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Msermg
gründete Institut des Schweizers Joseph
Blöchlinger, der selbst ein ausgezeich«
neter Humanist und vortrefflicher Lehrer
war. Unter den Zöglingen dieses Insti.
tntes befand sich zu jener Zeit ein Neffe
Beethoven's und Joseph H übn er,
kurz vor Ausbruch des italienisch.franzö'
fischen Krieges im Jahre 1839 der Ge-
sandte Oesterreichs in Paris und spater in
Rom ss. d. Bd. IX, S. 391). I n diesem
Institute erhielt K a r l M . eine gründlich«
grammatikalische Bildung in der deut>
scben, französischen und italienischen
Sprache, im freien Handzeichnen und
in den übrigen, dem jugendlichen Alter
angepaßten Gegenständen. Von einem
Freunde des Vaters Moer ing, einem
Hauptmann G lese l , damals In>
spections'Officier in der k. k. Ingenieur«
Akademie, ging der Gedanke aus. den
Sohn für die soldatische Laufbahn ans»
bilden zu lassen, und so kam er denn im
Jahre 1822, im beginnenden 13. Jahre,
in die Ingenieur-Akademie, deren Director
zu jeuer Zeit General Herzoge nberg
ss.d.Bd.VIII, S.413) war, und welche
sich eben unter dieser Leitung, namentlich
in den mathematischen Studien, eineS
ausgezeichneten Rufes erfreute. Bis zum
Jahre 1829 verblieb M, in der Made-
mie, in diesem Jahre trat er als 3ieute»
nant in das Geniecorps, zu dessen tüch«
tigsten Ofsicieren er in kurzer Zeit gerech-
net wurde. Als solcher machte er im
1.1841 auf der „Medea" die Erpedition
nach Syrien mit, welche 184l) von Seite
der Großmächte beschlossen worden war,
um die Pforte gegen die Uebergriffe Me«
hemed Al i 's zu schützen. Von diesem
Ausfluge zur See im Juni 1841 zurück,
gekehrt, trat M. zu seiner Wissenschaft
lichen Ausbildung auf eigene Kosten eine
Reise nach England und Nordamerika
an. Bei dieser Gelegenheit erhielt er von Msering
Erzherzog Johann den Austrag, das
nordamerikanische Eisenbahn-System" zu
studiren und zu beschreiben. Erst im
Jahre 1843 kehrte M. nach Europa zu-
rück. Im Jahre 1844, bereits Haupt,
mann im Geniecorps, erhielt er den
ehrenvollen Ruf als Lehrer der Mathe«
matik und Militärwissenschaften zu den
vier Söhnen des Vicekönigs der Lom«
bardei. Orzherzog Rainer. Zwei Jahre
verblieb M. in dieser Stellung, rvah«
rend welcher er abwechselnd in Mai«
land und Venedig lebte. Hierauf kam
derselbe in die Garnison nach Wien.
Seine schriftstellerische Thätigkeit, die
unter dm damaligen Verhältnissen eine
geheime war (weiter unten folgt mehr
darüber), hatte nichtsdestoweniger die
Aufmerksamkeit der gebildeten Kreise auf
den jungen geistvollen Ofsicier gerichtet,
und im Jahre 1848 siel auch die Maske
der Anonymität, was aber der kaiserliche
Ofsicier schwer büßen mußte, denn —
wie glaubenswürdige Berichte melden —
gerieth sein Avancement in's Stocken.
Diesem Mißtrauen in gewissen, für die
nächste Zukunft M.'s maßgebenden Krei«
sen hielt aber das Vertrauen der Menge
und der achtunggebietende Ausdruck der
öffentlichen Meinung vollständig das
Gegengewicht. Dieser letztere gab sich
m seiner Wahl zum Mitgliede in das
deutsche, zu Frankfurt am Main tagende
Reichsparlament kund. Seine Wahl fand
ln Wien Statt. In, der Paulskirche saß
er im linken Centrum; er gehörte nicht*
zu den glanzenden Rednern, wohl aber zu
den weit« und scharfsehenden Denkern der
Versammlung, die ihn zu ihrem Secretär
wählte ^vergleiche dieS. 423 mitgetheilten
Worte, die er in das Parlamentsalbum
geschrieben^, jedoch entfaltete er in militä-
rischen und Marine-Gegenständen große
und tüchtige Sachkenntniß, und sprach
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Metastasio-Molitor, Band 18
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Metastasio-Molitor
- Band
- 18
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 522
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon