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PalackF 493
gelöst und durch Iocal- und Nationalminist«
ersetzt werden. Die einzelnen Zandestheile er»
halten dann die Nationalvertretung, die für
den Gesammtstaat unthunlich ist, weil er sich
als einen Complex von Nationalitäten dar»
stellt. Wenn diese Forderungen der Slaven
der Staat nicht erfüllte, so könnte derselbe
von neuen Revolutionen heimgesucht werden.
Nebrigens sei jede von dem Staate einge«
gangene Verbindlichkeit, sobald sie gegen die
Nationalität verstoße, null und nichtig, „denn
ein unmoralisches Versprechen ist nach gört»
lichem und menschlichem Rechte nicht bindend".
Das Vlatt ^" wurde in Folge
der Polemik, die sich-über dieses Programm
entspann, uon der Militärbehörde verboten.
Ja es soll nahe daran gewesen sein, daß
Palack? in Folge dessen vor ein Kriegs»
gericht am Hradschin gestellt worden wäre;
auch soll ihm später noch die Internirung
gedroht haben und diese Maßregel nur durch
den plötzlichen Tod des Ministers Schwär-
zender« hintangehalten worden sein.
Palack?, Johann (Schriftsteller,
geb. zu Prag 10. October 1830). Ein
Sohn des Geschichtsforschers FranzP.
^s. d. Vorigen^, beendete die philosophi»
schen und Rechtsstudien an der Prager
Hochschule und erlangte im Jahre 1830
das Doctorat der Philosophie, im Jahre
1834 jenes der Rechte. Bald darauf ha«
bilitirte er sich an der Prager Universität
als Docent der vergleichenden Erdkunde.
Er hat viele Reisen gemacht, so nach
Ungarn, Dalmatien und Polen, dreimal
nach Italien, dann nach Frankreich,
England, Schottland und Norwegen;
den Winter des Jahres 1848 verlebte
er in Nizza, das Jahr 1832 in Paris,
das Jahr 1839 in München. Im Jahre
1860 erbte er von seiner Mutter das
Gut Lobkowic. Im Jahre 1861 wählte
ihn der landwirthschaftliche Verein des
Bezirks Brandeis zu seinem Secretär, im
Jahre 1862 jener von Prag und im
Jahre 1863 der Kreisverein von Bran«
deis zum Präsidenten. Minder glücklich
waren seine Erfolge an der Prager Hoch.
v. Wurzdach, biogr. Lexikon. XXI. schule, an welcher er im Jahre 1862
nicht mehr zu den Versammlungen des
philosophischen Kollegiums berufen, ja
von denselben förmlich ausgeschlossen
wurde, welche Verfügung zur Kenntniß
und Bestätigung dem Staatsministerium
vorgelegt wurde. Die Ursache dieses erem»
plarischen Vorganges war die Thatsache,
daß P. die Beschlüsse des Collegiums,
die als Amtsgeheimniß betrachtet werden,
in böhmischen Blättern veröffentlicht und
in tendenziöser Weise angegriffen hat.
I n gewissen Kreisen wurde colportirt, er
habe absichtlich die Veröffentlichung ver»
anlaßt, um mit Eclat und als nationaler
Märtyrer von der Universität zu scheiden.
Wie immer auch die Sache sich verhalten
möge, die unberechtigte Verletzung eines
Amtsgeheimnisses wird durch ein Mar«
tyrthum. welcher Art dasselbe sein möge,
noch immer nicht legalisirt. P. schrieb an-
fänglich für viele Journale in Böhmen
und fast für alle oechischen Blatter; bevor
jedoch diese in's Leben getreten waren,
vornehmlich für den „Tagesboten", die
„Morgenpost" und die„Politik", aber auch
politische und wissenschaftliche Zeitschriften
des Auslandes versorgte er oft mit seinen
Mittheilungen. Einige Zeit hindurch war
er Hauptmitarbeiter des öechischen Par«
teiblattes „ko-or". Selbstständig her-
ausgegeben hat er: „PMik der Zukunft
in GeZterreich" (Berlin 1889, 8o.), ano«
nym, in Folge welches Libells er der
altconservativen Partei zugezählt wurde;
— yNiihViLlhe Skizzen. 3260. Mit eineul
" (Leitomischl 1860, 8o.), diese
Schrift bildete lange die Zielscheibe hef-
tiger Angriffe gegen den ungenannten
Verfasser, der, als seine MaSke gelüftet
worden, ironisch mit dem Titel: „Das
Landeskind" . bezeichnet wurde; —
d. i. Allgemeine wissenschaftliche
dr. 10. Oct. 1869.) "
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon