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Meißner 302 Meißner
auch seinen „Alcibiades" herausgegeben,
und dadurch die Aufmerksamkeit der
gebildeten Welt auf sich gelenkt. I n
Prag hatte die Veränderung, welche mit
der Prager Hochschule vorgegangen,
nachdem die Jesuiten vom Lehramte
ausgeschloffen waren, der deutschen
Sprache — bis dahin wurde nur in der
lateinischen vorgetragen — mächtigen
Vorschub geleistet. Schon S e i b t, M e i ß-
ner's Vorgänger als Professor der
schönen Wissenschaften, hatte seit Jahren
die Vorliebe der gebildeten Volksclaffen
für die deutsche Sprache zu wecken und
lebendig zu erhalten verstanden. Die Be-
rufung eines beliebten deutschen Schrift-
stellers, wie es Meißner damals be»
reits war, mochte zur Förderung dieses
Zweckes wohl auch gedient haben; denn
Seibt trat ihm nun seine bisherige
Lehrerstelle ab und übernahm dafür die
Logik und die Metaphysik. Meißner
eröffnete seine Vortrage mit der mehr-
mals abgedruckten und auch besonders
erschienenen Antrittsrede, in welcher er
über die Pflichten eines Lehrers und den
Unterschied von Schrift und Vortrag
sprach, die aber, so sehr sie den Beifall
seiner Zuhörer und des großen Publi»
cums gefunden, doch das eigenthümliche
Schicksal hatte, von einem Gegner
Meiß ner's in der bittersten Weise
glossirt zu werden. Denn ein gewisser
Hermann — ob dieß ein Pseudonym
oder der wirkliche Name, ist nicht be>
kannt — ließ über Meißner's Rede ein
besonderes Pamphlet erscheinen, in wel>
chem er auf nicht weniger denn drei
Druckbogen die Sprachfehler zusammen»
stellte, welche Meißner in diesem Vor-
trage sich hatte zu Schulden kommen
lassen. Von einem Einflüsse auf seine
Stellung war jedoch dieser keineswegs
angenehme Zwischenfall nicht gewesen, denn Meißner verwaltete sein Lehramt
an der Prager Hochschule durch zwanzig
Jahre. I n welcher Weise er dieß gethan,
dafür spricht die Theilnahme, die seinem
Abgänge folgte und die sich in öffent»
lichen Nachrufen, womit man den schei«
denden Meister ehrte, aussprach. I n
einem derselben heißt es, nachdem man
der Segnungen gedacht, welche der große
Kaiser Joseph über die Prager Hoch.
schule gebracht, deren Ruf er wiederher»
zustellen bemüht war, anläßlich Meiß.
ner's: „Unter der Anzahl jener Männer,
welche der Kaiser zu diesem Zwecke berief,
war auch Meißner. Dieser edle Mann,
dieser so beliebte Schriftsteller, ausge»
rüstet mit Geistes, und Thatkraft, bestieg
den Lehrstuhl der Aesthetik, gab sich ganz
seinem Gegenstände hin, widmete sich
ganz seiner Bestimmung, suchte vorur»
theilsfrei und offen, doch zugleich beschei-
den die Wahrheit dem Blicke zu enthül«
len. Aufgemuntert durch den Wink des
Monarchen, bildete er Jünglinge zu
helldenkenden Männern, von denen viele
bereits höhere Aemter des Staates be«
kleiden, viele gleichfalls die Bildung so
mancher hoffnungsvoller Jünglinge be-
sorgen, sich dankbar ihres ehemaligen
Lehrers errinnern und zum Theil auch
seine jetzigen Hausfreunde sind. Nachdem
er sich durch Ausbildung der noch rohen
deutschen Sprache in Böhmen, durch
Verbesserung des herrschenden Geschmacks
viel Verdienste erworben, nachdem er
schon durch 19 Jahre den Pflichten seines
Lehramtes sich ganz hingegeben hatte —
nimmt er den Ruf eines Fürsten, der
seine Verdienste zu schätzen weiß, als
Rector des Lyceums zu Fulda an —
und läßt uns mit kummervollen Herzen
zurück." So tönt eine Stimme aus Prag
im December 1805, welche ihre Klage
im Berliner Freimüthigen d. I., S. 84,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon