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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Metastasio-Molitor, Band 18
Seite - 406 -
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Mochnacki Da alle seine Bemühungen, zur Advoca tur zu gelangen, erfolglos blieben, sah er sick anderweitig nach Arbeit um, für die er sich befähigt hielt, und wurde vom Jahre 1826 bis 1830 Mitarbeiter der „1x^5 i.oiska«, d. i. Die polnische Isis. eines der Industrie und Landwirthschaft gewidmeten Blattes, und zugleich versah er die Stelle eines Adjuncten in der daS Fabrikswesen überwachenden Section des Ministeriums des Innern. Unter Einem aber setzte er in seinen Mußestunden das Stuwum der Philosophie und Literatur auf das Eifrigste fort. Im Vereine mit Xaver BronikowSki begründete er die „<3a2et2 polkkii", welche er vom t Dc- cemder 1827 bis 1. December 1829 re- digirte. I n dieser Zeitschrift, wie auch im „Tur^r xoiski" erschienen viele Aufsähe M.'s, alle darauf berechnet, die Aufre» gung, die sick bereits seit Langem der Gemüther bemächtigt, im Gange zu er^ halten. Zu gleicher Zrit verfaßte er auch mehrere anonyme revolutionäre Schrif« tcn, unter andern die an die polnischen Landboten gerichtete Stimme eines Bür- gorS aus dem unterjochten Lande, welche große Verbreitung im ganzen Lande, insbesondere unter den niederen Stauden fand. Wie er heimlich politisch thatig war und auf dm Sturz der Regierung, welche keine der gegebenen Versvrechun» gen gehalten, hinarbeitete, so trat er auch öffentlich, jedoch nach einer minder be. denklichen — der literarischen — Richtung entschieden reformatorisch auf. Mit seiner kurz vor Ausbruch der Revolution erschie« nemn Schrift: „(> ^'/L?-«/«)-^ ^/sk/s/ «?z'eHll c?n'6«)/<3/)i<25/i/?n") d. i. Von der polnischen Literatur im neunzehnten Jahrhunderte (Warschau 1830, neue Aufl. Posen 1844. 8".), erscheint er förmlich als Bahnbrecher in Sachen des Geschmackes, und trug cr zum richtigen Verständniß und gerechten Würdigung mehrerer neuerer Dichter, darunter vor« nehmlich GoSzczynski's und Mal- czewski's wesentlich bei. Die ausge- brochene Revolution fand an ihm, der für sie als Mitglied der geheimen, sie verbreitenden Gesellschaften immer thä- tig gewesen, eines der energischesten Mit» glieder, als ein eigenthümlicher Umstand mit einem Male allen seinen und so be- deutenden Einfluß lahmte. Chlopicki hatte nämlich, sobald Großfürst Con- stantin Warscdau verlafsen und die P'wegungSpartei Herr der Stadt ge- worden war. die Papiere des Großfür» skn mit Beschlag belegen lassen, und bei dl.r Durchsuchung dersrlben fand sich der Plan zu einem neuen Systeme der Volks« erziehung, von Mochnacki verfaßt und unterschrieben, vor, wodurch Mochnacki in den Verdacht gerieth, ein Werkzeug der Pläne Rußlands zu sein. Mit diesem Plane aber hatte es folgendes Bewandt» niß. Mochnacki war als Studirender zu wiederholten Malen, und zwar wegen Theilnahme an einem patriotischen Vrr» eiue verhaftet und längere Zeit in einem nach nordamcrikanischcn Grundsahen ein. gerichteten Gefängnisse eingesperrt wor< den. Um bald wieder frei zu werden, nahm er zu einer List die Zuflucht, und fuckte seine Unterdrücker durch eine ver« stellte Sinnesänderung zu täuschen. Zu diesem Zwecke verfaßte er ganz im Sinne der damaligen Warschauer Regierung einen Plan, wie in Polen durch ein neues Erziehungssystem die fortschreitende Auf« klärung niedergehalten werden könne. M. erreichte auch vollends seinen Zweck, er wurde nämlich frei, ja noch mehr, diese Schrift wurde sogar dazu benutzt, dem Großfürsten Con stantin den Be« weis zu liefern, wie dieses nach den nord- amerikanischen Grundsätzen eingerichtete
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich Metastasio-Molitor, Band 18
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
Metastasio-Molitor
Band
18
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1868
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
522
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
Lexika Wurzbach-Lexikon
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