Seite - 158 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - O'Donnel-Perényi, Band 21
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Padft 138 Pabst
vor Pabst voraus hatte, so hinderte
ihn das nicht, gemeinschaftlich mit dem
neugewonnenen Freunde auf dem ihm so
vertrauten Gebiete zu arbeiten. Wie ein
Biograph Papst's dieses Verhältniß
beider Philosophen zu einander schildert,
bildete sich zwischen ihnen eine gewisse
Wechselseitigkeit der Anregung und For-
schung. das Erzeugniß des Einen wurde
Stoff der Bearbeitung des Anderen, die
letzten Ergebnisse scheinen gemeinsam
gefunden und dargestellt. Wenn man
Günther zwar stets den genialeren
Griff, die höhere Produktivität zuerken-
nen mußte, so schien doch P. die gewand-
tere Form, die Kunst der mannigfacheren
Anwendung zu besitzen' wenn der Schatz
der dogmatischen und literarhistorischen
KenntnisseGü nther's dieAnknüpfungs«
und Ausgangspuncte der Bestrebung
feststellte, wußte wieder Pabst die Ent-
deckung der neueren Naturwiffcnschaft
vielfach zur Begründung und Erweite-
rung der Ansicht zu benutzen' wenn man
endlich jenen mit dem Bergmann ver»
gleichen mochte, der das Erz aus dem
Schachte zu Tage fördert, so war Pabst
der Hutmann, der aus diesem Erze das
nutzbare Metall zu entwickeln verstand.
Von nun an war auch dem ganzen Leben
P.'s die bestimmte Richtung gegeben.
Werke wurden geschrieben, Studien ge-
macht, die Zeitereignisse, in deren Lauf,
Motiv und Tendenz der speculative
Standpunct eine tiefere Einsicht erlaubte,
gewannen an Interesse, und abgesehen von
einer emsigen und lohnenden literarischen
Thätigkeit, gewann auch sein äußeres
Leben eine heitere Gestaltung. Besuche,
Spaziergange mit Günther, Vei th,
das Hinzutreten einiger anderen jüngeren
Freunde und Genossen, ein anziehender
Wechsel gegenseitiger Anregung. Auf.
munterung, Berathung und Führung, Alles fügte sich günstig, um Papst, der
sich als einen der lebendigsten Mittel,
puncte dieser Verhältnisse betrachten
durfte, einige Jahre fröhlicher und söl>
dernder Wirksamkeit zu sichern. Einige
kleinere Reisen auf die Güter des Frei»
Herrn von Moser. zu einem Freunde
nach Steiermark, in Gemeinschaft mit
Günther nach Salzburg, gewahrten
heilsame Zerstreuung und Erholung. Da
befiel ihn im Jahre 1833 ein Nieren«
leiden, von dem er sich zwar nach einiger
Zeit erholte, das jedoch die Keime seiner
tödtlicken Krankheit geweckt haben dürfte.
Eine im Sommer 4837 unternommene
neue Reise nach Salzburg hatte seinen
Zustand nichts gebessert. Geschickte Aerzte
und Freunde wirkten zusammen, um sein
Leiden zu lindern und zu heben. Man '
brachte ihn auf's 3and, nach Döbling
nächst Wien. wo er sogar so viel Kraft
gewann, daß er das Bett, ja das Zimmer
verlassen konnte, aber das war nur vorüber«
gehend, bald nahm die Schwäche merklich
zu, endlich lag er in einem Zustande gäuz.
licher Betäubung und am 28. Juli 1838
entschlief er, wie es schien, schmerzlos, im
Alter von erst 83 Jahren. P. liegt auf
dem Döblinger Friedhofe bestattet, wo
ein einfaches Denkmal, von Freundes-
Hand gesetzt, seine Ruhestätte bezeichnet.
Was seine schriftstellerische Thätigkeit be-
triffc, so beschränkt sie sich auf einige
Aufsatze in Zeitschriften und auf etliche
Werke. Noch wahrend seines Aufenthal-
tes auf dem Gymnasium wurde sein
Aufsatz: „Ueber den Nutzen des Acker-
baues" in den dortigen Provinzialblät-
tern abgedruckt. I n den Jahren 4809
bis 18t4 schrieb er für die iu Wien
erscheinenden, von Sar to r i redigirten
„Vaterländischen Blätter" mehrere Re>
censionen. in der Wiener Zeitschrift „Der
Jugendfreund", Jahrgang 2, Heft 1—3,
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon