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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - O'Donnel-Perényi, Band 21
Seite - 268 -
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Seite - 268 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - O'Donnel-Perényi, Band 21

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annasch 268 Pannasch mißfällig über eineS seiner Bühnenstücke aus- gesprochen, eine Herausforderung zugesendet habe. Man thut ihm Unrecht. Pannasch ist allerdings leicht aufbrausender Natur, aber der Grundzug seines Gemüthes ist versöhn» lich und wohlwollend, nur daß ein Tropfen von Schwenuuth, der durch dieses sonst frische und gesunde Blut rinnt, ihn zeitweise zu Argwohn und Mißtrauen hinneigen macht. Solche Kritiken, die den Stempel der Miß- gunst an der Stirne tragen, bringen ihn leicht in Harnisch, dagegen nimmt er begründeten Tadel nicht bloß ruhig hin, sondern beherzigt ihn auch praktisch und unterzieht sich fügsam dem Rathe von Personen, auf deren Urtheil er etwas gibt. Wie in allem anderen, ist es ihm auch hier nur um Wahrheit zu thun. Er ist ein Mann im vollen Sinne des Wortes. Als Bühnendichter erfreut er sich eines geach« trten Namens. Sein „Alboin". sein „Marimi, lian in Flandern", seine „Clemence Isaure" haben auf dem Burgtheater ziemlich zahlreiche Vorstellungen erlebt; in seiner „Christnacht" hat er die Aufgabe schauerlich rührender Aus« malung im Kleinen gelöst. Sein „Czerny Georg" hat vielleicht deßhalb weniger durch« gegriffen, weil er den Thaten seines Helden Motive unterlegt, die zwar geschichtlich treuer, aber dramatisch weniger imponirend find, als sie nachmals durch die Sage und durch poli« tische Tendenzen sich gestaltet haben. Sein „Erbgraf" wird zu verwickelt in der Anlage gefunden. In späterer Zeit entringt er sich theilwrise der scharfen Eigenthümlichkeit, in welcher die Mangel, aber auch die Vorzüge seiner Stücke wurzeln. Sind anfangs ftine Dichtungen schwül wie seine Seele und kraft« voll wie sein Wesen, so verlegt er sich zulrtzt zu sehr auf psychologisches Erperimentiren, wobei die bisherige theatralische Farbenfrische und Fülle seiner Gestalten verschwindet, wenn auch vielleicht ihr dramatischer Gehalt sich einigermaßen steigert. Sein Julius in der Tragödie: „Irrgänge des Lebens" stellt sich, von moralischen wie von konventionellen Principien losgerissen, im Zustande geistiger Anarchie dar. und in dem Arzte streiten Fata, lismus und Theosophie in befremdender Weise um die Herrschaft Es müssen Mihklänge tiefer und schmerzlicher Art genasen sein, die nach und nach eine Oberhand über diesen kräftigen Geist gewannen, aber wie die Reinheit seines Charakters auch unter diesen beirrenden Cin> siüssen niemals einen Allgenblick sich verlcula« nete. hat sich auch sein Andenken rein erhalten und seinen Freunden bleibt Pan nasch im- merdar ein Gegenstand der 3iebe und Ver« ehrung." — Ludwig August Frankl aber charakteristrt Pannasch folgendermaßen: „Das Portrat dieses Mannes, von Ed. Kai> ser lithographirt, liegt vor mir.- die Züge sind treu wiedergegeben, das lebendige klare Auge steht mit dem grauen Haare im Widersprüche, es wurde vielleicht im Kampfe mit dem Leben früher gebleicht, als es die unerbittlichen Jahre gemußt hätten Die Züge des mehr fein als groß geformten Kopfes sind scharf gezeichnet, man kann in ihnen lesen uon in Einsamkeit durchwachten Nächten, von Sorgen, wie sie eine Männerseele durchquälen, die für Recht und Freiheit glüht und diese Gluth uon früher Jugend an verborgen in sich tragen muß. Die Stirne ist felsig und trotzig gewölbt, um den Mund spielt es wie Verachtung, und doch ist drr Strahl der Heiterkeit nicht ganz erloschen, er kann über diese Züge leuchten, es ist die Jugend, die jeder Dichter sich erhält und die noch spät erhellen und verklären kann. Wenn wir das Antlitz des Mannes so anschauen, so denken wir mehr an den Dichter, als an den Obercommandanten der Nationalgarde, und der Leser wird die Schilderung begreif» lich finden. Pannasch ist ein Mann, der als Knabe schon den Funken der Freiheitslust in sich trug, der zum innerlich fressenden Brande werden mußte, weil es ihm nicht gegönnt war. in frischer frrier Berührung mit der Luft zur Flamme emporzuschlagen. Er ist kcmer von den Märzhelden, er hat auf Schlacht< feldern Muth und Entschlossenheit bewiesen, seine Freunde kennen und ehren seit Jahren den unbeugsamen Sinn für Gerechtigkeit und Wahrheit, die vielleicht nur zu ängstliche, fast mißtrauische Bewachung der persönlichen Ehre und des Charaktere. Dieses Gußeiserne seines Wesens trug sich auch in seine dramatischen Schöpfungen über. Sein „Alboin" ist ein Stück vom Dichter selbst, und der Ritter Naul in dem dramatisch nicht wirksamen „Clemence Isaure" ist er vielleicht ganz und gar. Diese männliche Kraft, diese starre Tu» gend des Charakters des Dichters ist wohl schuld daran, daß die weiblichen Charaktere ihm weniger gelingen." IV. Porträte. 1) Facsimile des Namenszuges Panna sch. v. Saar xinx., Fr. Stob e r'i>c. — 2) In der Uniform als Obercommandant der Wiener Nationalgarde im Jahre ls48 (Wien. UthoZr. von Ed. Kaiser. Halb^Fol.). Unter dem Bilde (Kniestück) steht facsimilirt:
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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich O'Donnel-Perényi, Band 21
Titel
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Untertitel
O'Donnel-Perényi
Band
21
Autor
Constant von Wurzbach
Verlag
Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
Ort
Wien
Datum
1870
Sprache
deutsch
Lizenz
PD
Abmessungen
13.41 x 21.45 cm
Seiten
542
Schlagwörter
Biographien, Lebensskizzen
Kategorien
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