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Panzl. 274
erlernte er die Drechslerei und erhielt mit
dem kargen Lohn. den er für seine Arbeit
bekam, seine Familie auf das Nothdürf-
tigste. Im Jahre 4811 wagte er es end«
lich. nach Matrei zurückzukehren, wo es
ihm auch gelang. sich die Amnestie zu
„ettanzen". Seine Geschicklichkeit im
Tanze hatte nämlich die Aufmerksamkeit
deS im Ganzen wohlwollenden Generals
Bertrand erregt, der ihn. nachdem er
seine Geschicke erfahren, begnadigte. P.
lebte nun bis 1813 daheim; im Septem»
ber g. I . rief Erzherzog Johann die
Tiroler wieder zu den Waffen und
am 21. September stand P. schon an der
Spitze seiner Matreier Schützen, die dem
General Feuner zugetheilt waren. Er
zeichnete sich nun am 28. bei Brunecken
durch geschickte Führung der im Rückzüge
begriffenen Nachhut, am 3. October bei
Percha, wo er den Feind bis zur Müh>l»
bacher Klause zurückwarf, und am
4. October durch Erstürmung der Klause
aus, worauf er bis Brixen vorrückte.
Noch drang er bis zum 6. November an
die italienische Grenze bei Ala vor, damit
war der Feldzug der Landesvertheidiger
zu Ende. P. kehrte nun nach Windisch-
Matrei zurück, erhielt eine Civilanstellung
als Mautheinnehmer und Unterförster
mit jährlichen 3l)l) st., wurde mit dem
Armeekreuz und mit Allerh. Entschließung
vom 2. April 1832 mit der kleinen gol>
denen Civil>Ehrenmedaille ausgezeichnet.
Im Jahre 1829 wurde er plötzlich als
Zollmagazineur mit 300 st. pensionitt.
Im Jahre 1848 rückte er als gemeiner
Landesvertheidiger mit zwei Söhnen auf
Vorposten an die venetianische Grenze in
das Ampezzothal vor. ohne jedoch zum
Gefechte zu kommen. Im Juli 1832
unternahm er mit seinem Sohne Io-
seph ^siehe über diesen die nächste Spaltes
eine Reise nach St. Petersburg, wo er von ihm selbst verfertigte Steinschnitz,
arbeit — denn Johann war ein ge-
schickter Schnitzer und betrieb als Neben«
verdienst Schnitzarbeiten — dem Kaiser
Nikolaus überreichte, der ihn reichlich
beschenkte und ihm die goldene Verdienst.
Medaille am St. Annen»Ordensbande ver»
lieh. Im I . 1833 verliehen ihm auch noch
der König von Sachsen und jener von
Preußen, ersterer die k. sächsische goldene
Medaille am Bande des Civil-Verdienst-
Ordens und letzterer die silberne Huldi«
gungs'Medaille, Von seinen Schnitzereien
in Stein, Holz und Metall befinden sich
mehrere im Pcivatbesitze, ein sehr schönes
Stück im Ferdinandenm zu Innsbruck,
wo es als ein Beleg seiner ungewöhn-
lichen Kunstfertigkeit erscheint. Panzl
warzweimalverheirathet. Seine Franzl ,
die mit ihm so viele kummervolle Jahre
durchgemacht, starb, nachdem sie ihm
12 Kinder geboren, schon im Jahre
1834. P. verheirathete sich nun im
Jahre 1836 zum zweiten Male und
hatte mit dieser Frau noch sieben Kinder.
P. starb im Jahre 1862 im Alter von
76 Jahren. — Sein Sohn aus erster
Ehe, Joseph, der auch die Brauerei er»
lernt hatte, kam auf seiner Wanderung
irn Jahre 1848 gerade vor Wien, als
dasselbe im vollen Aufstande begriffen
war. Nm gegen die „Wiener Rebellen"
zu kämpfen, begab er sich in das Haupt»
quartier des Fürsten Nindisch« Gratz
und bat, ihn als Freiwilliger den Angriff
auf die Residenzstadt mitmachen zu dürfen.
Im 2. Feldjäger'Bataillon eingetheilt,
kämpfte er vom 26. October bis zur
Einnahme der Stadt am 3. November in
den Reihen desselben, war bei dem Sturme
auf die Wahringer Linie der Erste auf
dem Stadtwalle. Für seine Tapferkeit
erhielt er die silberne Tapferkeitsmedaille
2. Classe und später die Schloßwarter-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon