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Mensdorff-Pomüy 363 Mensdorff-Pouilly
der Krieg brach aus und er blieb Mi»
nister. Er soll die Abtretung Venetiens
an Frankreich nicht gebilligt haben, aber
die Session erfolgte und er blieb im
Amte. Er soll Benedek's Strategie
bekämpft haben, aber Benedek ver»
folgte seinen Plan und der Graf blieb
im Amte. Er soll die Ernennung des
Graftn Gotuchowski zum Statthalter
von Galizien nicht gewünscht haben,
aber die Ernennung erfolgte und Graf
M. blieb im Amte. Wer weiß, um wie
viel mehr diese Reihe von Widersprüchen
noch fortgesetzt werden könnte; doch die
Probe genügt zur Veranschaulichung,
daß im Grafen M. uns ein Staatsmann
gegenüberstand, der die Selbstverlaug.
nung so weit trieb, daß die Politik, die
er machte, bisweilen ganz aufhörte, seine
Politik zu sein. Die Verhältnisse des
Grafen, sein Reichthum und seine bis an
den Königshof von Großbritannien sich
anlehnende aristokratische Stellung schlie«
ßen den Gedanken, als hätte Eigennutz
oder Ehrsucht den Grafen Mensdorf f
an sein Portefeuille gefesselt, ganz und
gar aus, sowie denn auch die für die
Persönlichkeit charakteristische Thatsache,
daß Graf Mensdor f f sogar dem
jüngeren Collegen, dem Grafen Bel-
credi, die Präsidentschaft im Ministe-
rium — diesem mit Allerh. Handschreiben
vom 27. Juli 1868 übertragen — über-
ließ, jeden Verdacht, als Ware Herrsch'
sucht oder Eitelkeit bei ihm eine Trieb-
feder gewesen, niederschlägt." Der Graf,
der zur Zeit keine active Stellung im
Staatsdienste inne hat, ist seit 1. März
1838 Feldmarschall'Lieutenant, und wurde
im Jahre 1863 Inhaber des 9. Manen-
Regiments, desselben, dessen Oberst und
Commandant er im Jahre 1849 gewe»
sen, und mit dem er sich vor Komorn,
wie oben erzählt wurde, das Maria Therefienkreuz erkämpfte. Schließlich sei
noch bemerkt, daß der Graf auch als
militärischer Schriftsteller debutirte, und
zwar mit der Schrift: „Im Sammerteldzuge
18W" (Wien 1863, Gerold, gr. 8".),
welche ein Separatabdruck aus Streff.
leur 's „Oesterreichischer militärischer
Zeitschrift" ist. Den Familienstand des
Grafen macht die genealogische Tafel
ersichtlich.
I l lust r i r te Zeitung (Leipzig. I . I . Weber)
1864. Nr. 1113. — Co nstitution elle
Volks<Zeitung (Wien, kl. Fol.) I. Jahr»
gang (186V). Nr. 93: „Graf Mensdorss" fmit
Porträt im Holzschnitt). — Hirtenfeld ( I .
Dr.). Der Militär-Maria TheresiewOrden und
seine Mitglieder (Wien 1887. Staatsdruckerei.
kl. 4°.) S. 1693 u. l754. — Die Böhmische
West bahn (Pilsner Blatt. 4".) 1864. Nr. 88.
— Neue freie Presse (Wiener politisches
Blatt) 1864, Nr, 62- „Graf Mensdorff'
Pouilly"; 1866. Nr, 787: „Graf Mensdorss
und Graf Eßterhäzy"; — dieselbe 1864. Nr. 58
u. 39. 64; 1863. Nr. 258. 365 Gunter den
Correspondenzen und kleineren Notizen). —
-Presse (Wiener Blatt) 1864. Nr. 298 u.
339; 1866. Nr. 309, — Porträt. Facsimile
des Namenszuges: Alexander Graf Mensdorss.
Pouilly, k. k. General'Major. Kriehuber
1834 (Höftlich's Witwe. Lithogr.. Halb'Fol.).
I. Zur Genealogie der Grasen Mensdorss-Ponilln.
Die M ensdorf f 'Poui l ly, die ursprüng-
lich nur den Namm Poui l l y führten, sind
ein altes lothringisches Dynastengeschlecht,
dessen Ursprung bis in's eilfte Jahrhundert
und auf Gottfried (I.), Herzog von Nieder«
Lothringen, zurückgeführt wird, Autbert
d'Ardenno, der siebente Sohn Gott«
fried's (l.) und Bruder Got t f r i ed's (II.)
und Gottfr ied's (III-). Herzoge von Nie»
der«Luthringen, wird als Stammvater dieses
Geschlechtes genannt. Autbert d'Ardenne
vermalte sich im Jahre 1007 mit Mathilde,
Tochter des Grafen üaudrzj von Revers aus
dessen Ehe mit Mathi lde von Burgund.
Herrin von Poui l ly an der Saäne, welche
die Herrschaft Pouilly ihrem Gemal als Mit«
gift zubrachte, seit welcher Zeit die Familie
den Namen Pou i l l y und das Wappen der
alten Grafen d'Ardenne» Loth ring en-
Bou i l l on führt. Ein Nachfolger A ut'
bert's, Aubertin (IV.) von Poui l l y ,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon