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Messenhauser 439 Mejsenhauser
Thätigkeit zurückkehren, ist nur mehr
weniges zu berichten. Seiner bei seinen
Lebzelten erschienenen Werke ist bereits
gedacht worden, was von ihm noch
erschien, kam nach seinem Tode heraus,
und zwar sind es die „ Grjiitzlungen des
österreichischen Hausfreundes. Gin Andenken"
(Wien 1848, Iasper, Hügel und Manz,
8".), das Büchlein erscheint als ein
Seitenstück zuAuerbach's „Gevatters,
mann", es enthält kleine, in volksthüm«
licher Anschauung gehaltene Erzählungen
mit einer gewissen Bezüglichkeit, sodann
Neberblicke über die Zeitereignisse, Orien»
tirungen für den Oesterreicher über
Zeitfragen und kurze Anekdoten. Der
Schluß des Werkes fehlt, M. hatte das
Manuseript schon im September dem
Drucke übergeben, wollte aber den
Schluß desselben erst bei beendigtem Satz
schreiben. Mittlerweile wollte er in dem
herrlichen Reichenauer Thale bei Wien
in landlicher Zurückgezogenheit sich ganz
seinen Studien widmen. Es kam anders.
Zwischen diesem Buche und seinem tragi»
schen Geschicke liegt der Zeitraum von
wenigen Wochen. Sein zweites Werk,
dessen oben auch schon gedacht worden,
ist: „Nel Aathslierr. Gin nationaler Nnman.
Mit einer Weihe der Erinnerung". Vier
Bände (Leipzig 1849, Wienbrack, 3".),
M. bezeichnet selbst diesen Roman vom
allgemeinen Standpuncte auS als ein
Buch über deutsche Zustände, deutsche
im Größeren und Kleineren; im Ganzen
stellt eS sich als eine in Romanform
gekleidete politische Satyre dar, die auf
der breiten Grundlage beruht, Oppo»
sition zu machen gegen Alles, was von
unten hinauf (nicht, was von oben
herab) der Entwickelung eineS consti»
tutionellen und einigen Deutschlands im
Wege steht. Sonst erschienen noch: „No-
vellen und Grsählungen", 8 Bände (Wien 1849 und 1830. Stöckhölzer v. Hirsch,
feld München, Oberdorfes, 8<>., mit
Portr.); — „Atzte Nanellen und Grzahlnn-
gen", 2 Bände (Wien 1330. Gerold
München, Oberdorfes, 8<>.. mit Portr.);
— die zwetten Auflagen der „Ernsten
Geschichten", „Polengräber" und „Des
Nathherrn" sind nur Titelauflagen. Der
„Politische Hausschuh tiir deutsche Stüatsbür-
grr. Erklärendes Oaschen-Wärterbuch tler Aechte
und plllitischrn Anschauungen kreier Völker"
(zweite wohlf. Ausgabe, Leipzig 1849,
Spamer, 16".) war die nächste Frucht
seines Aufenthaltes in Wien ^während
der Bewegung des Jahres 1848, und
sollte dem politisch noch ganz untnündi«
gen Volke mit der Erklärung der unent«
behrllchsten Schlagwörter des Consti.
tutionalismuS einigermaßen zu Hilfe
kommen. Es war dieß mehr eine Buch«
speculation, die vielleicht damals eben
lucrativ war. Ein Roman — der Titel
desselben ist dem Herausgeber dieses
Lexikons entfallen — ist im Jahre 1848
im Wiener Blatte „Der Radicale" er«
schienen; einen anderen Roman, betitelt:
„Valerian Raygern", hatte er noch vor
dem 48ger Jahre einer Buchhandlung in
Deutschland angetragen, die jedoch den
Verlag nicht angenommen hat. Sein
literarischer Nachlaß wurde in einer
Auction bei der Ente in Wien, wo der«
gleichen Bücher-Licitationen abgehalten
zu werden pflegen, mit enormen Preisen
angekauft. In wessen Hände er gera«
then, ist nicht mit Bestimmtheit zu erhe.
ben gewesen. Als Schriftsteller war M.
von geringer Bedeutung, erst sein tra-
gischer Tod, sein politisches Martyrthum
mußte dem Schriftsteller die Weihe der
Unvergeßlichkeit geben, denn durch seine
Werke, so willkommen sie als Kinder deS
Augenblickes sein mochten, hätte sein An«
denken sich
nicht lange so frisch zu erhalten
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon