Seite - 157 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - O'Donnel-Perényi, Band 21
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Pabst 157 Padst
kaum Genesenen wieder auf's Kranken»
lager geworfen. Ein gefährliches Nerven-
sieber hatte ihn so geschwächt, daß er
Monate lang hinsiechte, bis ihn die Be»
mühungen der barmherzigen Brüder in
Erlau retteten. Eben als ihn, den kaum
Genesenen, die Ueberzeugung quälte, daß
er mit seiner geschwächten Gesundheit
unvermögend sei, arztliche Dienste zu
leisten, berief ihn ein Schreiben aus dem
Moser'schen Hause in seine früheren
Verhältnisse zurück. Bald erhielt P. die
erbetene Entlassung und im Frühlinge
1810 trat er die Reise über die unga-
rischen Bergstädte an seine neue Bestim-
mung nach Wien an. Kaum hatte sich
P. in seine neuen Verhältnisse eingelebt,
als sich ein neues, ihn tief verstimmendes
Leiden einstellte, eine bösartige Gesichts-
stechte, die ungeachtet der sorgsamsten
Pflege und der Rathschläge und Mittel
der ersten Aerzte nicht zu bannen war
und dem Leidenden bereits das eine
Auge, das linke, geraubt hatte, bis auf
den Nath eines alten Gärtners ein Auf-
guß von Schafgarbe (HoniUka iniUe-
5o1wm) den Ausschlag vollends entfernte.
I n der Zeit seiner Krankheit, und zwar
im Jahre 1813. beginnt bei Papst jene
Richtung im Denken und in seinen
religiösen Anschauungen hervorzutreten,
welche sich nachmals so entschieden in
seinem Leben und in seinen Wissenschaft»
lichen Arbeiten kundgab. In seiner Kind«
heit war er zum geistlichen Stande be-
stimmt gewesen. Der Geist der Zeit, hier
noch durch die Liebe zur Naturwissen«
schaft unterstützt, hatte ihn in der Folge
diesem Berufe entfremdet und ihn statt
eines Arztes der, Seele einen Arzt des Lei-
bes werden lassen; nun erwachte wieder
die alte Neigung des Kindes mit vollem
Ernste, aber jetzt, wo nichts weiter seiner
Neigung im Wege stand und er mit dem Bewußtsein des gereiften, geprüften
Mannes die freie Wahl hatte, jetzt machte
ein canonisches Hinderniß, das fehlende
linke Auge, die Ausführung seines Ent»
schlusses unmöglich. Dieser Umstand be-
rührte ihn tief und erklärt die bei einem
Laien so auffallige klösterliche Strenge
und Ewgezogenheit, der er sich nunmehr
unterwarf. Er nahm nun niemals mehr
Theil an einer öffentlichen Lustbarkeit;
wie ein großer Freund der Kunst und
Poesie er war, er besuchte kein Scöau«
spielhaus mehr und lebte nur seinen
Studien über Religion und Philosophie,
welche beide in Einklang zu bringen sein
unablässiges Bemühen war. Durch einige
Aufsätze in den Wiener Jahrbüchern der
Literatur, die denselben Ausgangspunct
hatten, war Pabst auf Günther
sBd. VI, S. 1t>^ aufmerksam geworden;
ein gemeinschaftlicher Freund vermittelte
das Zusammentreffen beider Manner und
im Winter 1823/1824 lernten Beide
einander persönlich kennen. Im immer
innigeren Verkehre fühlten beide Man»
ner, welche die Einheit des Lebens«
grundeS, des Zweckes und der Methode,
die Reinheit der Triebfeder und die
Lauterkeit der Gesinnung verband, daß
es die Aufgabe der Wissenschaft sei, die
Resultate derselben mit jener des Glau«
bens in vollen Ginklang zu bringen, daß
unsere Zeit nur auf diesem Wege zu der
alten Achtung und Anerkennung der
Auctoritat im socialen und kirchlichen
Leben zurückgeführt werden könne; eine
Ansicht, welche sich trotz aller Schonen«
h a uer'scben und H a rtm ann'schen
Extravaganzen nicht überlebt hat und
nicht überleben wird. ObwohlGünther
die tiefere Einsicht in das letzte Ziel, die
gründlichere Kenntniß des Standpunctes
und der Richtungen der Zeit und die
langjährige Uebung in der Speculation
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon