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Wien berufen und im Jahre!8<)l zum
Hofrathe bei der Polizeihofstelle ernannt.
Im folgenden Jahre erhielt er unter
gleichzeitiger Verleihung der geheimen
Rathswürde die Vice-Präsidentenstell
bei der niederösterreichischen Regierung
und im Jahre 1804 jene bei dem Guber
nmm in Böhmen. Nach zweijähriger
Thätigkeit auf diesem Posten wurde er
über sein Ansuchen im Jahre l806 seiner
angegriffenen Gesundheit wegen zeitlich
beurlaubt. Im Jahre 4815 kehrte er in
den Staatsdienst zurück, und übernahm
die ihm am 22. April g. I . übertragene
Leitung der Provinz Mahren und Schle-
sien als Landes-Gouverneur derselben.
Zwölf Jahre, bis 1827, bekleidete er
diesen Posten, und die öffentliche Mei»
nung war voll des LobeS über diese
-Periode seines Wirkens. Keinen Zweig
der politischen Verwaltung unberücksich-
tigt lassend, war der Graf unablässig
bestrebt, Landescultur und Nationalbil»
düng mit allen ihm zu Gebote stehenden
Mitteln zu fördern. Das schöne Friedens«
denkmal zu Brunn, die Gründung des
Franzensmuseums, die Erhaltung und
Bereicherung des ständischen Archivs, die
ungemein reichhaltige Sammlung der
Handichristen und Incunabeln für die
Geschichte Mährens find sprechende Denk»
maler seines Wirkens. Ein unvergeßliches
Denkmal aber errichtete
sich der Graf durch
den unter seinen Auspicien und auf seine
Kosten erschienenen „Ooäsx äiplomati-
aus st 6pi3to1g.riL ^IorÄvill.6", der ihm
auch.zugeeignet ist. In ähnlicher Weise
forderte der Graf auch noch ein zweites,
nicht minder wichtiges und gehaltvolles
Werk. nämlich Wolny's „Mähren, to-
pographisch, statistisch und historisch ge>
Mdert". Am 23. Jänner 1827 berief
ihn Se. Majestät der Kaiser zum Hof-
kanzler und Präsidenten der k. k. Studien« Hofcommisfion nach Wien, worauf er im
Jahre 1830 zum obersten Kanzler er-
nannt wurde, welche Stelle er bis zu
seinem Tode bekleidete. Auch diese zwölf-
jährige Periode seines Wirkens ist durck
zahlreiche gemeinnützige Unternehmungen,
mit welchen er die Interessen der ver.
schiedenen, der vereinigten Hofkanzlei
unterstehenden Länder förderte, durch den
Bau und die Errichtung von Lehr» und
Erziehungsanstalten, Instituten fürKünfte
und Wiffenscbaften, Bauten von Straßen,
Eisenbahnen, Canalen u. dgl. m. in be»
deutungsreicher Weise bezeichnet. Neber
seinen brieflichen Auftrag unternahm auch
der Protokolls» Director Tr imel —
bekannter unter seinem Schriftstellernamen
Emi l — eine Zusammenstellung der
„Mater ia l ien zu einer Geschichte
der vereinigten H ofk.anzlei". Die
erste Abtheilung, die Zeit von ihrem Ent»
stehen bis auf Kar l VI. (einschließig)
umfassend, liegt in einem starken Manu«
script-Foliobande in der administrativen
Bibliothek des Ministeriums des Innern
vor; die vier anderen Abtheilungen (die
zweite die Zeit der Kaiserin Mar i a
Theresia, die dritte jene der Kaiser
Joseph I I . und Leopold II . , und die
vierte jene der Kaiser FranzI. , Ferdi»
nand und Franz Joseph umfassend)
sind ihres Bearbeiters gewärtig. So
viele Verdienste um den Staat und das
Gemeinwesen fanden aber auch Allerh.
Ortes und von anderen Seiten mehrfache
Würdigung. Schon im Jahre 1830 er-
folgte seine Ernennung zum Großkreuz
und Kanzler des kais. österr. Leopold.
Ordens, im Jahre 1836 die Verleihung
des goldenen Vließes. Im Jahre 1339
beging die Wiener Universität am
1. October die Feier der Aufstellung sei»
nes Bildnisses, und als der Graf im
Jahre 1841 sein fünfzigjähriges Dienstes'
o.Wurzbach', biogr.Lexikon. sGedr. 6. März 1863.)
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Metastasio-Molitor, Band 18
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Metastasio-Molitor
- Band
- 18
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 522
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon