Seite - 441 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Band 17
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Messenhauser 441 tlejftnhauser
Ofsiciersrock mit dem bürgerlichen Kleide ver.
tauscht, zu meinem Erstaunen. Oesterreich ist
eben in schweren Krieg verwickelt worden, und
da nehmen Sie den Abschied? Wofür denn
haben Sie so lange im Frieden gedient bis
zur OberlieutenantS-Stelle? Ist es nicht
Sache der Ehre und des Patriotismus, ge
rade im Augenblicke der Gefahr nicht auszu«
treten? — Ich verstand seine Antwort kaum;
ich ahnte nur, daß Uebcrspanntheit die Ner-
ven trieb in diesem schmächtigen sehnigen
Leibe, in diesem blaßgelben, mit starrem Barte
bedeckten Antlitze, in diesem
stechenden braunen
Auge. Ich dachte an ein Getränk, das nicht
auägegohren und einen Stich hat"^. — Auch
im Roman.- „Unter Windischgräh", welchen die
Soldaten<Zeitschrift „Der Kamerad" (Wien,
4".) im Laufe des Jahres 1866 veröffentlichte,
wird S. 303 eine zutreffende Charakteristik
M.'s gegeben; in Gieseke's Roman aber:
„Moderne Titanen", sein Tod erzählt,
Porträte, l) Aigner i>. 1848, Zastieraso.
(8°.). — 2) Hanfstängl lith. (Leipzig. Spa.
mer, 40.). — 3) Holzschnitt, von einem Unge,
nannten (8v.). — 4) Lithographie (Leipzig,
bei Keil, 4".). Mit Ausnahme des Aigner.
schen Bildes, das aber durch den schlechten
Stich sehr gelitten hat, sind die übrigen Bild.
nisse kaum ähnlich zu nennen; das beste wäre
noch der Holzschnitt.
Messenhauser'5 Persönlichkeit. Ein ehema-
liger Waffencamerad M.'s, der auch seine
Lebensgeschichte geschrieben, entwirft eine so
gut gerathene Skizze von Messenhauser's
Persönlichkeit, daß sie hier einen Platz ver.
dient: „Messenhauser war von mittlerer,
etwas lässig gebückter Statur, und trug die
Schultern hoch und vorgerundet. Fein, fast
mager gebaut und von sehr schlanker Taille,
fand sich wenig Imponirendes in seiner Aeußer«
lichkeit. Der Kopf, ein ziemlich schmales Oval,
war eher klein als groß zu nennen, verrieth
aber eben keinen ungewöhnlichen Menschen.
Auffallendes lag nur 'in der Dichtheit und
Schwärze seiner Augenbraunen, welche er bei
einiger Erregtheit stark zusammen zu pressen
pflegte. Das Auge war dunkelbraun, der
Blick hatte etwas Stechendes, Durchdringen«
des und konnte mächtig auflodern, wenn sich
irgend eine Veranlassung dazu fand. Die
Nase, zierlich geschnitten und mäßig gebogen,
war gleichwohl zu normal, um einen bestimm»
ten Charakter in die Hieroglyphen der ganzen
Physiognomie zu bringen. Seine Sprache
konnte als fließend, doch gesucht und nicht ohne störende Breite gelten. Seine Aussprache
zeichnete sich durch wohltönende Kraft und
männlichen Klang aus. Wunderlich war das
Spiel seiner abnormen mageren olivenfarbi»
gen Hände. Selten, im Redefluß nie, ver<
mochte er es über sich, dieselben ruhen zu
lassen; jede rhetorische Phrase bekräftigte er
mit lebhaften Gesten. Sein zur Manier ge.
wordenes Händereiben wird schwerlich irgend
einem Beobachter haben entgehen können. Im
Nebrigen aber läßt sich von seinen Bewegun»
gen nichts sagen — sie waren soldatensteif
und ungelenk; in gymnastischen Künsten ge,
brach es ihm an jedweder Fertigkeit. Im
engeren Verkehre, wie im großgesellschaftlichen
Umgänge, zeigte er sich nicht ganz frei von
einer gewissen Originalität, lind weil er denn
die seltsamste Mischung von Gefühls» und
Verstandesmenschen abgab, so konnte es nicht
fehlen, daß er, bald dem Herzen, bald dem
Kopfe gehorchend, ein Schwanken und eine
Zerfahrenheit in sein Wollen und Schaffen
brachte, welches ihn leider oft daS Extremste
als das Rechte lieb gewinnen ließ. Am deut»
lichsten sprach sich dieß in der mündlichen
Conversation aus. Das Geschraubte, Schwul»
stige zog er in der Konversation stets dem
Natürlichen vor, und wußte sich immer und
mit vieler Ueberlegenheit des großen Wortes
zu bemächtigen. Scharfe, glückliche Citations»
gäbe, Geltendmachung seines bunten Mosaik»
Wissens kann ihm nicht abgesprochen werden.
fEine ganz köstliche Scene nach dieser Rich»
tung erzählte vor Kurzem erst der „Wanderer"
im Feuilleton von Nr. 127, ts67: „Au5 den
Erinnerungen eines Soldaten"^ Damit ge»
wann er denn sein Publicum im Sturm;
verlor es aber leider auch ebenso rasch, hatte
es sich einmal an ihm abgekühlt. Ein unge»
wohnliches Gedächtniß, eine mächtige Bele<
senheit — obschon der Stoff nicht recht war
verarbeitet worden (das ist irrig) — eine weit
ausgreifende Phantasie, naturwüchsiges Ur»
theil, Wortreichthum, rasches Auffassen und
Zergliedern — Alles dieß schuf ihn zu einem
gesuchten Conversationstalent, aber es blieb
immer noch viel Phrasenthum. Wortschwall
und Eckiges zu überwinden. Bei dem Abgänge
an Logik und Gründlichkeit, bei M.'S stoischer
Selbstgenügsamkeit und stolzer Verzichtleistung
auf fremden Beistand, lernte er die Abwege
weder kennen noch vermeiden, auf welche ihn
die überstürzende Hast des regellosen Studi-
rens und eine planlose Lectüre (?) geführt
hatten und immer weiter führen mußten." —
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon