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Meißner 303 Meißner
ausspricht. SelbstTomek in seiner „Ge-
schichte der Prager Universität" (S. 239)
räumt ein. daß der Protestant August
Meißner, den der Kaiser als Professor
der Aesthetik und classischen Literatur nach
Prag berufen, in dieser Hinsicht noch
erfolgreicher als Karl Seibt gewirkt
habe, und daß der „Verlust an Seite der
Nationalität bald weit aufgewogen
wurde durch die neuen allgemeinen
Bildungselemente, denen diese Männer
(Seibt, Meißner und Cornova)den
Eingang bahnten",
sie
wußten zuerst in der
Jugend einen Eifer für die Wissenschaft
zu entflammen, an welchem es unter den
jesuitischen Lehrern nach ihrem eigenen
Gestandniß gefehlt hatte. Also, wie be-
merkt, vom Jahre 1783 bis zum Jahre
1805 hatte M. seinem Lehramte in Prag
vorgestanden, als, wie einer seiner Bio«
graphen berichtet, mancherlei Verände-
rungen und Verhältnisse zusammentraten,
um ihm den Aufenthalt in Prag und
eine Lehrerstelle, die er durch zwei De«
cennien mit Beifall verwaltet hatte, zu
verleiden. I m Jahre 1803 folgte er
einem Rufe des Fürstbischofs von Fulda,
wo er die Leitung der dortigen höheren
Lehranstalten übernahm, aber schon zwei
Jahre später, im Alter von erst 34 Iah-
ren, starb. Meißner war längere Zeit
einer der gelesendsten und ein von seiner
Zeit viel gefeierter Schriftsteller. Eine
Gesammtausgabe seiner Werke besorgte
G. Kuffner unter dem Titel: „Sammt»
liche Werke", 86 Bände (Wien 1811,
Anton Doll, gr. 8o.. mit K. K.). Blü-
hende Einbildungskraft, Einsicht in die
Kunst, schöne Sprache, Anmuth und
Witz und eine glänzende Manier mit
einem feinen Anstrich von Galanterie,
empfehlen seine Schriften, ob man ihnen
gleich auf der anderen Seite auch manche
Fehler zur Last legte, als gezierten Aus« druck, geschraubte Wendungen, viel spie»
lenden Witz und leere Declamation, zu
häufigen Gebrauch mancher Redefiguren,
Unregelmäßigkeit in der Rechtschreibung,
ja sogar arge Verstöße wider die Gram»
matik. Meißner jedoch, nicht unachtsam
auf die Bemerkungen der Kritik, suchte
jede neue Auflage seiner Schriften durch
Aenderungen und Verbesserungen von
den Vorwürfen zu befreien, die man
ihnen gemacht hatte. Ueberhaupt hatte
seine Schreibart in den späteren Arbeiten
an Würde und natürlicher Einfachheit
merklich gewonnen. I n seinen Operetten,
welche den Gesang auf der Bühne ein«
bürgerten, obgleich nicht Original, son-
dern meist,geschickte Umbildungen franzö«
Nscher Originale sind, steckt viel gesunder
eigenthümlicher Witz, und die Lieder
sind so frisch und gut gemacht, daß man,
wenn man die heutigen Textbücher be»
trachtet, staunen muß, welcher Rückschritt
in dieser Richtung in einem Jahrhundert
geschehen ist. Seme vierzehn Sammlun-
gen „Skizzen" — die Büchertitel seiner
Schriften folgen weiter unten — öfter
aufgelegt und viel gelesen, machen keinen
höheren Anspruch, als eine unterhaltende,
mitunter anregende Lectüre zu sein. was
gleichfalls von seinen „Erzählungen und
Dialogen" gilt, die eigentlich nur eine
Fortsetzung seiner „Skizzen" unter ver«
ändertem Titel bilden. Sein „Alcibiades",
ein historischer Roman in dramatischer
Form, machte bei seinem Erscheinen
ebenso Epoche, als er der späteren Kritik
den meisten Anlaß bot, den Autor zu
verlästern. M. zeigt sich in den Vorzügen
und Gebrechen dieses Werkes als ein
echter Schüler Wie land's, und die
kunstreich verschleierte Lüsternheit, die
ergreifenden Situationen und der glan»
zende Firniß, der über das Ganze, eS
hebend und beleuchtend, gezogen ist,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon