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hin, deren erste Fmcht sein gleich beim
Erscheinen vielfach anerkanntes Pracht«
werk, „Die Siegelkunde", war, welches
selbst der strenge Kunstrichter Kugler
als ein „classisches Werk" begrüßte.
Diesem folgte die treffliche „Monographie
des Westportals der St. Stephans-
kirche", wahrend er eine Biographie des
vaterländischen Künstlers Ruß als Bei-
läge zu Frankl 's „Sonntagsblätter"
herausgab, und in dieser selbst fleißig die
Kunstzustände der Residenz in Beziehung
auf Plastik. Malerei und Architectur
kritisirte. Die beiden ersten genannten
Werke, in denen Mel ly , vielleicht der
Erste in unserem Vaterlande, die histo»
rische Richtung einschlug, lenkten auf ihn
die volle Aufmerksamkeit und Hoffnung
der wissenschaftlichen Welt und brachten
ihm aus allen Fernen Anerkennung uud
Auszeichnung: während er die von ihm
geschaffenen Werke, da kein Verleger
daran sehr kostspielige auf keinen großen
Absatz berechnete Auflagen wagen mochte,
mit den bedeutendsten Opfern aus eigenen
Mitteln in's Leben förderte und sich so
um die Wissenschaft des Vaterlandes ein
doppeltes Verdienst erwarb. Das ver«
hängnißvolle Jahr 1848 war für M., wie
für Andere, eine vorübergehende Episode.
Von der Stadt Horn in Niederösterreich
zum Abgeordneten in das deutsche Parla-
ment gewählt, nahm er in demselben nur
einmal das Wort, als es fich um die
Heraldik des deutschen Wappens han>
delte. Auf einer Reise lernte M. in Hal-
berstadt den Dompropst Augusti ken»
nen, der ihn mit den höchst interessanten
Domschätzen von Halberstadt und Qued«
linburg bekannt machte. M. begeisterte
sich rasch für diese Gegenstände, und
ließ sogleich mit der Zeichnung von ein»
zelnen beginnen, in der Absicht, das mit
kostbarem Farbendruck illustrirte Werk mit einer historischen Einleitung und
Erklärung herauszugeben. Eilf dieser
Prachtblatter wurden vollendet, fernere
Zeichnungen fanden fich im Nachlasse
vorbereitet. Ueber diesen gelehrten Arbei«
ten war Mel ly in den letzten Jahren
seines Lebens als Comit6mitglied des
neuen Kunstvereins lebhaft thätig und
mit Vorliebe der Tntwickelung der Kunst,
zustande in unserer Residenz stets zuge«
wendet. Er war ein eifriger Vertreter
der leider bei uns völlig brachliegenden
Kunstkritik, und das Journal der „Wan«
derer" enthalt durch eine Reihe von
Jahren eine fast ununterbrochene kritische
Chronik alles dessen, was die plastische
Kunst in Wien geschaffen oder auch nicht
geschaffen hat, aus Melly's Feder.
Eine so mannigfach begabte und bereits
wissenschaftlich bewährte Kraft konnte
bei dem erwachten neuen Leben in Oester-
reich nicht unbeachtet bleiben. M. wurde
von den Ständen Steiermarks zur
Durchforschung des Landes, zur Anferti«
gung einer archäologischen Karte und
zur Abhaltung von Vorträgen angestellt,
und von Sr. Majestät dem Kaiser als
archäologischer Conservator Steiermarks
im Jahre 1831 bestätigt. Nun war ein
ersehnter Kreis des Wirkens aufgethan,
eines Wirkens, das mit dem innersten
Berufe des Mannes glücklich zusammen«
traf. Einem sorgenfreien Blicke in die
Zukunft, zeigten sich neue Wissenschaft'
liche Thaten und neuer Ruhm. Da
ergriff ihn die unerbittliche Hand der
Krankheit. Im Jahre 1881 von einem
gichtischen Leiden befallen, verließ es
ihn nicht mehr und bannte ihn in
den letzten 19 Monaten seines Lebens
unerbittlich an's Bett. Im September
1834 sehnte er sich nach dem Bade
Pistyan, wo er schon früher Lin-
derung seiner Schmerzen gefunden hatte.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon