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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - O'Donnel-Perényi, Band 21
Seite - 192 -
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Seite - 192 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - O'Donnel-Perényi, Band 21

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Palackj 192 Ernst Keil) l868, S. 28s, richtete gleichsam als berechtigter Sprecher des Deutschthums folgende Apostrophe an den öechischen Partei« mann: „Herr Palacky gehört einer Nation an, die von jeher bei ihren Nachbarn übel berüchtigt war. nämlich der «echischen schier ist das „öechisch" in absichtlicher Unterscheidung von „böhmisch", worunter die deutsche Bevölke» rung Böhmens gemeint ist. angewendet). Man weiß. wie dieses Volk gern Mein und Drin verwechselt, man kennt seine schmachvollen Iudenhetzen aus der allerjüngsten Zeit, seine Schwärmerei für den Feudaladel, seine Vor« liebe für daS Concoroat und seine Opposition gegen das liberale Ministerium. Ist so das Volk beschaffen, dann darf man sich nicht wundern, wenn seine Gelehrten in ähnlicher Weise vorgehen und gegen die Teutschen die gröbsten Schmähungen ansstoßen. Dieß that in einer historischen Streitschrift gegen Pro» fessor Höfler kürzlich der genannte Pa» lacky. Nach ihm gibt es zwei Völkerarup« pen: Räubervölker und „friedliche erwerb fleißige". Zu den ersteren gehören die Deutschen, Mongolen, Türken. Hunnen, zu den letzteren vorzugsweise die Slaven. Bei uns floß das Recht aus der Quelle der rohen Gewalt, bei allen Slaven aber aus dem vereinbarten Willen der Gesammtheit. Das allgemeine Merkmal der ursprünlich !la< vischen Zustände ist die Freiheit, das der Deut» schen die Herrschaft und Knechtschaft; ja dieser Historiograph beweist uns sogar, daß vom Standpunkte dcr Staatenbildung die Nömer und die Deutschen tief unter den Nuffen, ja selbst unter den Mongolen stehen! Daß die Deutschen, welche den Slaven Städtewesen und Bürgerthum brachten, welche in Böhmen die Eisenbahnen bauten, Handel und Industrie begründeten, Anspruch auf Dankbarkeit der Slaven haben, leugnet der genannte Gelehrte, der auch die Erfindung machte, daß die Leib» eigenschaft von den Deutschen bei den Slaven eingeführt wurde. Es möge dieß genug sein, um die Phantasie des „größten slavischen Ge. lehrten" zu charakteristren." Nach dieser Apo« strophe richtet nun die „Gartenlaube" an das gemüthliche, gegen seine Feinde nur allzu gerechte Volk der Deutschen und an die Stadt und Universität Jena die Anfrage, ob rs nicht Ehrensache der Stadt und Universität Jena wäre, die Tafel von dem Hause, in welchem Palacky einst gewohnt, zu entfernen. Zur Zierde könne sie der freundlichen Musenstadt sicher nicht gereichen, und jeder Deutsche, der dort den Namen des haßerfüllten öechen liest, wird sich mit Ekel von dem Hause ab< wenden müssen, in welchem ein Verun» glimpfer unseres Volkes wohnte? Unter den einzelnen Stimmen, welche gegen Pa» lacke's Vorgang Proteste erhoben, zeich- net stch jene des Kaufmanns Albin Gerth durch energischen Ausdruck vor anderen aus, wie aus dem „Neuen Fremden«Blatt" 1868, Nr. l26. ersichtlich ist. — Palackj's Pro- gramm und Grundzüge einer Verfassung für den Füderativstaat Oesterreich vom 23. Na- vemver 1849. Dieses merkwürdige, in Deutsch» land „das Kriegsm anifest Pa lacke's gegen den österreichischen Einheits- staat" genannte Programm stand in dem von Havl iöek, demjenigen Manne, der „lieber die russische Knute, als die deutsche Freiheit" wollte, redigirten Blatte „^äroäns Kovin?". NaH Palack^'s Programm zer< siele Oesterreich im öechischen Interesse in einen Föderativstaat von sieben Gruppen. Das deutsche Reich umfaßt Tirol, die Erz. herzogthümer Oesterreich, den Norden derSteier» mark, den Norden und Nordosten von Böh» men, Schlesien und ein Stück Mähren^ Das zweite, das äech isch-sla vische Neich. besteht aus dem südlichen Böhmen Mähren und der Slovakei in Ungarn. Das dritte Reich sollen diepolnisch-ruthenischen Gebiete bilden, mit Hinzufügung jener ungarischen Comitate. die eine überwiegende ruthenische Bevölkerung haben. Dem italienischen Reiche weist Palacky die Lombardei und Venedig zu. Das fünfte Reich würde das rein magya« rische Ungarn sein; das sechste wäre das rumänische, das aus Siebenbürgen, der Bukowina, einem Theile des Banats, der Marmaros und Stücken der angrenzenden Comitate bestände. Endlich das siebente und letzte Reich wäre das süd slavische, die Wojwodina, wie die Slaven sie verstehen, die drei Königreiche (Croatien. Dalmatien, Sla< vonien). Slouenien bis hinauf nach Klagen» fürt und die slavischen Gebietstheile der Steiermark umfassend. Einen allgemeinen Reichstag will Palack^ nicht, denn dieser Reichstag müßte in Wien zusammentreten und in deutscher Sprache verhandeln, was ein unerhörter Greuel wäre. Die auswärtigen Angelegenheiten. der Kricg, die Finanzen und der Handel, würden besonderen absoluten Mi< nistern überantwortet, hingegen die Ministe, rien des Innern, der Justiz und des Unter» richts als allgemein für die Monarchie auf»
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich O'Donnel-Perényi, Band 21
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
O'Donnel-Perényi
Band
21
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1870
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
542
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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