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Paradeiser 280 Paradis
phischen Studien. Schon als Sänger«
knabe entzückte er durch seine schöne
Stimme. Auch entwickelte sich bald sein
musikalisches Talent, für dessen erste Lei-
rung der Musiklehrer R. Kimmcr l ing
der rechte Mann war. Noch als Student
componirte er eine Cantate, welche gele«
gentlich der Wahl des Abtes Urban I I .
zum Verordneten der niederösteireichi'
schen Stände aufgeführt wurde und all«
gemeinen Beifall erhielt. Im Jahre
1766 trat er selbst als Noviz in das
Stift und nahm den Klosternamen Ma-
r ian an; im Jahre 1771 erhielt er die
Priesterweihe und wurde fortan im Lehr»
amte am Stiftsgymnasium verwendet.
Leider entriß ihn ein frühzeitiger Tod
seiner doppelten Thätigkeit als Lehrer
und Künstler, und an dem Tage, an
welchem er die ihm verliehene Stelle eines
Professors der Theologie antreten sollte,
starb er im Alter von erst 23 Jahren.
P. spielte meisterhaft die Violine und
hat Vieles componirt, was mit den Ori«
giual-Pariituren im Stifte aufbewahrt
wird. Es sind, außer der oberwähnten
Cantate in (!, ein Singspiel, betitelt:
„6s/acion",deffen Doppelchor am Schlüsse
für ein kleines Meisterstück bezeichnet
wird', 32 Quartetten, von denen meh»
rere der berühmte Kreib ich sVd. XII I ,
S. 174). der Kammermusik-Director deS
Kaisers Joseph II., zu spielen liebte
und wozu der Kaiser selbst auf dem
Violoncell accompagnirte; 6 Trio, eine
Motette in I"-äur für Ali>Solo mit
Orchester, 3 saivs lis^ina, ein ^.vs
^lai-i'H in 3, ein ^,1ma KsäeNtoriL in V
und 12 Divertimenti, für Instrumente.
Sein früher Tod wurde im Stifte tief
beklagt und in seinem Nekrologe wird er
„Usiliaii ässiäerlum" genannt.
Allgemeine Wiener Musik-Zeitung.
Herausgegeben von August Schmidt (4".) t843, Nr. 13. — Oesterreichische Nlltio.
nal-Encyklopädie von Gräffer und Cz j.
kann (Wien l833, 8«.) Bd., VI, S. 373. ^
G aß n er (F. S. Dr.), Uniuersal»Ie,rikon der
Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande
(Stuttgart l8i9. Frz. Köhler. Ler. 8°.) S. 673,
— Meyer (I.)< Das große Conversations.
Lerikon für die gebildeten Stände (Hildburg,
hausen, Bibliogr Institut, gr. 5".) Zweite
Abtheilung. Bd. I I , S. 333.
Paradis, auch. jedoch unrichtig Para-
dies, Maria Theresia von (blinde Ton-
künstle r in , geb. zu Wien 13. Mai
1759, gest. ebenda 1., nach Anderen
4. Februar 1824). Sie ist die Tochter des
niederösterreichischen Regierungsrathes
Joseph Anton von Paradies (geb.
24. Juli 1733), der nach beendeten
Nechtsstudien in den Staatsdienst getre«
ten ist. Im Jahre 1733 kam er als
Criminal'Assefsor nach Temesvar, von
wo er eben, da er das Klima nicht ertra»
gen konnte, bald nach Wien zurückkehrte
und daselbst den Entwurf eines verbesser»
ten Strafgesehbuches für daS Banat aus-
arbeitete, welches veränderter Verhält»
nisse wegen nicht zur Ausführung kam,
jedoch hin und wieder benützt wurde.
Nun wurde P. Hofconcipist bei dem
geheimen Dirsotorium. in pudlioiä 6t
oiiuarueralikuL; im Jahre 1760 der
nach den innerösterreichischen Landen ab»
geordneten k.k. Hofcommission zugetheilt,
lernte er Steiermark, Kärnthen, Krain,
Görz.Gradisca, Istrien und das Küsten»
land und die Verhältnisse dieser Lander
genau kennen, was ihm in seiner amt«
lichen Stellung gut zu Statten kam.
Nach seiner Rückkehr erhielt er daS mitt«
lerweile erledigte Archivariat der Erb»
steuer-Hofcommission, welches er als
Chaos übernahm und nun in den Zustand
musterhafter Ordnung und Einrichtung
brachte. Im Jahre 1769 wurde er zum
k. k. Hofsecretär bei der Commerz-Hof»
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
O'Donnel-Perényi, Band 21
- Titel
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Untertitel
- O'Donnel-Perényi
- Band
- 21
- Autor
- Constant von Wurzbach
- Verlag
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Ort
- Wien
- Datum
- 1870
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- PD
- Abmessungen
- 13.41 x 21.45 cm
- Seiten
- 542
- Schlagwörter
- Biographien, Lebensskizzen
- Kategorien
- Lexika Wurzbach-Lexikon