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Mercy 388 Mrcy
konnten, sobald die Jahreszeit es er-
laubte, die kaiserlichen Tschaiken in die
Donau gegen die türkische Flottille aus«
laufen, diese bei Pancsowa aufhalten
und mit den auf der Save liegenden
größeren Scbiffen einschließen, was bei
dem Unternehmen auf Belgrad, 1717,
von Entscheidung war. Als der Kampf
von Neuem begann, führte M. die ersten
Truppen gegen Belgrad, und nahm an
der Belagerung und Schlackt rühmlichen
Antheil; dann brachte er noch die Festung
Orsova zum Falle, indem er vorher ein
ihr ;u Hilfe eilendes feindliches Corps
angriff und auseinanderwarf. Damit
war nun der Feldzug des Jahres 4717
beendet. Nun begann M. die Reformen
im Banate. einem Lande, das über
164 Jahre unter türkischer Botmäßigkeit
geschmachtet und sozusagen ganz ver-
wüstet und verödet war. Gleich nach der
Einnahme dieses Landes war von Seite
des Prinzen Eugen die Wahl auf
Mercy gefallen, der mit seinen Kriegs»
lugenden auch so viel Thatkraft und
administratives Genie verband, daß sich
unter seiner Leitung eine Entwickelung
der Hilfsquellen des Banates erwarten
ließ. Der überraschende Erfolg, der sich
bald zeigte, bewies, wie richtig Eugen
berechnet, und welch glückliche Wahl er
getroffen hatte. Jedoch kaum hatte M.'s
segensvolle Thätigkeit begonnen, als er
darin, zum Glücke nur für kurze Zeit,
unterbrochen wurde. Die Spanier hatten
nämlich wieder Krieg mit Oesterreich
begonnen, sie waren, 4719, in Sicilien
gelandet. Nun wurde M. aus dem
Banale abberufen, um die Führung des
neuen Kampfes im äußersten Süden
Europa's zu übernehmen. Er griff die
Spanier in ihren Verschanzungen bei
Francovilla an, bestand daS blutige, wie
wohl wenig entscheidende Gcfecht vor Melazzo, eroberte Messina und berannte
Palermo. Nun kam der Friede zu Stande,
und die fremden Truppen mußten die
Insel räumen. Mercy aber, nachdem
er in Wien von den Strapazen dieses
Feldzuges ausgeruht und die Folgen
seiner schweren Verwundung beseitigt
hatte, kehrte im Mai 1720 in das Banat
zurück. Es galt nun mit der thatsäch.
lichen Eroberung dieses Gebietes die
Durchführung der ungleich wichtigeren
moralischen. Schon im October 1717
hatte Kaiser Kar l VI . in Temesvär ein
Jesuiten-Kollegium, aus vier Priestern
und einem Laienbruder bestehend, gestif»
tet, welches die Pfarrgeschäfte für die
Stadt übernahm. Die in der Zwischen»
zeit als Proviant-Magazin benutzte große
Moschee wurde ihrer früheren Bestim»
mung. als Pfarrkirche, zu welcher sie vor
1332 gedient, wieder zurückgegeben.
Neben den Jesuiten verrichteten auch
Franziskaner m einer consecruten Moschee
den Gottesdienst. Kolonisten wmden
berufen, neue Dörfer für sie angelegt,
oder alte erweitert. So entstanden Weiß-
kirchen, Szt. Peter, Zaderlak.
Neu-Bessenova. Ujpecs. Detta.
Brückenau, Guttenbrunn, Kudritz,
welche mit schwäbischen und anderen deut«
schen Colonisten bevölkert wurden; Me r-
cydorf, dem der Stifter den Namen und
Italiener zu Einwohnern gab; Neu»Arad
und Gyarmata wurden mit Deutschen ver«
größert; nach Becskerek versetzte Mercy
eine Colonie Spanier aus Biscaya,
welche das Dorf Neu-Barcellona benann«
ten, ein Name, der jedoch mit den
Fremdlingen bald wieder erlosch — Alle
starben. Die vermehrte Bevölkerung
war für Mercy nur ein Mittel zur
Hebung des Ackerbaues durch Einfüh»
rung einer gedeihlichen, zweckmäßigen
Bodenwirthschaft, indem er mit weisem
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon