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Msenng 423 Moering
reichs das österreichische Element hoch-
schätzen und deßhalb lieben zu lehren,
indem die Regierung selbst die Leuchte
der Aufklarung und des Fortschritts
ergriff und sie vorantrug, was that und
thut sie da? Die engherzige zagende
Cabimtspolitik Oesterreichs ist es. welche
bereits die Böhmen zu öechen, die Un-
gärn zu Magyaren machte, sie wird
die Italiener zu Römern machen." —
„Die Regierung Oesterreichs hat für den
Panslavismus und ein freies Italien
mehr gethan, als ihre Feinde hoffen
durften." — „Der Kaiserstaat zahlt wohl
achtunddreißig Millionen Unterthanen,
aber nicht einen politischen Bürger,
nicht einen Menschen, der aus morali»
schen und historischen Gründen als
Oesterreicher stolz sein könnte." I n
solcher Weise folgen sich Wahrheiten um
Wahrheiten, in denen sich eine Voraus-
ficht kund gibt, welche leider durch die
folgenden Ereignisse bestätigt worden ist.
In ebenso geistvoller und richtiger Weise
beurtheiltM. in den sibyllinischenBüchern
die Armee, auf deren Vergeistigung er
leider vergebens dringt, und als wenn er
die vernichtenden Wirkungen des Zünd«
nadelgewehrs" vor 48 gesehen, schreibt
er: „Bei gleicher Manövrirfahigkeit der
großen europäischen Heere wird jenes
den Sieg erringen, daS — abgesehen
von der Kraft seines moralischen Muthes
— durch die größtmögliche Vervollkomm«
nung der Feuerwaffen sich in den Besitz
von Zerstörungsmitteln gesetzt hcit, die
ausgiebiger sind und weiter tragen, als
jene dcs Feindes". Die Wirkung, welche
dieses Werk hervorbrachte, läßt sich nicht
beschreiben. Vergeblich forschte man nach
dem Verfasser, erst nach den Märztagen
stellte es sich heraus, daß es der Ge-
nie-Hauptmcmn Karl Moer ing, der
Sohn eines Wiener Bandfabrikanten, sei. Als nach der Märzbewegung, nach»
dem sie von fremden Eindringlingen zum
Nachtheile Oesterreichs ausgebeutet wor-
den, das Interesse für die heiligen Güter
des Staates abgeschwächt worden, trat
doch die Frage, was zu thun, immer
wieder heran. Wir glauben, M. hat sie
am richtigsten beantwortet, nachdem er
schon im August 4847 eine Flugschrift
als offenes Sendschreiben an den Erz-
herzog Ludwig, als damalige höchste
entscheidende Instanz in der Monarchie,
gerichtet hatte, in welchem M. den kai<
! serlichen Prinzen beschwor, den Staat
durch einen Systemwechsel vor dem Un«
tergange zu retten. Da die „politischen
Miszellen" , in welchen Moering's
Flugschriften und publicistische Aufsätze
gesammelt erschienen sind, und die auch
dieses offene Schreiben, betitelt: „Nur
Eine Bi t te! An Seine kaiserliche
Hoheit den durchlauchtigsten Erzherzog
Ludwig von Oesterreich", enthalten,
aus oberwähnter Ursache sehr selten gc<
worden, so hat Ne schau er in seiner
„Geschichte der Wiener Revolution".
S. 82 u. f., einen Wiederabdruck dieses
interessanten Actenstückes der Zeit veran»
staltet. Noch ist hier einer kleinen Flug.
schrift Moering's: „Des <Oe5trrreicher3
richtiger Ztandplmrt", erschienen im Februar
1848, zu gedenken, weil darin M. mit
positiven Vorschlägen, wie Oesterreich
neu aufgebaut werden sollte, hervortritt.
Auch dieses Schriftchen, voll praktischer
politischer Wahrheiten, deren Verwirk»
lichnng eine Lebensbedingung Oester«
reichs bildete, ist unbeachtet geblieben;
heute, nach zwei Decennien, stellt es sich
herarls, daß, was damals der Verfasser
gewollt, und was von der die Initiative
ergreifenden Staatsgewalt den Völkern
Oesterreichs hätte verliehen werden sol«
len, sich diese selbst in herrischer unwir>
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Metastasio-Molitor, Band 18
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Metastasio-Molitor
- Band
- 18
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 522
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon