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283 Paradeiser
von dem Dasein derselben und ihrer
Brauchbarkeit überzeugt, selbst nach
Sachsen gegangen, um sich, wenn mög.
lich, über das Verfahren der dortigen
Fabrik und ihre Geheimnisse Aufschluß
zu verschaffen. Es war ihm auch gelun»
gen, einen Werkmeister der dortigen Fabrik
durch ansehnliche Kosten und Verheißun»
gen nach Wien zu bringen; dieser leistete
auch anfanglich gute Dienste und leitete
die ganze Manipulation, wurde aber
spater, da Paquier seine Versprechun»
gen nicht erfüllen konnte, mißvergnügt
und kehrte nach dem Ende des zweiten
Jahres wieder heimlich nach Sachsen
zurück, nachdem er vorher die Masse
Vorrathe der Fabrik unbrauchbar ge«
macht hatte. Dieser Schlag traf P.
schwer, er mußte in Folge dessen auf
einige Zeit mit der Fabrikation aus>
setzen und erst mehrere Leute für das
Geschäft mühsam heranbilden, bis er
nach vielfaltigen Versuchen wieder im
Stande war, mit der Fabrikation zu be«
ginnen. P. begann nun seine Anstalt
ordentlich einzurichten, mehrere Brenn»
öfen zu erbauen und vermehrte das Per»
sonale auf zwanzig Köpfe. Aber der Er«
folg entsprach nicht seinen Erwartungen.
Die Auslagen für die Bauten. Materia»
lien, Werkzeuge und die verschiedenen,
oft mißlungenen und immer sehr kost«
spieligen Versuche, dann für den Nnrer-
halt des Personals, das er sich erst her»
anbilden mußte, hatten seinen Fond end-
lich ganz erschöpft und ihn in solche
Schulden versetzt, daß er nach Verlauf
von 23 Jahren außer Stande war, die
Fabrik weiter fortzuführen. I n dieser
bedrängten Lage wendete er sich im
Jahre 1744 an die Kaiserin Mar ia
Theresia mit der Bitte, die im guten
Stande hergestellte Fabrik mit den darauf
lastenden Schulden (43.439 Gulden) zu übernehmen und ihm, so lange er leben
würde, die Administration der Fabrik
gegen freie Wohnung und Unterhalt zu
verleihen und nach seinem Tode seiner
Gattin eine Pension zu bewilligen. Un»
geachtet der damaligen schweren Kriegs'
zelten befahl doch die Kaiserin die Ueber»
gäbe der Fabrik an die Ministerial'
Banko.Hofdeputation, welche mit Ueber-
nahme aller Schulden jedoch auch sammt«
licher Gebäude und Vorrathe erfolgte;
Paquier erhielt dieDircction mit einem
Iahrgehalte von 1500 fi. und freier
Wohnung, und seiner Witwe wurde nach
seinein Ableben eine Pension von jähr-
lichen sechshundert Gulden zugestanden.
Mit dieser Uebernahme der Wiener Por«
zellanfabrik in das Staatseigentum be<
ginnt eine neue Periode dieser Anstalt,
welche sich allmalig zu einer nach allen
Seiten hin bedeutenden Höhe emporge«
schwungen. Die weitere Entwickelung
dieser Anstalt wird in dem in den Quel»
len geschilderten Aufsatze und in neuester
Zeit in der von Johannes Falke in der
.Wiener Zeitung" 1867, Nr. 14 u. f.,
veröffentlichten „Geschichte der k. k. Por«
zellanfabrik in Wien" ausführlich geschil»
dert. Hier galt es nur, das Andenken
ihres ersten Gründers, der so viele
Opfer gebracht, aufzufrischen und der
Vergessenheit zu entziehen.
Erneuerte vaterländische Blätter für
den österreichischen Kaiserstaat (Wien. 4".)
Jahrg. 1819, Nr. l6. l? u. l9.- „Geschichte
und Darstellung des gegenwärtigen Zustandes
der k. k. Porzellan.Manufactur in Wien".
Paradeiser, Karl ^mit dem Kloster-
namen Marias (Ton seh er und Be»
nedictinermönch, geb. zu Rinden-
thal in Oesterreich 11. October 1747,
gest. zu Melk !6. November 1773). Vr
wurde im Stifte erzogen und beendete in
demselben die Gymnasial« und philoso«
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon