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Molitor 463 Molitor
Heimat zurückzukehren. Da ein Bruder
seines Vaters als Oberkriegscommiffär
in österreichischen Diensten ftanh. so gab
M. den Wünschen seiner Familie nach
und trat im Jahre 4798 als Beamter
bei dem kaiserlichen Kriegscommissariate
ein, trat aber später von demselben zum
Verpstegswesen über. I n seinem Dienste
tüchtig und zuverlässig, rückte er zur
Stelle eines Oberverpftegs«Verwalters
vor und blieb bis zum Jahre 1831 im
Staatsdienste, in welchem er sich in den
Ruhestand zurückzog und dann seiner
Lieblingsneigung, der Tonkunst, aus«
schließlich lebte. Es war ihm gegönnt,
noch 17 Jahre dieses otium opsroLUin
zu genießen. Mol i to r war nach drei
Richtungen hin für seine Kunst thätig,
als Musikhistoriker, als Quar.
tettspieler und als Componist.
Als Musikschriftsteller beschäftigte
er sich vorherrschend mit Forschungen
und Ansammlung von Materialien zu
einer Geschichte der Wiener Hofcapelle
und der früheren Hof'Oper. Er durch«
suchte zu diesem Zwecke die reichen
Sammlungen der Hofbibliothek und die
Archive der Hofämter. Er kam jedoch —
da er mit großer Gewissenhaftigkeit ar«
beitete — ungeachtet seines hohen Alters
von 82 Jahren, damit nicht zu Stande.
Mol i tor 's Materialien benutzte dann
nach dessen Tode der als Musikschrift«
steller ebenso gewissenhafte Dr. Leop. v.
Sonnleithner, der sie dann ergänzte,
erweiterte, bis auf die neueste Zeit fort«
führte und so ein umfangreiches Material
für eine künftige Geschichte der Oper in
Wien verbreitet hat. Neberdieß war Moli«
tor ein fleißiger Mitarbeiter der „Leipzi«
ger allgemeinen musikalischen Zeitung"
und hat in derselben Herrn F. I . Föt is,
den immerhin schätzenswerthen Bear«
beiter der „VioFra^ino iinivorLoils dss
o. Würz dach, biogr. Lexikon. XVIII. ^Gedr. sowohl in Unrichtigkeiten
bei Erzählung von Thatsachen, wie
in seinen Ansichten berichtigt, wobei
Fötis von der irrigen Anficht aus»
ging, daß dieser sein Gegner der be<
kannte Musikschriftsteller Hofrath Kiese-
wetter ^Bd. XI, S. 252^> sei, der sich
hinter dem Pseudonym Simon Moli«
tor verberge, wie dieß Sonnleithner
in dem in den Quellen genannten Auf»
fatze deS Naheren ausführt. Von den
größeren musikgefchichtlichen Arbeiten
Moli tor 's im genannten Blatte sind
anzuführen, im Jahre 1838: eine Ehren«
rettung deS kaiserlichen HofcompositeurS
Francesco Conti gegen eine von Mat«
theson verbreitete Anekdote, und im
Jahre 1839: Bemerkungen zur Lebens«
geschichte Gmanuel's, genannt der Baron
von Aftorga, welche beide Arbeiten,
wie sein Biograph es ausdrücklich be«
merkt, von Moli tor 's gründlicher For<
schung und Beurtheilung zeugen. — Was
Mol i to r den Quartettspieler be«
trifft, so liebte er eS, in seinem Hause
Quartett« Abende durch ausgezeichnete
Kräfte zu veranstalten. Man konnte
Böhm, Iansa und andere Meister der
Violine bei ihm hören, und auch unter
den Zuhörern fanden sich die Ausge»
wählten der Kunstfreunde, wie z. B. Aß«
mayer >M. I, S. 80). Gri l lparzer
sBd. V, S. 338). ' Kiesewetter
Md. XI, S. 232). Kuffner Ad. XIII ,
S. 336), Mosel ^ d. Bd. XIX) u. A.
Bei diesen Aufführungen wurden ebenso
die Werke der neueren Zeit. wie auch
ältere Quartette gespielt, die sonst nir«
gendS zu hören waren. Dabei besaß
Mol i tor eine ungemein reiche Samm-
lung von Trio'S, Quartuors und Quin«
tuors für Streichinstrumente, die er vor
Jahren anzulegen begonnen und immer
noch durch eigenhändig« Abschriften ver«
-. April l868.) 30
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Metastasio-Molitor, Band 18
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- Metastasio-Molitor
- Band
- 18
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1868
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 522
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon