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auch nicht, das Selbstgefühl seiner sieg>
gewohnten Truppen zu heben. Am 12,
versammelte er seine Generale und end
warf mit ihnen den Schlachtplan. Die
Armee, 30.800 Mann, darunter 7300
Reiter, stark, außer dem eingetheilten
Liniengeschütz mit 92 Stück Reservege.
schütz, sollte in der Nacht vom 13. auf
den 14. Juni ihre Bewegungen in der
Ebene zwischen der Scrivia und der
Bormida beginnen. Aber der Feind kam
dieser Disposition zuvor, und begann
schon am 13. Nachmittags um fünf Uhr
den Kampf. Von Marengo her. welches
Feldmarschall.Iieutenant O'Rei l ly mit
der Nachhut besetzt hielt, erschallte hefti
ges Geschützfeuer. Der völlig unerwartete
Angriff von dieser Seite warf alle Dis>
Positionen über den Haufen. Der Feind
hatte um die Zeit, als von unserer Seite
der Beginn des Kampfes anberaumt
war, bereits Vortheile errungen, die ihm
von den Unseren, wenn diese den Stand
der Dinge herstellen wollten, wie er vor
der Schlacht war, erst wieder entrissen
werden mußten. Marengo — nach wel«
chem Orte diese Schlacht vom 14. Juni
1800 getauft worden — war nun im
Besitze der Franzosen. Eine Beschrei.
bung der Schlacht, deren Erfolg sich
im Anbeginn zu Gunsten der Unseren
neigte, deren Sieg aber nach der Ent«
fernung des Obergenerals und durch
das Nachmittags erfolgte plötzliche Ein-
treffen der französischen Verstärkungen
unter Desair von den Franzosen erfoch»
ten worden, ist hier nicht am Platze.
Alle größeren Geschichts- und Kriegs-
geschichtswerke haben Darstellungen der»
selben gegeben und der Todesverachtung
in Ehren gedacht, mit welcher die kaiser-
lichen Truppen an diesem blutigen und
so folgeschweren Tage gekämpft. Die
„Europäischen Annalen" 1800, Bd. 2, S. 1l8. das „Allgemeine Kriegsarchiv",
eine Zeitschrift (Dunkelsbühl) 1828.
Nr. 111. die „Allgemeine Militärzei«
tung" (Darmstadt) 1834, Nr. 148, die
„Denkwürdigkeiten der militärischen Ge>
sellschaft" in Berlin, im 1. Bande, und
wer sich für französische Berichte über
diese Schlacht interessirt, die „Pallas"
1808. Band 1. S. 308, enthalten Dar-
stellungen dieser Schlacht, auf welche
für jene, so sich des Naheren darüber
unterrichten wollen, hingewiesen wird.
Der schnelle und schreckliche Wechsel
des Kampfes und die ihn begleitenden
Folgen hatte den Muth der Truppen
gebeugt. Was nun zu geschehen hatte,
mußte auf das Reiflichste erwogen wer«
den, weil Eile geboten war, denn die
Verpflegung der Truppen war nur bis
zum 20. Juni gesichert. Melas berief
sofort einen Kriegsrath, und das Ergeb«
niß desselben war der Beschluß, Unter-
handlungen für einen abzuschließenden
Waffenstillstand einzuleiten. Graf Neiv-
perg. Major im General-Quartiermei«
sterstabe, wurde zum ersten Consul in
das französische Lager abgesendet, und
dort wurden die Bedingungen festgestellt.
Indem die kaiserliche Armee ihre Waffen,
Geschütze und sonstigen Armeegüter be»
hielt, mußte sie alle Festungen räumen
und in drei Colonnen sich hinter den
Mincio zurückziehen. Von dieser Stellung
am Mincio war die österreichische Armee
in Italien zu dem glänzenden Feldzuge
des Jahres 1799 ausgegangen, auf der»
selben Basis stand sie nun wieder, nach
der verlorenen Schlacht bei Marengo,
nachdem am 8. Juli 1800 die Prälimi-
narien eineS längeren Waffenstillstandes
abgeschlossen waren, welcher mit 13. Sep»
tember zu Ende ging, worauf die Feind«
seligkeiten von Neuem begannen. Nach
dem Eintreffen der Nachricht von der
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon