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Desserfchmidt
würdigen Büsten folgt S. 448^. als er
den Ruf als Hofbildhauer an den chur»
fürstlichen Hof nach München mit einem
ansehnlichen Gehalte erhielt. War er der
Einsamkeit müde, oder schmeichelte es
seinem Stolze, daß der Ruf seiner Kunst
auch dann in der Welt fortlebte, nach«
dem er aus derselben sich zurückgezogen,
kurz er nahm den Posten an und ging
nach München. Ader nur ein halbes
Jahr hielt er es dort aus. Zwei Beru-
fungen, die Friedrich I I . von Preußen
hatte an ihn ergehen lassen, lehnte er
gleichfalls ab, und nachdem ei schon aus
der Einsamkeit wieder in das öffentliche
Leben zurückgekehrt war, begab er sich
nach Wien. Sem Abschied aus München
mahnt an jenen aus Rom. EinHofcavalier,
der sich mit M. über verschiedene Gegen«
stände der Bildhauerkunst berieth, stellte,
wie es scheint, von dem Selbstbewußtsein
M.'s, das sich aus allen seinen Antwor-
ten und Ansichten aussprach, ebm nicht
angenehm berührt, die zweideutige Frage,
ob er denn auch im Stande sei, ein
Pferd von englischer Race plastisch dar«
zustellen? M., von diesem Spotte auf
daS Tiefste erregt, erwiederte, ohne
jedoch seine Miene zu verändern: „Er
könne im Augenblicke die Ausführung
eines Pferdemodells englischer Race um
so weniger übernehmen, als er eben mit*
einer Gruppe, den Einzug Christi in
Jerusalem darstellend, beschäftigt, nach
langem Suchen endlich gerade jetzt so
glücklich sei, das Modell des zu dieser
Gruppe erforderlichen Esels aufgefunden
zu haben". Daß bei solchen Antworten,
überhaupt bei solcher Weise, mit den
Menschen zu verkehren, seines Bleibens
unter ihnen nirgends lange war. begreift
sich wohl leicht, er machte sich also rasch
von München, indem er seinem in Preß-
bürg als Bildhauer lebenden Bruder Mefferschmidt
vorhin noch den Auftrag gab, ihm in
feinem Hause eine stille Wohnung einzu«
räumen. I n Preßburg brachte nun M.
drei Jahre im Hause seines Bruders zu,
einzig mit der Fortsetzung seiner Charak«
terbüsten beschäftigt. Anderes arbeitete
er nur. wenn ei Geld brauchte, um die
Auslagen für seine Lebensbedürfnisse zu
bestreiten. So beschäftigte ihn der da-
malS in Preßburg weilende Locumtenens
Albert Herzog von Sachsen-Te«
schen. der auch mehrere feiner fertigen
Arbeiten ihm abkaufte. Für die zu jener
Zeit vollendeten Charakterbüsten — sie
betrugen etwa 40 Stück — bot ihm der
kunstsinnige Fürst 40.000 Gulden. M.
schlug aber dieses Anerbieten aus. weil
er die Sammlung auf hundert Büsten
bringen wollte. I n der Wirklichkeit hatte
er sie nur auf 49 gebracht und von diesen
sind zwei unvollendet. Nach drei Jahren
kaufte er sich
auf dem sogenannten Zucker«
mantel bei Preßburg ein einsam gelege»
nes Hauschen, das er seinen höchst ein-
fachen Bedürfnissen gemäß einrichtete
und daselbst bis an fein Lebensende
zubrachte. Dieses ereilte ihn nach kurzer
Krankheit im Alter von 3t, ja wenn
die Angabe Einiger, daß er nicht im
Jahre 1732, sondern im Jahre 1737
geboren sei, richtig wäre, von gar erst
43 Jahren. Außer den bereits an»
geführten Arbeiten Messerschmidt's
sind noch bemerkenswerth: „Nie Wasser
schupfende Samaritünerin nnd der Sie beübach-
tende GhriütuZ", im ehemaligen Palast deS
Prinzen Eugen in der Annagafse,
die Büste deS Herzogs Albrecht von
Sachsen-Teschen. in Marmor, jene
des Grafen Philipp B .a t t hyäny ,
in Alabaster, ein schöner Altar zu
Austerlitz in Mähren in der Schloß-
capelle, daS S enkenberg'sche Grabmal
auf einem der Wiener Friedhöfe, und
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon