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Meißl 290 Meißner
las Alles, was über Oekonomie und ihre
Zweige geschrieben wurde, aber sein
Wahlspruch blieb stets: „Prüfet Alles
und nur das Gute behaltet". Er stellte
häusig Versuche an, berücksichtigte aber
jederzeit die Beschaffenheit seines Bodens
und seiner besonderen Verhältnisse.
äußerte nie eine bestimmte Vorliebe für
ein besonderes System der Landwirth-
schaft, aber er verglich, prüfte, erwog
und wählte aus, was seinem Zwecke
zusagend schien. Die Eigenthümlichkeiten
seiner Besitzung zwangen ihn zu mancher
Abweichung von dem damals üblichen
System. Sein Futtergarten, nach eigener
Ansicht entworfen und ausgeführt, konnte
wirklich als Muster aufgestellt werden.
Iochweise baute er darin Mohren, Bur«
gunderrüben und Kartoffeln mit der
äußersten Sorgfalt, die ihm denn auch
gewöhnlich eine sehr reiche Menge von
Futtergewachsen abwarf. Dadurch wurde
er zum Typus für die Landwirthe der
Gegend und erwies die gemeinnützige
Wirksamkeit einer rationellen Oekonomie
in vielfacher Beziehung. Dabei legte er
überall Hand an, handhabte selbst Spa-
ten oder Pflug, lenkte die Gespanne und
verabsäumte keine Arbeit als zu gering
oder zu lastig. Er war ganz Landwirth,
ohne dadurch seine äußere Abgeschliffen»
heit zu verwahrlosen. Im Gegentheile
ließ Meißl nie von seiner Liebe für die
Wissenschaften oder von seinem Streben
in ihren Studien ab. und wer ihn auf
dem Felde, im einfachsten Gewände eines
Landmannes gesehen hätte, und dann in
den Zirkeln der gebildeten Welt wieder
mit ihm zusammengetroffen wäre, würde
fast an der Identität der Person ge»
zweifelt haben. Diese Hinneigung zu
den Werken der schöngeistigen Literatur
stellte sich auch in allen Theilen der
Wirthschaftsanlagen dar. und die überall waltende strenge Reinlichkeit, nebst der
in's Auge fallenden Nettigkeit der Formen
sprach jeden Beschauer anmuthig an.
Zahlreiche Besuche lernbegieriger Männer
verbreiteten den Ruf von dieser blühen«
den Wirthschaft, und bereicherten ihr
Wissen durch Meißl 's wahrhafte Mit«
theilungen, welche um so verläßlicher
waren, als er durch eine Reihe von Iah.
ren und unangenehmen Erfahrungen sich
gleichsam eine neue Bahn selbst hatte
brechen müssen. Auch die Behörden
nahmen Kenntniß von seiner Thätigkeit;
im Jahre 1807 wurde M. in Anecken«
nung seiner großen Verdienste um die
Verbreitung einer zweckmäßigeren Cultur
des Bodens in den Adelstand erhoben,
und von der Landwirthschafts-Gesellschaft
zu ihrem Mitgliede erwählt. Aber unter
der Laft seiner physischen und Geistes-
anstrengungm hatte seine Gesundheit so
sehr gelitten, daß ihn der Tod, da er erst
36 Jahre alt war, dahinraffte.
Adelstands» Dip lom vom l4. März 1807.
— Oesterreichs Pantheon. Gallerie
alles Guten und Nützlichen im Vaterlande
(Wien 1830. M. Chr. Adolph, 8"<) Bd. I I ,
S. 74. — Vaterländische Blätter für
den österreichischen Kaiscrstaat (Wien, Ant.
Strauß, 40.) Jahrg. 1808, S. 283 u. 289. —
Wappen. In Blau auf grünem Grunde ein
silberner Thurm mit geschlossenem Thore,
einem Fenster, drei Zinnen, der obere Theil
ist mit schwarzen Mauerstrichen bezeichnet.
Auf dem Schilde ruhen zwei zueinanderge-
kehrtc gekrönte Turnierhclme. Aus den Kro-
nen beider Helme wachsen < drei wallende
Straußenfedern, eine silberne zwischen blauen,
hervor. Die Helmdecten find zu beiden
Seiten und beiden Helmen blau, mit Silber
belegt.
Weißler, siehe: Weisler, Wenzeslaus
l^ S. 288).
Meißner, Alsred (Dichter und
Schriftsteller, geb. zu Teplitz in
Böhmen 13. October 1822). Alfred
Meißner's Vater, Eduard (geb. zu
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon