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Messenhauser 442 Messerfchmidt
Die Standhaftigkeit. ja seltene Willensstärke
und Furchtlosigkeit, welche M. in seinen letzten
Augenblicken, in welchen er mit soldatischem
Muthe das Feuer zu seinem Tode selbst mit
fester vernehmlicher Stimme commandirte,
sind allgemein bekannt; weniger bekannt
dürfte es sein. daß M. diese Ruhe nicht etwa
für die letzten Augenblicke aufgespart, sondern
daß sie ihn überhaupt von dem Augenblicke
an. als er über sein Geschick selbst gar nicht
mehr im Zweifel war, nicht verlassen hatte.
Der letzte Besuch, den er außer seinen Wach«
tern und den gerichtlichen Personen, am Tage
vor seiner Erecution, erhielt, war jener des
Theater«Directols Carl, der als Mitglied
des Wiener Gemeinderathes Zutritt bei ihm
erhalten hatte. Staberl bei dem zum Tode
veruttheilten Messenhauser! Beide unter»
hielten sich lange miteinander. Das tragische
Schicksal, dessen M. gewärtig war. machte
ihn aber nicht im Mindesten verzagt. Er dachte
eigentlich gar nicht viel daran, und am
Schlüsse der Unterredung mit Carl erzählte
ihm M. die ganze Handlung seines neuen
Lustspiels, das aber nicht vollendet war, indem
der letzte Act noch fehlte, und sprach noch den
lebhaften Wunsch aus. Carl möge das Lust»
spiel von gewandter Feder beenden lassen und
es dann auf seiner Bühne zur Aufführung
bringen. (5a r l hatte dieß versprochen. DaS
Lustspiel kam nicht zur Aufführung, es ist
aber, wie mir mit Bestimmtheit versichert
wird. im Drucke erschienen, Titel und Näheres
darüber konnte ich aber nicht erfahren.
Messen!) auser's standrechtlich« Urtheil. Der
Wortlaut desselben ist: Wenzel Messen-
hauser, zu Proßniß in Mahren geboren,
35 Jahre alt, katholisch, ledig. Schriftsteller,
ist in der mit ihm abgeführten kriegsrecht'
lichen Untersuchung, durch sein Geständnih
bei erhobenem Thatbestande überwiesen, daß
er in der Eigenschaft als provisorischer Ober»
Commandant der Wiener Nationalgarde, den
bewaffneten Aufruhr in Wien, dessen Umge<
düng und in mehreren Provinzen durch Pla«
cate und Aufgebote zum Landsturm eingeleitet
habe; daß er selbst nach Kundmachung des
Belagerungszustandes über die Stadt Wien
nebst Vorstädten und Umgebung, mittelst der
Proclamation Sr. Durchlaucht des Herrn
Feldmarschalls Fürsten zuWindisch.Grätz
vom 2l). und 23. October d. I . (1848), durch
einen weiteren Aufruf vom 25. October und
dessen Nachtragsbefehl vom nämlichen Tage,
zum Aufruhr gegen die zur Herstellung der Ruhe und Ordnung von Sr. Majestät dem
constitutionellen Kaiser gegen Wien entsende«
ten Truppen angereizt und diese bis zum
Treubruch zu verleiten versucht; daß er ferner
durch einen terroristischen Befehl die äußerste
Vertheidigung Wiens gegen die anrückenden
Truppen angeordnet und sonach den bewaff«
neten Widerstand auch thätigst fortgesetzt; daß
er sogar nach abgeschlossener Capitulation
wegen Uebergabe der Stadt an den Herrn
Generalen Feldmarschall am 30. October
Mittags zwei Bulletins über das angebliche
siegreiche Vorschreiten der schon am 28. Octo»
der angekündigten Heeresmacht der Ungarn
in zahlreichen Abdrücken verbreitet und dadurch
den Bruch der abgeschlossenen Capitulation
herbeigeführt habe. Es ist demnach Wenzel
Messenhauser durch kriegsrechtliches Urtheil
vom 11. und kundgemacht am 14. November
d. I . , in Folge der angeführten Proclamation,
in Verbindung mit dem Art. 62. §. 4. des
Militär«Strafgesetzbuches, zum Tode durch
den Strang conoemnirt, das Urtheil aber am
16. d. M. um halb 9 Uhr Morgens im hie«
sigen Stadtgraben durch Erschießen mit Pul»
ver und Blei vollzogen worden. Wien am
16. November 1848. Von der k. k. Militär<
Central'Untersuchungs.Commission. — Dun«
der's Buch über die Wiener October-Revo»
lution gibt über die letzten, für Messen«
h auser's tragisches Geschick so uerhängnißool«
len Tage die ausführlichsten, mit allen von ihm
erlassenen Tagsbefehlen belegten Aufschlüsse.
Der S. 824 mitgetheilte, vom 30. October
Nachmittags i'/zUhr datirte Obercommando-
Befehl, welcher mit den Worten anhebt:
„Wenn sich zwei Heere unter den Mauern
der Residenz schlagen u. s. lv.", dieser Befehl
namentlich war es, der Me ssen hauser's
Todesurtheil besiegelte. Dund er selbst be«
merkt darüber, daß „dieser Befehl Messen»
hauser's durch Terrorismus am Stephans-
thurme erpreßt, oder von den anwesenden Re»
volutionsmachern aus der Reitschule befohlen
worden zu sein scheint".
MesserschNlidl, Franz Xaver (Bild-
Hauer, geb. zu Wiesensteig in
Bayern 20. August 1732. gest. zu Preß-
bürg auf dem sogenannten Zuckermantel
21. August 1783). Sein Vater war ein
Weißgärber, der aus zwei Ehen 32 Kin«
der hatte. AuS der zweiten stammte
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon