Seite - 389 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Band 17
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Sinne erwog, daß eine fruchtbringende
Bearbeitung des Bodens bald auch der
Industrie, dem Handel und der Kunst
Anregung geben werde. Erfahrene Ackers-
leute (meist Deutsche) und geschickte Hand-
werker (Italiener), von ihm großmüthig
unterstützt, halfen ihm getreulich zum
Ziele, und schon in kurzer Zeit sah man
Früchte ihrer Bestrebungen. Die öden
Strecken des Landes bevölkerten sich, der
brachliegende, mit Sumpf, Schilf oder
Wald bedeckte Boden gestaltete sich in
fruchttragendes Ackerland um< Eine genaue
Untersuchung des Bodens und angestellte
Proben ergaben, daß das Klima des
Landes den Anbau aller Producte
gestatte, die nur unter den glücklichsten
Himmelsstrichen hervorkeimen. Nebst der
besseren Pflege des Getreidebaues ver«
suchte Mercy den Anbau von Industrie«
pflanzen und siedelte italienische Reis-
bauer in der Nahe Temesvärs (bei Gi-
roda) an. Man lehrte die Eingebornen
in den Districten von Werschetz und
Lugos den Weinstock geschickter pflegen,
vertheilte Obstbaume, und machte die
Bewohner mit deren Pflege und Ver«
edlung vertraut. Auf den Seidenbau
ward ein besonderes Augenmerk gerichtet,
Maulbeerplantagen wurden bei Werschetz,
Weißkirchen, Detta, Guttenbrunn und
anderen Orten in der Nähe der Landes»
Hauptstadt angelegt, Graf Mercy sah
sich genöthigt, auf die Beschädigung der
Setzlinge Todesstrafe zu setzen, eine
Drohung, die an Einigen wirklich voll«
zogen wurde. Die Rohheit und Indolenz
bäumte sich gegen die Einflüsse der
Cultur; es gab noch Vieles aufzuräumen.
Mercy ermüdete nicht. Sein Auge be»
lebte überall die getroffenen Anstalten,
seiner unermüdeten Thätigkeit und Beob-
achtung entging nichts, was die Wohl-
fahrt des Landes heben und befördern konnte. Er hielt niemals Rast. Die
gelegten Keime eines verbesserten Acker«
baues und geschaffene Elemente der In«
duftrie ermunterten ihn zu weiteren
industriellen Schöpfungen, damit das im
Lande erzeugte Naturproduct daselbst
auch seine Verarbeitung finde. Zu diesem
Behufe errichtete er bei Temesvär eine
Papiermühle mit allen nöthigen Maschi«
nen, Eisendrahtzüge, Schmiedewerkftätten,
holländische Oelprefsen zur Bereitung des
Rüböls, Tuchfabriken, und siedelte alle
Gattungen Handwerker daselbst an:
Silber», Zinn», Messing', Eisen» und
Holzarbeiter, Schuhmacher, Schneider,
Hutmacher u. a. I n der Nähe erhob sich
auch eine Seidenfabrik mit großartigen
Einrichtungen, über welche Anstalt der
verdiente Abbö Rossi, aus Mantua, die
Aufsicht führte, die industriellen Etabliffe-
ments waren die Grundlagen der heute
blühenden „Fabriken-Vorstadt" in Te«
mesvär, deren Name bis nun ihren
Ursprung verräth. Um die aufstrebenden
Fabriken mit Holz zu versehen, wurde
die „Bega" in ein Canalbett geleitet,
wodurch nebstbei die Schlangenwindun»
gen und Ueberschwemmungen dieses Flus»
ses verschwanden und eine geordnete
Wasserstraße zur Donau geschaffen ward.
Man sing 1728 den Canal unter Facset
an und kam in möglichst gerader Linie
über Rakita, Belincz und Kiszet6 nach
Temeövä.r, wo er sich in vier Arme theilte
und nach einer Krümmung um die
Festungswerke seinen Weg weiter bis
Klek verfolgte, wo er nach einer Länge
von sechzehn Meilen das alte Flußbett
erreichte; — „ein Denkmal, des alten
RomS nicht unwürdig l" Auch die
Landeshauptstadt TemeSvä.r erhob sich
unter Mercy mehr und mehr aus
dem türkischen Schütte. Es wurde ein
neues Rathhaus, eine Militarspital und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon