieb, worauf.er mit ganzem Gehalte in den Ruhestand versetzt wurde. Diesen letzteren genoß er noch dreizehn Jahre, bis er, 78 Jahre alt, starb. Sein Leichenbegang« niß machte sich durch die gänzliche Ab' Wesenheit der Wiener Theaterdirectoren und Schauspieler, für die er nicht weui« ger als zweihundert Stücke, die seiner Zeit sehr beliebt waren, geschrieben, be« merkbar! Meisl's literarische Verdienste mögen immerhin untergeordneter Art sein; sittengeschichtlich spielt er in und für Wien eine nicht unbedeutende Rolle; mit Gleich M . V - S . 214) undBäuerle M.I,S.1l8;Bd.XI,S.364^ bildete er das Dreigestirn der dramatischen Volks- muse etwa durch vier Iahrzehende, denn im Jahre 1802 erschien sein erstes Stück: „Carolo Caroline" und 1844 sein letztes: „Die blonden Locken", worin noch Ne- ftroy mitwirkte; die Glanzrollen, wenn man von solchen in Meis l'schen Stücken sprechen darf, waren für Schuster, Raimund, Korntheuer. C a r l , Scholz und selbst noch Nestroy ge» schrieben, und zu seinen Possen und Stücken haben die Kapellmeister D rech s< ler M . I I I , S. 380^, Wenzel Mül- ler und Adolph Mül ler, ja als das umgebaute und vergrößerte Iosephstädter Theater unter dem neuen Director Hens le r ^Bd. VI I I , S. 312^> am 3. October 1822 mit Meisl 's Vor- spiele: „Die Weihe des Hauses" eröffnet wurde, sogar Beethoven die Musik gesetzt. Manche seiner Stücke sind hun. dert und mehrere Male über die Bretter gegangen, und haben den Theatercaffen bedeutende Einnahmen verschafft, nur bei» spielsweise seien genannt: „Die scbwarze Frau", eine Parodie der berühmten Oper: „Die weiße Frau", „Das Gespenst auf der Bastei", „Die Fee aus Frankreich", „Iulerl. die Putzmacherin". „Othellerl, der Mohr von Wien". „Der Kirchtag in Petersdorf" u. m. a. Man erzählt auch von ihm — was. wenn es wahr ist, immerhin bemerkenswerth bleibt — daß er dem poetischen Talente Raimund's den ersten Anstoß gegeben. Die Sache verhielt sich folgendermaßen: Meisl sollte einmal zu Raimund's Benefize ein Stück schreiben. Er theilte dem genia« len Komiker die Idee zum „Barometer, macher auf der Zauberinsel" mit, welche er aus dem Mahrchen „Prinzessin Tut Tut" aus Tausend und Einer Nacht entnommen hatte. Raimund war mit dieser Idee vollkommen einverstanden und bat Meis l . nur rasch an's Werk zu gehen; aber Meis l erkrankte, und so entschloß sich nun Raimund, selber das Stück zu schreiben. Das Werk gefiel, und das Gelingen des ersten Versuchs gab Raimund den Muth. auf der neu betretenen Bahn fortzuschreiten. Das literarische Verdienst Meisl 's als dramatischen Volksdichters beschrankt sich auf die Thatsache, daß er, wie Bäuerle und Gleich, jeder in seiner Weise, den Uebergang der Hanswurstzeit zur würdi» geren Form des Wiener Local>Theaters vermitteln half. Dabei waren seine kräf- tig drolligen Bühnengestalten das De« lirium des Wiener Volkes. I n seinen Stücken war überhaupt wenig von Witz die Rede, aber es gab so vieles tolle
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Maroevic-Meszlenn, Band 17
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Maroevic-Meszlenn
Band
17
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1867
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
506
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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