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Merode 401 Merode
reich, im Iülich'schen, theilten sich in mehrere
Zweige und Aeste, von denen einige bereits
erloschen sind. andere noch fortblühen. Erst
in unseren Tagen ist ihr Name wieder viel
genannt worden, namentlich der im Jahre
1857 in Belgien verstorbene Staatsmann
Felix Graf Merode, dessm Name in der
Geschichte der Unabhängigkeit Belgiens unver»
gänglich leben wird, dessen Tod sogar von
seinem politischen Gegner, Minister Rogier.
für ein öffentliches Unglück beklagt wurde.
Sein Sohn ist der in jüngster Zeit viel ge
nannte vormalige päpstliche Kriegsminister
und Hausprälat Friedrich Xavev von M
rode. Zu Oesterreich stehen die Merode in
vielfacher Beziehung, in den Tagen, als noch
Spanien und die Niederlande zum Hause
Oesterreich gehörten,. Mehrere derselben waren
Ritter des goldenen Vließes, wie außer dem
obengenannten Grafen Johann Phil ipp
Eugen schon dessen Vater Maximi l ian, kön.
spanischer Oberst eines Regiments Dragoner
und Gouverneur von Namur; ferner Phi-
lipp Franz, Oberststallmeister der Erzherzo-
gin«Negentin in den Niederlanden. Andere
standen in kaiserlichen und in königlich sva>
pischen Kriegsdiensten, bekleideten hohe Nüd
den und Aemter im Staate. Ein Johann
Graf von Merode machte sich besonders im
dreißigjährigen Kriege denkwürdig, in welchem
er als General in der kaiserlichen Armee diente
und in der Schlacht bei Hameln im Jahre
1633 den Heldentod fand. Es ist derselbe
Merode, von welchem man die nicht ganz
reputirliche Bezeichnung der Marodeurs' ab»
leiten will. Denn das von dem Grafen neu
angeworbene Regiment, wie auch Gustav
Freitag in seinen „Bildern und Zügen aus
der deutschen Vergangenheit" nacherzählt, war
durch schlechte Verpflegung so herunter ge-
kommen, daß es kaum seine Fahnenwache ve<
setzen konnte; es löste sich auf dem Marsche
fast ganz in Nachzügler auf, die an den Zäu»
nen und Hecken lagen, mit defecter Rüstung
und ohne Ordnung um die Armee herum«
schlichen. Seit dieser Zeit nannte man diese
Nachzügler, welche der Soldatenwitz vorher
„Saufängei" und „Immenschneider" (weil
sie den Bauern die Bienenstöcke herausschnit»
ten) genannt hatte, Merodeb rüder, später
einfach „Marodeurs". Jedoch auch der Nr»
sprung dieses Wortes „Marodeurs", woraus
dann das Zeitwort „marodircn" gebildet wurde,
und wobei eine für die Sicherheit dieses
Ursprungs höchst bedenkliche Umbildung des
o. Wurzbach, biogr. Lexikon. XVII. ^Ged Selbstlautes e im Namen Merode in a in
der Redensart „Marodeurs" und „marodirm"
zu erklären wäre, muß gleich der oben erzählten
Entstehung des Namens, nur statt den Genea«
logen, den Entymologen überlassen bleiben.
— Ein anderer Merode, mit dem Tauf'
namen Renaud, der Erbschenk des Herzog»
thums Iülich und Gouverneur von Düren
war, fand bei der Erstürmung dieser Festung
durch Kaiser Kar l V. den Heldentod. Was
die Adelsgrade dieses Geschlechtes betrifft, das
mit einem Diplom des Königs Wilhelm I.
der Niederlande vom Jahre 1823 das Recht
erhielt, nach dem am 1. Mai 1686 creirten
Fürstenthume Rubempre«Everberghe den Für»
stentitel zu führen, so wurde durch ein Di-
' plom von Kaiser Nudolph I I . äs äato
26. Ottober 1276 einem Wernhard von
Merode der seinen Voreltern von Kaiser
Friedrich I I I . mit Diplom vom 29. Sep»
tember 1473 bestätigte Panierherrenstand er»
neuert; einem Johann Freiherrn von M e«
rode und Herrn zu Waroux, wahrscheinlich
dem bei Hameln gebliebenen, wie seinem
Sohne, wurde von Kaiser Ferdinand I I .
mit Diplom vom 19. Juni 1622 der Gra«
fenstand verliehen und derselbe durch Kaiser
Leopold I. mit Diplom vom 16. Septem-
ber 1697 einem Julius Nudolph von Me.
rode bestätigt. In neuerer Zeit endlich wurde
mit Decret der n. ö. Negierung ääo. Wien
23. September 1843 der Witwe Katharina
des Phil ipp Johann Bauer-Merode
(gest. zu Mödling 17. März 1842) und ihren
Kindern Johann Nepomuk, Cooperator
an der Pfarre St. Margarethen in Wien,
Ferdinand, Leopold, Kar l (Claviervir«
tuose, siehe denselben S. 402) und Katha-
rina, nachdem sie ihre Verwandtschaft mit
der in Rede stehenden alten Familie der M e»
rode nachgewiesen haben, die Führung des
Freiherrntitels, doch ohne Beisetzung irgend
eines Prädicates, bewilligt. Eben dicse Linie,
und zwar mit dem zwcitgebornen Sohne Fer-
dinand als gegenwartigem Chef. erscheint im
„Gothaischen genealogischen Taschenbuche der
gräflichen Häuser" vom I . 1836 (S. 477)
als eine besondere, und zwar als Linie der
Reichsfreiherrn von Merod e<Houffalize,
Marquis von Tr6lon (Treslong) aufgeführt.
Ferdinand Freiherr von M. (geb. 1803)
ist ein Sohn des oberwähnten Phi l ipp
Johann (gest. im Jahre 1842) aus dessen
Ehe mit Katharina von ftresivurger. Ferdi»
nand ist vermalt (seit 2i). October 1843) mit
l. Juli 1867.) 26
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon