Seite - 453 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Maroevic-Meszlenn, Band 17
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Meßner 483 Meßner'
verstorbener, theils lebender Künstler u. s. w.
(Salzburg 1821, Mayr, kl. 8».) S. 148.) —
2. Joseph Meßmer, ein tüchtiger Schul«
mann und der eigentliche Begründer der Wie-
ner Normalschule. Er lebte im 18. Iahrhun«
derte und war der oberste Schulmeister der
Bürgerschule zu St. Stephan, und in dieser
Stellung zugleich Rector der übrigen bürger«
lichen Stadtschulen. Er wirkte auch als
Schreiblehrer an der Real'Handelsschule, und
war so geschickt, daß er als solcher auch bei
Hofe verwendet wurde. Ein durch und durch
praktischer Schulmann, schickte er. als er von
den glänzenden Resultaten vernommen, welche
der Abt von Sagan. Felbiger l^d. IV,
S. 166^, in Schlesien und Glatz errang, auf
eigeneKosten einen Mann, Namens Felkel,
dahin, der ihm über die neue Unterrichts«
methode genauen Bericht erstattete. Nun ent>
warf er seine Denkschrift und verfaßte, wohl
zunächst von seinem Gönner, dem Staats»
rathe Gebler sBd.V, S. 1l8) angeregt,
seine „unmaßgeblichen Gedanken zur Ver«
besserung der deutschen. Schulen". Mit dieser
Denkschrift war der erste Anhaltspunct zur
beabsichtigten Schulverbesserung geboten, und
M. so der geistige Begründer der Wiener
Normalschule, deren erster Director er wurde.
Später wurde ihm der Verlag der deutschen
Schulanstalt übertragen, aber einiger Unregel-
mäßigkeiten willen wurde er seines Amtes ent«
hoben und in Untersuchung gezogen. Immer-
hin bleibt er seiner Thätigkeit als Schulmann
wegen erinnerungswerth, denn er war es, der
das Eis des todten Wissens bei uns ge»
brochen, aus dessen Handen die ersten guten
Schullehrer des Kaiserstaates hervorgegangen
sind. Die Stellung, in welcher er den von
ihm verlangten Anforderungen nicht entsprach,
war eben keine pädagogische, sondern eine
administrative, zu der er wohl eben so wenig
Beruf als Geschick mitbrachte. lHelfert
(Alex. Freih.), Die österreichische Volkschule.
Geschichte, System, Statistik (Prag 1860,
Tempsky, gr. 8«.).
Meßner, Joseph (Schriftsteller,
geb. zu Prachatic in Böhmen im
Jahre 1824, gest. ebenda 4. Jänner
1862). Der Sohn wohlhabender, in Pra-
chatic anfäßiger Eltern. Seine Mutter
war eine geborne Kal ina von Iäthen»
stein. Der Sohn genoß eine sorgfältige Schulbildung, hörte nach beendeten
Gymnasialclaffen die Philosophie und
versuchte sich bereits damals, noch als
Studiosus, in der von Rudolph Glaser
Md. V, S. 207^ herausgegebenen Zeit-
schrift: „Ost und West", welche bald ein
Vcreinigungspunct der deutschen geistigen
Elemente in Böhmen wurde, wo eben
der ÜechismuS in einer das Deutschthum
bedrohenden Weise sich zu entfalten be«
gann. Nun trat M. in die Artillerie«
schule, diente einige Jahre als Artillerist,
nahm aber, nachdem er beim Umwerfen
eines Cavalleriegeschühes eine so schwere
körperliche Beschädigung erlitten hatte,
daß er außer Stande war, weiter zu
dienen, den Abschied. Nun wollte er sich
einer vorherrschend praktischen Beschäf«
tigung zuwenden und gerieth sonderbarer
Weise auf die Idee, die Gerberei zu
erlernen. Er führte diesen Gedanken
auch aus, trat in seinem Geburtsorte bei
einem Gerber in die Lehre, machte die
üblichen Lehrjahre durch, ging dann als
Gerbergeselle auf Wanderschaft, und
durchzog als solcher, das Bündel eines
Wandergesellen auf dem Rücken, zuerst
Tirol, dann aber einen großen Theil der
österreichischen Monarchie. Die Srleb»
nifse dieser jedenfalls merkwürdigen Fahrt
erzählte M. spater zum Theile in seinem
Romane: „DieHandwerksburschen", und
Leser desselben werden gewahren, daß
die meisten Zeichnungen und Scenen
dem Wanderleben des Handwerkerthums
unmittelbar entnommen sind, denn mit
solcher Wahrheit und Treue find die
Schilderungen darin gegeben. Nach sei»
ner Heimkehr ließ er sich als Gerber-
meister in seinem Geburtsorte nieder und
übte auch einige Zeit sein Gewerbe aus,
aber immer wieder zog es ihn zur
Schriftstellerei, und zuletzt mit so machti«
gem Dränge, daß er das Handwerk
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Maroevic-Meszlenn, Band 17
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Maroevic-Meszlenn
- Band
- 17
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1867
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 506
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon