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Die Erklärung machte eine zweifache
Wirkung. Pal^r ik 's Anhänger nann<
ten ihn einen Verräther und Heuchler,
er selbst aber gerieth im Gefängniß, als
er zur Kenntniß dieses nichtswürdigen
Verfahrens gelangt war, in solche Auf«
regung. daß der Hausarzt des Primas
zu Hilfe gerufen werden mußte. Endlich
wurde er feiner Haft entlassen und er
kehrte als Caplan nach Stavnice zurück,
jedock wurde ihm noch unter Androhung
der'Ercommunication aufgetragen, über
höheren Orts unliebsame Gegenstände
als über Regulirung der Kirchengüter,
über die Union der christlichen Bekennt-
niffe u. dgl. m. nicht zu schreiben. So
waren für den Moment die kirchlichen
Wirren in Ungarn beigelegt. P. setzte
die Redaction des „Cyrill und Method"
fort und gab überdieß die pädagogische
Beilage: „I^ist pro vvokovn, s^oiu a
litsraturu") d. i. Blatt für Erziehung,
Schule und Literatur heraus. Da er
aber in beiden Blättern, wenngleich im
gemäßigten, aber doch in rein nationa«
lem Sinne fortschrieb, wurde alsbald
seine Entfernung beschlossen und er am
6. Juni 183t auf die deutsche und über«
dieß sehr beschwerliche Station nach
Pesch übersetzt, wo er bis Anfang De«
cember 4862 als Caplan und Katechet
in Thätigkeit war. Vor seinem Abgänge
von Stavnice wendete er sich an den
Bischof von Bystricz. Stephan Moyses
^Bd. XIX, S. 167^. mit der Bitte, sich
als Mäcen der Slaven in Ungarn des
Kircheublattes „Cyrill und Method"
ferner anzunehmen. ^Ueber die weiteren
Schicksale und Wandlungen dieses Blat-
tes vergleiche FranzDoucha's 6echisches
Bücherlexikon: „Uni^o^iZnv Ziovnilv
öeZko 8I0V623K7") S. 2t. Artikel „O)'-
rill a ^letkoä«.^ Im Jahre 5862 er-
hielt P. durch Helena Gräsin Eßter« HHzy, geborne Russin B ezob razoff,
eine Pfarre zu Majlechov, einem slavi»
schen Dorfe in der Tyrnauer Gespan-
schaft, auf welchem Posten er sich zur
Stunde noch befindet. Noch ift über P.'s
literarische Wirksamkeit Einiges zu be>
merken. Bald nach seiner Ueberfetzung
nach Pesth begründete er ein neues
Kirchenblatt: „AZ.to1iok6 ^ovin^ pr^
äora i oickev", welches der St. Ste<
phaN'Verein herausgab und P. bis zuw.
Jahre 4836 redigirte. Da es ihm nicht
gerathen schien, in demselben die kirch«
lichen Kampfe zu erneuern oder vielmehr,
dader ausschließlich magyarischeInterefsen
verfolgende St. Stepk>an>Verein dafür
sorgte, daß es nicht geschah, führte er
einen minder gefährlichen und zwar einen
ABC-Krieg über die Schreibweise des
Slovakischen gegenüber den Forderun-
gen der öechischen Grammatiker; bethei«
ligte sich sehr thätig an der im Jahre
1832 in Preßburg stattgehabten privaten
Versammlung slavischer Philologen, in
welcher die slovakische Schreibweise nach
der Grammatik Hattala's angenom»
men und zu diesem Zwecke die Regeln
einer kurzen slovakischen Sprachlehre fest«
gesetzt wurden. Noch gab er aus Anlaß
dieser sprachlichen Kämpfe die Schrift
heraus: „
") d. i. Stimmen der Wahrheit
gegenüber der Stimme der nunmehrigen
Redaction des Cyrill und Method in
Angelegenheiten der slovakischen Schreib«
weife (Pefth 1832, 8".). Auch wurde P.
in den Ausschuß zur Errichtung eines
Denkmals für Johann Hol ly I M . IX,
S. 230^ gewählt, wofür er früher schon
im „Cyrill und Method" Beiträge gesam-
melt, wie er überhaupt für die Realisi«
rung dieser Denkmalangelegenheit sehr
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon