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PalackF
Areale nach das stärkste geworden wäre,
dann die Grundzüge einer Verfassung,
die er für diesen Föderativstaat entwarf,
waren für mehrere Jahre die letzte osten«
sible politische That des öechischen Reichs-
historiographen. Im Uebrigen lebte P.
seinen wissenschaftlichen Arbeiten, die —
seine politischen Ansichten bei Seite ge-
setzt — seinen Ruhm und Ruf als Ge-
lehrter nur mehren halfen, wenngleich
auch bei denselben hin und wieder eine
Ader Politik unterstoß, wie z. B. bei dem
wieder erwachten Streite um die Echt«
heit der „Böhmischen Handschriften",
welcher bald einen politischen Charakter
annahm und in welchem er nach langer
Zeit wieder in einer auf das Gebiet der
Nationalitätsangelegenheiten hinüberge«
spielten Frage zuerst in der „Bohemia"
und dann in der Sybel'schen Zeitschrift
in nationalfanatischer Weise das Wort
ergriff. In den „Näroäns 1i5t)'«, die
langst als sein Leiborgan galten, ver-
öffentlichte er später einige Aufsatze über
daS Verhältniß Böhmens zu Mahren,
und erklärte Mähren für ein Land aus»
schließlich slavischen Charakters, seit wel«
cher Zeit eS auch im genannten Blatte
unter Rubrik: „Böhmische Krone" sigu»
rirt. Die Polenrevolution im Jahre
4863 gab P. von Neuem Veranlassung
zu einer Meinungsäußerung, die bald
weiter colportirt wurde und dem Gelehr«
ten den Vorwurf des GesinnungSwech-
sels einbrachte. Als der Polenaufstand
ausbrach und sich Sympathien dafür
auch in Böhmen zeigten, meinte nämlich
Palack^, „daß diese Kundgebung von
Sympathien für die Polen den öechen
in Petersburg sehr schaden. Er sehe das
Heil des Slaventhums nur im russischen
Czar. Er glaube nicht, daß die Polen
im gegenwärtigen Kampfe siegen wüi>
den, geschähe es aber doch, so würde dieß unser (Böhmens) größtes Unglück
sein. Was die ihm vorgehaltene Aende«
rung seiner Gesinnung betraf, so meinte
P., „daß er im Frühjahre 1848, als er
sein bekanntes (oben erwähntes) Schrei»
ben nach Frankfurt gerichtet, sich noch
dem Vertrauen auf die gegenseitige end»
liche Gerechtigkeit der befreiten Völker
hingegeben habe; nach den seither ge>
wonnenen Erfahrungen wäre ein solches
weiteres Vertrauen gefährliche Selbst-
täuschung. Früher kann man noch
erwarten, daß auch die russische Regie»
rung in nicht langer Zeit dem Einflüsse
slavischer und daher freisinniger Grund-
satze unterliegen wird. Viel wurde sein
Name genannt, als er anläßlich der Feier
des tausendjährigen Bestandes Rußlands
mit noch anderen Gesinnungsgenossen seine
Wallfahrt nach Moskau unternahm. I n
neuester Zeit erst wurde der Gelehrte
gezwungen, gegen Anschuldigungen auf»
zutreten, die im Hause der Abgeordneten
von dem Grafen Dürckheim gegen
ihn, doch ohne ihn zu nennen, gerichtet
waren, in denen er aber als ein „Ver-
führer dcs böhmischen Volkes" und als
„öffentlicher Landesverräther" bezeichnet
wurde, da er alä ein hervorragender
Führer der öechischen Nation seinen Ein»
stuß, den er zu Friedenszwecken verwen-
den könnte, nicht thatsächlich zur Gel»
tung bringe, um den so wünfchens-
werthen Ausgleich baldigst herbeizufüh-
ren. An Ehren hat es dem Gelehrten
und Parteiführer nicht gefehlt. Die
Sympathien seiner Partei sprachen sich
in den vielen hundert und hundert, von
Stadt- und Landgemeinden ihm in den
Landen der St. Wmzelskrone im Jahre
1861 verliehenen Ehrenbürger» und Ge-
meindegliedschaftSrechten aus , welche
demonstrativen Huldigungen damals
längere Zeit Gegenstand öffentlicher Be»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon