Seite - 429 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Band 17
Bild der Seite - 429 -
Text der Seite - 429 -
Mesmer 429 Mesmer
zurückzustellen. Der Ausführung dieser
Befehle ward so kurze Zeit bemessen, daß
M. gar nicht mehr im Stande war,
seiner Patientin die nöthigen Weisungen
zu ertheilen, theils um ihr allerdings noch
immer nur schwaches Gesicht vollends
herzustellen, theils um den üblen Zufällen
vorzubeugen, die leicht durch die Er»
schütterung, welche ihr die Trennung
von ihrem Arzte veranlaßte, herbeige,
führt werden konnten. Mit dieser An»
gelegenheit, welche übrigens nicht ver«
fehlte, aller Orten gehöriges Aufsehen zu
erregen, endet die Thätigkeit Mesmer's
in Wien, wo er seither von seinen ersten
Knabenjahren gelebt, sich ausgebildet
und einen, wenngleich immer noch zwei»
deutigen Ruf als Wundarzt und Char»
latan erworben hatte. Im Jahre 1778
verließ er — um nicht wieder zurückzu»
kehren — Wien, und begab sich unmittel»
bar nach Paris, wo er von Seite der
Gelehrten bessere Aufnahme und mehr
Anerkennung zu finden hoffte. Die erste
Aufmerksamkeit suchte er durch eine
Fachschrift, betitelt: „
(karis 1779), zu erregen, welcher er
dann die zweite: „
1781)
folgen ließ. I n beiden führte er seine
Hypothese von dem Einflüsse der Pla»
neten mit dem von ihnen ausgehenden
und sich überall hin verbreitenden und
seine Wirkung äußernden Fludium weiter
aus. Nicht lange Zeit hatte es gebraucht,
so war Mesmer in Paris, das der«
gleichen Manner und Erscheinungen in
seiner Art zu würdigen versteht, der Mann
des Tageö. M. verstand eS aber auch, wie
Bio t in seiner „Vi<)Fr2.pki6 universelle"
treffend schreibt, „mit Geschicklichkeit auf
diesem Meer der Mode und der stüchtigen Begeisterung einherzuschiffen". Für die
maßige Summe von zehn Louisd'ors
monatlich begann er Kranke aller Art zu
behandeln. Einige gelungene Curen
erwarben ihm, selbst in gelehrten Kreisen,
Anhänger, der nicht unberühmte Arzt
Deslon sprach sich zu seinen Gunsten
aus, vertrat ihn und seine Entdeckung
vor der Facultat, kurz, die Angelegenheit
mit dem thierischen Magnetismus nahm
trotz des in gelehrten Kreisen auch sich
offenbarenden Widerstandes, einen im
Ganzen so günstigen Verlauf, daß die
Minister Ludwig'S XVI. keinen An-
stand nahmen, mit Mesmer darüber
zu unterhandeln, seine Erfindung zum
Besten der Menschheit gegen eine anfehn«
liche Vergütung von Seiten der Regie»
rung allgemein bekannt zu machen.
Mesmer wollte diese Gelegenheit ganz
zu seinen Gunsten ausbeuten, und über»
gab- dem damaligen ersten Minister
Frankreichs, dem Grafen Maurepas,
ein Ultimatum, in welchem er für die
Mittheilung und als Belohnung für
seine Entdeckung ein — von ihm bezeich,
netes — Schloß und Landgut begehrte.
Wenn man aber seine Forderung nicht
zugestehe, wolle er sogleich Frankreich
und seine Kranken verlassen, möge
daraus auch welcher Schaden nur wolle
für die Menschheit entstehen. Nun auf
Mesmer'S Verlangen ging die fran.
zösische Regierung nicht ein, aber Baron
Breteui l hatte im Auftrage des Kö-
nigS mit Mesmer eine Unterredung, in
welcher er ihm für die Errichtung eines
magnetischen Clinikums eine lebenslang,
liche Rente von 20.000 Livres und über«
dieß noch ein Iahrgehalt von 10.000
Livres anbot, unter der einzigen Bedin«
gung, an drei von der Regierung aus-
gewählten Personen seine Kunst ganz
und gar vollständig zu lehren. Auf
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon