Seite - 206 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - O'Donnel-Perényi, Band 21
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eine weit geringere Zahl, als Ri t ters verß
angibt, grfunden, ja dieselbe reicht nach sorg»
fälligen Forschungen und Vergleichungen nicht
über zehn hinaus, welche auf der Stammtafel
mit dem Zeichen gekreuzter Säbel lX) ange,
deutet sind. Aber trotzdem hat die Familie
Pl i l f fy eine große, ja eine bei weitem grö«
ßere Anzahl berühmter Helden aufzuweisen,
als irgend ein anderes ungarisches Adels»
geschlecht. Die Namen eines Andreas,
Franz (I.). Franz (II.), Johann (II.).
Johann (IV.), Johann (V.). I o.
dann (VI.), Kar l (I.). Kar l (II.), Leo«
.pold (I.), Leopold (II.). Mor iz . Ni-
kolaus (II.). Nikolaus (VI.). Niko«
laus (VII.), Nikolaus Joseph, Paul
Karl(I I I .) , Ph i l ipp Nerius, Nudolph,
Stephan (II.). vieler Anderer nicht Zu ge-
denken, sprechcn deutlich für diese Thatsache.
Trotzdem ist es bemerkenswerth, daß diese
Heldenfamilie auch nicht einen Ritter des
Maria Theresien>Ordens aufzuweisen hat. —
Glänzend ist auch der Name dieses Geschlech«
tes unter den Rathgebern der Krone ver-
treten, von denen hier außer den drei Pala<
tinen Pau l (IV.). Nikolaus (VI.) und
Johann (IV.) noch Graf A lo is , Fürst
Anton Kar l , Nikolaus (VIII.) und
Bischof Thomas (II.) gedacht seien. Am
schwächsten ist die Zahl jener Päl f fy . die
im Dienste der Kirche gewirkt, und sind
außer dem Propste, Niko laus (III.) nur die
zivei Bischöfe Ferdinand und der vor»
erwähnte Thomas anzuführen. — Die ehe-
Uchcn Verbindungen des Hauses Pälf fy be<
schränken sich nicht bloß auf die ersten Fami«
lien der eigenen Heimat, wie I l l vshäzy,
Dessewffy, Drugeth von Homonay,
Czobor, Draskovich, Eßterhäzy,
Hunyady, Eroödy. Csäky, Nädasdy,
K ä r o l y i u. A.., sondern greifen in die
ersten und mächtigsten Familien des deutschen,
böhmischen, tirolischen und polnischen Adels
hinein, wie einen Beweis dafür die Namen
geben: Auersperg, Cobenzl, Harrach,
Fugger, Wald stein. Mol la r t , siech«
tenstein, Rindsmaul , Thurn«Val '
sassina, Kaun itz, Schafgotsche, Wenck>
heim, Colloredo, Khuen de Beläsy,
Ko lowra t , S tubenberg , Roggen»
dorff. Weichs, Lobkowitz. Kinsky.
Schlik, Wilczek. Fredro. Iablonott»
sky. und selbst der fremdländische Adel ist
würdig vertreten, wie es die Namen Canale
de Ma laba i la , Amads. De Ligne. Ogi lvy. Natu i t deSouches, 3lossi
V i l l a n i , Dona t iu . A. bestätigen. Unter
den Frauen der Pä l f fy gibt cS hochsinnige
edle Gestalten, deren Namen in der Geschichte
lebt, es seien hier nur genannt: Katha«
r ina, die Gattin des berühmten Palatins
Stephan I l l ssbäzy ; Mar ia Magda»
lena, aus dem edlen Hause der Fugger,
die Gemalin des Helden Nikolaus (II.),-
Sophie, eine Tochter der Letztgenannten
und Gattin des Grafen Mar im i l i an
Trautmannsdor f , dem Deutschland den
westvhälischen Frieden verdankt, und eine
zweite Tochter Kathar ina, Gattin des
Palatins Sig ismund Grafen Forgäcs;
Mar ia Franz: ska, geb. Gräsin Khuen.
Beläsy. Gattin des Palatinö Paul (IV.),
welche den Orden der frommen Schulen in
Ungarn eingeführt. — Daß eine so alte, an
historischen Erinnerungen so reiche Familie
genug Stoff zu poetischer VerHerr'
l ichung bieten mag, begreift sich leicht, und
mit Uebergehung dessen, was die ungarische
Dichtung aus d»r thatenreichen Geschichte
dieses Geschlechtes poetisch verwerthet hat, sei
hier nur einiger deutschen Arbeiten gedacht.
Die Geschickte des Duells des Grafen und
Palatins Johann (IV.) mit dem Prinzen
Johann Friedrich von Würt temberg
wurde in Theodor Hell 's „Dresdener Abend»
zeitung" (1840, Nr. 286 u. f.) novellistisch be-
handelt, und fast scheinen die Motive dieses
Zweikampfes in der novellistischen Darstellung
richtiger dargelegt zu sein. als sie in I o»
h ann's Biographien gewöhnlich zu lesen sind;
die Geschicke einer anderen Päl f fy , der
Gattin des Croaten Obersten Andreas P..
Helene, bilden auch den Stoff einer län»
germ, im „Karlsbader Wochenblatt" abge»
druckten Novelle. Die Geschichte der Ein»
nähme von Naab durch Nikolaus (II.)
Pälf fy und des ihm von den Ständen Nie»
derösterreichs dargebrachten goldenen Bechers
hat ein wenig gewürdigter österreichischer Poet.
C. A. Schrö ckinger, poetisch behandelt;
ebenso ein anderer Dichter den Säbel, den
Palatin Johann (IV.) Graf Pä l f f y
schwang, als die ungarischen Magnaten die
von den Fürsten Europa's treulos verrathene
und schwer bedrängte Tochter KaiserKarl's VI. ,
Mar ia Theresia, in ihren heiligen Rech«
ten zu schützen gelobten. Diesen Säbel feierte
poetisch Benedict Freiherr von Pichler und
sind beide Gedichte in der „Oesterreichischen
Adelshalle. Sammlung historischer Dichtungen"
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon