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erhielt er, noch ein Kind, schon
steien, und im Alter von zwölf Jahren
den Obersten-Titel. Wahrend dieser Zeit
machte er Reisen im Auslande, von wel-
chen er erst zurückkehrte, als Stanis»
laus Poniatowski den polnischen
Königsthron bestieg. Der König, der
ihm bald seine Huld zuwendete, berief
ihn in die mit der Zeitung der Unter»
richtsangelegenheiten betraute Commis-
sion, in welcher er jene der Schulen
in Volhynien und Podolien unter sich
hatte/ Auch leitete er das Caffawesen
des Unterrichts in Warschau und in den
Provinzen. M., der eine gute Erziehung
genossen und sich das ihm anvertraute
Amt angelegen sein ließ, war auf Ein»
führung mancher zweckmäßigen Einrich»
tung bedacht, so arbeitete er, der Erste,
das Project eines polnischen naturwifsen»
schaftlichen Museums aus, das er auch
im Drucke herausgab. Andere anregende
Abhandlungen, als: „über den Geschmack
in der Lectüre", — „wie die Jugend zu
erziehen und zu unterrichten sei", ver»
öffentlichte er auch in einer den Zwecken
des Unterrichts und seiner Förderung
gewidmeten periodischen Schrift. Auch
schrieb er Artikel über die Erziehungs-
Commission und ihre Thäligkeit für
deutsche und französische Blätter. Am
meisten aber wendete sich ihm die allge»
meine Aufmerksamkeit zu, als er das histo-
rische Werk: „/^asin^-s 5^'s^'", d. i.
Kasimir der Große (Warschau 1777, 4".),
eine für jene Zeit immerhin beachtens-
werthe. Arbeit, auf welche selbst Naru-
szewicz in seiner Geschichte sich berufen
konnte, veröffentlichte. So denn als
gelehrter Edelmann, siel es ihm bei der
Hul.d des Königs nicht schwer, rasch von
Stufe zu Stufe zu steigen, im Jahre
1778 war er bereits Secretär für Groß'
Lithauen und im Landtage zugleich
v. Wurzdach, biogr.Leiikon. XVIII Secretar des standigen Ausschußrathes,
bald darauf wurde er in die Finanz-
Commission berufen, und schon im Jahre
1780 ernannte ihn der König zum Chef
seines Cabinets, zum Hofmarschall von
Lithauen und zum Präsidenten dtzr öko.
nomischen Commission der königlichen
Einkünfte. Auf dem Reichstage 1782
war er Rath des ständigen Ausschuffes,
und führte als solcher die Polizei und
die Präsidentschaft in demselben, und im
folgenden Jahre ernannte ihn der König
zum Großmarschall der Krone. Auf die»
sem Posten aber entwickelte M. eine
ganz beachtenswerthe Thätigkeit, und in
der Geschichte der Stadt Warschau und
ihrer Entwickelung wird M. immer eine
ehrenvolle Stelle einnehmen. Er hatte
nicht umsonst fremde Länder und Städte
bereist, und was ihm zur Herstellung einer
größeren Wohnlichkeit und eines durch ein-
geführte Verbesserungen erzielten höheren
Behagens zweckmäßig erschien, auf dessen
Durchführung war er sofort bedacht; so
ordnete er an die Regelung der Stra-
ßen, die Benennung derselben, die Num»
merirung der Hauser; dieß Alles und noch
mehr verdankt Warschau seiner Umsicht
und Energie. Aber auch weiter hinaus,
aufs 3and, richtete er sein Augenmerk,
und er erließ entsprechende Verordnun-
gen, errichtete Magistrate, steuerte dem
Bettlerunwosen, gab Anordnungen wegen
Reinigung und Beleuchtung der Straßen
u. s. w. So blieb er uiele Jahre thätig,
bis er im Jahre 1793 sein Marschallamt
niederlegte, sich von allen öffentlichen
Geschäften zurückzog und auf sein Schloß
nach Wisniowcze in Galizien begab, wo
er ausschließlich seinen historischen For-
schungen und der thätigen Muße des
Freundes der Wissenschaft lebte. Außer
en oberwähnten im Drucke erschienenen
Arbeiten sind noch viele seiner auf den
'.14. März 1868.) 26
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Metastasio-Molitor, Band 18
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Metastasio-Molitor
- Band
- 18
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 522
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon